Kreisel statt Teilspange

Die Grünliberalen stellen der vom Bund favorisierten Teilspange zur Entlastung der städtischen Autobahn eine Alternative gegenüber. Ein unterirdischer Kreisel bei der Kreuzbleiche wäre aus ihrer Sicht eine Lösung für alle Verkehrsteilnehmer.

Tobias Hänni
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«Wir möchten für die Entlastung der Stadtautobahn kein Strassenprojekt, sondern ein Verkehrskonzept», sagt Philipp Schönbächler, Mitglied der Grünliberalen der Stadt St. Gallen. Zusammen mit Parteipräsident Daniel Rüttimann und den beiden Vorstands- und Stadtparlaments-Mitgliedern Sonja Lüthi und Thomas Brunner bildet er die parteiinterne Arbeitsgruppe Verkehr.

Diese hat sich in den letzten Monaten mit der von Bund, Kanton und Stadt favorisierten Lösung zur Entlastung der städtischen Autobahn auseinandergesetzt: eine dritte Röhre durch den Rosenberg und einen Autobahn-Zubringer auf dem Areal des Güterbahnhofs. Eine Lösung, die in den Augen der Verkehrsgruppe kein nachhaltiges Verkehrskonzept darstellt – zumindest was die Teilspange angeht. «Das städtische Verkehrsnetz in diesem Bereich kann keinen zusätzlichen Verkehr mehr aufnehmen», sagt Thomas Brunner.

Keine Lösung für alle

Die «katastrophale Situation» auf der St. Leonhardsbrücke und bei anderen Hotspots westlich des Bahnhofs werde mit der Teilspange nicht genügend verbessert. «Oberstrasse, Teufenerstrasse und Geltenwilenstrasse werden eher noch mehr belastet», sagt Brunner.

Die St. Leonhardsbrücke sei bereits an ihren Kapazitätsgrenzen; der motorisierte Individualverkehr behindere dort öV und Langsamverkehr. Für die GLP braucht es deshalb eine Lösung für die Stadtautobahn, die auch die Engpässe im städtischen Netz berücksichtigt. «Wenn schon so viel Geld investiert wird, dann für eine Variante, die allen Verkehrsteilnehmern zugutekommt», sagt Parteipräsident Rüttimann. Eine solche entspräche auch dem Ziel im Verkehrsreglement, das Mobilitätswachstum mit öV und Langsamverkehr abzufangen und den Autoverkehr zu plafonieren.

Autos in den Untergrund

Diese Anforderungen erfüllen würde für die GLP ein unterirdischer Kreisel unter dem Dreieckpärkli bei der Autobahnausfahrt Kreuzbleiche (Grafik). Die von Zürcherstrasse, Autobahn-Ausfahrt, Rosenbergstrasse oder St. Leonhard-Strasse kommenden Autos würden über diese «Drehscheibe» fahren und bei den entsprechenden Ausfahrten wieder ins städtische Netz «eingespeist». «Der Standort der Ein- und Ausfahrten in den Kreisel müsste noch genauer geprüft werden» sagt Brunner. Die unterirdische Verbindung unter den Gleisen Richtung St. Leonhard-Strasse sei eine Herausforderung, ebenso die südliche Ein- und Ausfahrt wegen der Topographie und der Platzverhältnisse. «Eine Ausfahrt wäre bei der Davidstrasse, aber auch weiter oben, etwa bei der Oberstrasse denkbar.» Auch bezüglich der Kapazität des Kreisels gebe es noch offene Fragen. «Ein einfacher Kreisel reicht möglicherweise nicht aus», sagt Schönbächler. Es gebe aber verschiedene Varianten, wie etwa einen Turbinenkreisel, mit mehreren vertikalen Ebenen.

Mehr Platz für Busse und Velos

Trotz der noch zu klärenden Aspekte ist die Arbeitsgruppe von den Vorteilen des Kreisels überzeugt: «Die Verkehrsströme würden entkoppelt und die Querverbindung über die St. Leonhardsbrücke deutlich entlastet.» Oberirdisch werde der Bereich rund um die Brücke für den öV und den Langsamverkehr freigespielt, der Autoverkehr könne im Untergrund im Vergleich zu heute frei von Kreuzungen zirkulieren. «Es ist eine Win-Win-Variante», sagt Brunner.

Für den Kreisel würden laut den Grünliberalen auch aus Sicht der Stadtplanung und der Stadtentwicklung gute Gründe sprechen. So bleibe das Güterbahnhof-Areal als wertvolle Baureserve erhalten. «Und der Riegel zwischen Lokremise, Kreuzbleiche und St. Leonhard verschwindet», sagt Brunner. Dadurch entstehe ein Entwicklungsgebiet, das locker mit dem Museumsquartier mithalten könne.

Handeln, bevor's zu spät ist

Wie ihre Idee nun in den Planungsprozess zur Autobahn einfliessen soll, hat die Arbeitsgruppe noch nicht entschieden. «Denkbar wären Vorstösse. Oder, dass wir die Idee bei der Stadt deponieren.» Es gehe ihnen nicht darum, der Planung Sand ins Getriebe zu streuen, betont Rüttimann. «Aber der Fächer für alternative Lösungen muss jetzt noch geöffnet werden.»

Prüfe man nun nicht andere Wege zur Entlastung der Autobahn und des städtischen Verkehrsnetzes, werde die Stadt irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt. Es gelte, eine mehrheitsfähige Lösung zu finden, die man gegenüber dem Bund so geschlossen wie möglich vertreten könne.

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