KOPF DES TAGES

Der smarte Harte Er dürfte der internationalste St. Galler SVP-Politiker sein: Roland Rino Büchel, Sportmanager, Kantonsrat, Nationalrat in spe. Er warb als Nationalratskandidat mit dem Schweizerkreuz – gross. Und den Flaggen 20 weiterer Länder – kleiner.

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Roland Rino Büchel löst Jasmin Hutter im Nationalrat ab – nach der Geburt von Hutters Baby. (Bild: pd)

Roland Rino Büchel löst Jasmin Hutter im Nationalrat ab – nach der Geburt von Hutters Baby. (Bild: pd)

Der smarte Harte

Er dürfte der internationalste St. Galler SVP-Politiker sein: Roland Rino Büchel, Sportmanager, Kantonsrat, Nationalrat in spe. Er warb als Nationalratskandidat mit dem Schweizerkreuz – gross. Und den Flaggen 20 weiterer Länder – kleiner. Das war im Herbst 2007. Der Hintergrund? Büchel arbeitete in 20 Ländern auf vier Kontinenten. Derselbe Mann sagt: «Eine Annäherung an die EU darf nicht sein.

» Im Ausland tätig sein und sich gleichzeitig hinter die eigenen Landesgrenzen zurückziehen? «Eben darum», sagt Büchel. Er sieht darin keinen Widerspruch. «Gerade weil ich im Ausland war, habe ich die direkte Demokratie schätzen gelernt.»

Dafür engagiert er sich heute – bei der SVP. Ziemlich stramm. «Ganz rechts aussen», sagen seine Kritiker. «Was mir wichtig ist, das vertrete ich überzeugt», sagt Büchel. Und weiter: «Das sieht manchmal konservativ aus.»

Sich selber beworben

Büchel ist ein politischer Quereinsteiger. Sechs Jahre ist es her, die Wahlen ins St. Galler Kantonsparlament standen an – und der Oberrieter meldete sich bei der SVP. «Ich möchte Kantonsrat werden.» Er sei wegen seines kecken Vorgehens ausgelacht worden, doch das habe er erst später erfahren – «hinten herum». Seit 2004 gehört der 44-Jährige dem Kantonsparlament an.

An dessen Sitzungen in der Pfalz ärgert er sich öfter, dass das Parlament «seine Kontrollfunktion gegenüber Regierung und Verwaltung nicht wahrnimmt». Viele seien eben zu «verhängt», bangten um Aufträge oder Beförderung. Er dagegen sei «unabhängiger, freier als der Durchschnittsparlamentarier». Narrenfrei? Er verneint. Seine grössere Freiheit bedeute nicht, dass er «einfach dumm herumrufen» könne.

Das gelte auch für die Fernseh-Auftritte; Büchel ist häufiger «Arena»-Gast – in der zweiten Reihe.

Populistisch oder populär?

Büchel – er stammt aus einer Gewerbler-Familie und hat bei einer Bank in Altstätten gestiftet – sieht sich als Vertreter einer wirtschaftsliberalen Politik. Weniger Gebühren, weniger Abgaben, weniger Steuern. «Mein Einsatz gilt der Sache», sagt er. «Wenn mir etwas zuwider ist, sage ich es.

» Der Auftritt des ansonsten smarten Rheintalers ist bestimmt, kompromisslos. So stritt er sich schon mit diesem und jenem Regierungsrat – «ich habe keine Ambitionen auf ein Exekutivamt». Er sei «ein aggressiver Siech», sei ihm schon vorgeworfen worden. Zutreffend? «Die Unwahrheit anständig zu erzählen, das ist unanständig», weicht er aus. Dann: «Vielleicht mein Temperament.» Büchel hat italienisches Blut. Er sei ein Populist, sagen seine Gegner. Er habe gelernt einzustecken, sagt Büchel.

«Ich könnte mich locker populär verhalten – mit meinem Sportengagement.» Doch selbst da hält er sich nicht zurück – kritisiert in Leserbriefen die Preise in der AFG Arena, protestiert gegen einen Lotteriefonds-Beitrag für ein internationales Junioren-Fussballturnier, «weil die milliardenschwere Gigi Oeri dahinter steht».

Was strebt er in Bern an? Er werde erst einmal ruhig sein – «und nicht gleich die grosse Schnauze haben». (rw)

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