Kraut und Rüben im Stadtzentrum

ST.GALLEN. In diesem Sommer will die Stadt St. Gallen zusammen mit zwei Quartiervereinen das Projekt «Clever geniessen» umsetzen. Mitten in der Stadt wird Gemüse angebaut. Die Probleme, die Zürich hatte, befürchtet man hier nicht.

Elisabeth Reisp
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Das Zürcher Projekt «Frau Gerolds Garten» ist in der Schweiz ein Vorreiter des Urban Gardenings. (Bild: pd)

Das Zürcher Projekt «Frau Gerolds Garten» ist in der Schweiz ein Vorreiter des Urban Gardenings. (Bild: pd)

Urban Gardening ist ein Modewort für etwas, was es eigentlich schon lange gibt: Gärtnern in der Stadt. Und doch ist es etwas mehr als das; es steht auch für bewusste Ernährung, Gemeinschaft und Veränderung der Lebenswelt.

Eine an der Fachhochschule (FHS) eingereichte Masterarbeit von Yasmine Zweifel hat sich mit Urban Gardening und seinen Möglichkeiten in der Stadt St. Gallen befasst. Sie kommt zum Schluss, dass Urban Gardening in St. Gallen auf Interessierte treffen würde, «es braucht nur ein Startgruppe, die die Kugel ins Rollen bringt». Diese Gruppe hat sich jetzt formiert. Zusammen mit den Quartiervereinen Südost und Gallusplatz will das Amt für Umwelt und Energie in diesem Jahr Hochbeete auf öffentlichen Plätzen bewirtschaften. Das Projekt nennt sich in St. Gallen «Clever geniessen», verantwortlich ist Karin Hungerbühler.

Mit Hilfe des Gartenbauamtes

«Wir wollen die Leute sensibilisieren, klimafreundlich zu essen, das heisst regional, saisonal und frisch», sagt Hungerbühler. Deswegen seien Standorte gewählt worden, an denen man die Hochbeete gut sieht. Auf dem Pic-o-Bello-Platz, an der Lämmlisbrunnenstrasse und im Spickel zwischen Speicherstrasse und Linsenbühlstrasse werden die Hochbeete plaziert. Weitere werden gemäss Hungerbühler auch bei der FHS stehen.

Die Hochbeete, Kisten aus Metall, wird es in zwei Grössen geben; das kleinere hat eine Pflanzfläche von knapp einem Quadratmeter, im grösseren kann auf rund zwei Quadratmetern gegärtnert werden. Die Beete werden von der Stadt zur Verfügung gestellt, ebenso wie die Erstbepflanzung. Das Gartenbauamt werde die freiwilligen Gärtner zudem einführen, sagt Hungerbühler.

Das Projekt startet im Mai. Salat, Kohlrabi, Fenchel, Radieschen und vieles mehr hat das Gartenbauamt bereits bestellt. Für die künftige Bepflanzung sind die Gärtner selber verantwortlich. «Die Stadt stellt aber ein kleines Budget dafür zur Verfügung», sagt Hungerbühler.

In Zürich verschmäht

Die Stadtzürcher konnten im vergangenen Jahr Gemüse aus den Rabatten ernten. Nur: Keiner wollte das Gemüse von der Strasse haben. Denn die Stadt betrieb nicht eigentliches Urban Gardening, sie bepflanzte Rabatten und Verkehrskreisel statt mit Blumen für einmal mit Gemüse, das eigentlich nicht zum Verzehr gedacht war. Erst im Spätsommer hatte die Stadt entschieden, dass das Gemüse doch geerntet werden durfte. Den Leuten schien das Gemüse, das dem Feinstaub ausgesetzt war, nicht geniessbar. Das Gemüse landete schliesslich zum grössten Teil doch auf dem Kompost.

In St. Gallen rechnet Hungerbühler allerdings nicht mit diesem Effekt. Ein Ziel sei es ja, dass die Leute das Gemüse ernten und so werde es von vornherein kommuniziert. Auch in der Masterarbeit wird die Verschmutzung durch Feinstaub thematisiert. Gemäss dieser Arbeit sei dies aber mit relativ einfachen Mitteln zu verhindern. Eine Hecke zwischen Gemüse und Strasse würde bereits genügen.

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