Konsens nur mit Ersatz

Die Lage ist verzwickt. Denn auch eine Vox-Analyse kann bei aller Repräsentativität und Wissenschaftlichkeit unterschiedlich gedeutet werden. Umso mehr, wenn einem die daraus gezogenen Schlüsse nicht passen.

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Die Lage ist verzwickt. Denn auch eine Vox-Analyse kann bei aller Repräsentativität und Wissenschaftlichkeit unterschiedlich gedeutet werden. Umso mehr, wenn einem die daraus gezogenen Schlüsse nicht passen. Dann sind sie einfach «voreilig» und «überhastet», wie es aus dem bürgerlichen Lager hiess und Wirtschaft und Gewerbe nun nachdoppeln.

Die Ideologen von links bis rechts liegen sich also wieder in den Haaren, und neuerlich droht, wie vor dem Parkplatzkonsens, der Blick aufs Ganze verlorenzugehen. Die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt ist auch in abgespeckter Form nicht in erster Linie eine Parkplatz-, sondern eine städtebauliche und eine ÖV-Frage. Es geht, dies einfach zur Erinnerung, um die dringend notwendige Aufwertung des zentralsten unserer innerstädtischen Plätze.

Freilich haben sich seit dem Vox-Verdikt auch besonnene Stimmen zu Wort gemeldet. Etwa jene, die, ähnlich der Altstadt- oder Parkplatzkonsens-Runde, einen runden Tisch vorschlugen. Die neue Ausgangslage mit Calatrava-Halle, ohne Parkgarage Schibenertor und wohl auch ohne Markthalle bedeutet nichts anderes als einen Neustart. Wiederum sind vielfältigste Interessen zu bündeln, und erneut müssen deren Vertreter zahlreiche Federn lassen. Wie damals beim Parkplatzkonsens, der, statt ihn endgültig zu versenken, ebenfalls neu ausgehandelt werden könnte. Idealerweise, damit sich alle wohl im Boot fühlen, mit valablem Ersatz für die gestrichenen oberirdischen Parkplätze.

Das Druckmittel für eine Einigung hält die SP bereits in der Hinterhand. Ihre angekündigte Initiative für einen autofreien Marktplatz käme ohne Parkgarage und ohne Ersatzparkplätze vors Volk. Ein gemässigter Gegenvorschlag könnte vielen den Urnenentscheid erleichtern. Andreas Nagel

andreas.nagel@tagblatt.ch