Kredite für den Kauf von Fertighäusern erschwindelt

ST.GALLEN. Ein Italiener, ein Schweizer und ein Deutscher sollen auf Provisionsbasis Fertighäuser verkauft und dabei Banken über die Bonität von Käufern getäuscht haben, damit diese Kredite erhielten. Am Dienstag befasste sich das Kreisgericht St.Gallen mit dem Fall.

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Das Kreisgericht St.Gallen hatte sich mit einem Betrugsfall zu befassen. Das Urteil steht noch aus. (Bild: Coralie Wenger/Archiv)

Das Kreisgericht St.Gallen hatte sich mit einem Betrugsfall zu befassen. Das Urteil steht noch aus. (Bild: Coralie Wenger/Archiv)

Das Urteil steht noch aus. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft lauten unter anderem auf Betrug, Urkundenfälschung und arglistige Vermögensschädigung. Für den Hauptangeklagten, einen 42-jährigen Italiener, fordert sie eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren, eine unbedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 200 Franken und eine Ersatzforderung von rund 63'000 Franken.

Die beiden 47-jährigen Mitangeklagten ein Deutscher und ein Schweizer sollen mit bedingten Geldstrafen von 360 und 180 Tagessätzen sanktioniert werden. Weil sich der Schweizer auch wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln verantworten muss, verlangt die Anklage für ihn zusätzlich eine Busse von 800 Franken.

Teilweise geständig
Der Italiener gab als einziger auf alle Fragen des vorsitzenden Richters Antwort. Er hatte in den Jahren 2006 bis 2012 für die Vermittlung von Fertighäusern Provisionen erhalten. Gleichzeitig unterstützte er die Kunden bei den Anträgen für die Hypokredite.

Dabei soll er in den entsprechenden Unterlagen falsche Angaben über die finanziellen Verhältnisse der Bauherren gemacht haben. So hätten die Banken Kredite gesprochen, die sie bei Kenntnis der wahren Verhältnisse verweigert hätten, lautete der Vorwurf der Anklage.

Der Beschuldigte war geständig, in einigen Fällen von den falschen Angaben in den Kreditanträgen gewusst zu haben. In anderen verneinte er seine Mitwirkung. Man sei gemeinsam mit den potentiellen Käufern auf die Idee gekommen, die Unterlagen zu manipulieren. Unter anderem legten sie den Banken gefälschte Steuererklärungen vor. Das Vorgehen sei nichts anderes als eine Dummheit gewesen, betonte der Hauptangeklagte.

Verteidiger: Banken mitschuldig
Der Verteidiger verlangte, dass sein Mandant lediglich wegen mehrfacher Urkundenfälschung verurteilt wird. Die Banken hätten in strafrechtlichem Sinn keinen Schaden erlitten. Als ausgewiesene Profis hätten die zuständigen Bankangestellten geradezu fahrlässig gehandelt, als sie die Kreditverträge ohne genauere Abklärungen abgeschlossen hätten. Die eingereichten Unterlagen seien ungeprüft akzeptiert worden. Als Sanktion verlangte der Verteidiger eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen. Auf eine Ersatzforderung sei zu verzichten.

Dem zweiten Beschuldigten wurde vorgeworfen, er habe den Italiener in vier Fällen unterstützt. Sein Verteidiger forderte für ihn einen Freispruch von Schuld und Strafe. Es gebe keine Beweise für seine Mitschuld.

Der dritte Beschuldigte interessierte sich selber für ein Fertighaus und soll der Bank mündlich bestätigt haben, dass er einer nebenberuflichen Tätigkeit nachgeht, um seine Einkommensverhältnisse zu beschönigen und damit den Kredit zu erhalten. Auch für ihn verlangte sein Verteidiger Freisprüche. Er machte Verfahrensmängel geltend. Das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet. (sda)

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