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KOREANERIN IN ST.GALLEN: «Die Unterschiede zwischen der Schweiz und Korea sind enorm»

Von den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang ist in der Stadt St. Gallen kaum etwas zu spüren. Korea hingegen findet sehr wohl in der Stadt statt. Etwa im Museum oder in Yong-Suc Hungerbühlers Wohnzimmer.
Elisabeth Reisp
Yong-Suc Hungerbühler lebt auch nach 50 Jahren in St. Gallen noch viel koreanische Tradition. (Bild: Urs Bucher)

Yong-Suc Hungerbühler lebt auch nach 50 Jahren in St. Gallen noch viel koreanische Tradition. (Bild: Urs Bucher)

Elisabeth Reisp

elisabeth.reisp@tagblatt.ch

In Südkorea kämpfen derzeit Sportler aus aller Welt um Gold, Silber und Bronze. Die diesjährigen Olympischen Winterspiele erhalten hierzulande aber nicht so viel Aufmerksamkeit, wie in anderen Jahren. Vielleicht, weil aufgrund der Zeitverschiebung die Spiele hier nur in der Nacht zu sehen sind. Vielleicht auch, weil die Kultur eine ganz andere ist.

Auch in St.Gallen sind die Olympischen Spiele nicht sehr präsent. Weder in den Sportgeschäften wird gross damit geworben, noch sieht man in den Bars aufgrund der Zeitverschiebung eine Übertragung der Wettkämpfe. Einzig im Historischen und Völkerkundemuseum ist derzeit etwas Korea zu erleben. Es zeigt die Koreasammlung von Max Hungerbühler.

Ein Koreaner gewinnt immer für sein Land

Max Hungerbühler ist vor 15 Jahren gestorben. Seine Frau Yong-Suc lebt aber nach wie vor in St.Gallen. Als eine der wenigen Koreaner in der Region. Und obwohl die 77-Jährige seit einem halben Jahrhundert in der Schweiz lebt, ist sie der koreanischen Kultur stark verbunden. Natürlich verfolge sie die Olympischen Winterspiele von Pyeongchang, sagt sie lachend. «Aber mehr so nebenbei». Oder wenn sie nachts aufwacht und dann den Fernseher einstellt.

Beim Schauen der Olympischen Spiele werden ihr die Unterschiede zwischen den Kulturen wieder deutlich bewusst. «Vor ein paar Tagen hat ein Koreaner eine Goldmedaille gewonnen – Skeleton oder so etwas», erzählt sie. Daraufhin habe ein Schweizer Sportreporter ihn gefragt, ob er das jetzt mit seinen Freunden feiern wird. «Für den Koreaner war diese Frage völlig irritierend. Wieso sollte er mit seinen Freunden feiern? Er hatte diese Medaille doch für sein Land ge-wonnen», erklärt Yong-Suc Hungerbühler. «Koreaner sind unglaublich patriotisch. Sie gewinnen nie für sich selbst, sie denken für ihr Land.» Die Korea-St.Gallerin präferiert aber keine der beiden Kulturen: «Ich drücke immer den Schweizern und den Koreanern die Daumen.»

Dieser selbstverständliche Patriotismus hat auch die Spaltung des Landes 1948 überstanden – oder wurde deswegen vielleicht noch stärker. An diesen Olympischen Spielen treten die Athleten von Nord- und Südkorea nun erstmals unter einer Flagge auf. Für viele Koreaner ein schwieriges Thema. Auch für Yong-Suc Hungerbühler. Auf die Frage, was sie davon halte, antwortet sie wie aus der Pistole geschossen: «Gar nichts!» Bei den Olympischen Spielen gehe es um Sport und um nichts anderes, sagt sie energisch. Dass die Spiele für politische Zwecke genutzt werden, widerstrebt ihr offensichtlich zutiefst.

Ein Netzwerk für Asiatinnen

«Ich war 1960 die einzige Koreanerin in St.Gallen, später kamen aber immer mehr Asiatinnen in die Region. Für sie gründete ich einen Zirkel.» Der Zirkel sollte nicht nur ein Netzwerk für eingewanderte Asiatinnen sein. Vielmehr sollten sie hier Rat und Hilfe für alle möglichen Alltagsfragen erhalten. «Zum Beispiel wenn jemand einen Anwalt brauchte, oder wenn es eine Unklarheit auf den Ämtern gab und so weiter», sagt sie. Später, als es in der Stadt und der Region mehr südkoreanische Einwanderer lebten, gründete Yong-Suc Hungerbühler eine koreanische Schule. «Immer samstags konnten koreastämmige Kinder hier die Sprache und die koreanische Kultur kennen lernen.

Mittlerweile hat sich die studierte Musikerin aber etwas zurückgezogen und ihr Engagement für asiatische Einwanderinnen beendet. «Ich habe jetzt ja auch ein gewisses Alter», fügt sie lachend an. Zu Koreanern in der Stadt habe sie eigentlich keinen oder nur noch wenig Kontakt mehr. Sie habe aber noch koreanische Bekannte in Appenzell und in Gossau .

Doch die letzte Koreanerin in der Stadt ist Yong-Suc Hungerbühler nicht: Gemäss Einwohnermeldestelle der Stadt sind derzeit 31 Personen aus der Republik Korea in St.Gallen angemeldet. Zehn Männer und 21 Frauen.

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