Konkurrenz am Fenster

In vielen Gemeinden stimmt sich die Bevölkerung mit Adventsfenstern auf Weihnachten ein. Doch es wird immer schwieriger, diesen Brauch aufrechtzuerhalten. Die Erwartungen sind zu gross, die Zeit zu knapp.

Tim Wirth
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Bei Adventsfenstern treffen sich Leute auch in düsterer Zeit. Zum Gelingen braucht es aber viele Freiwillige. (Archivbild: Rudolf Steiner)

Bei Adventsfenstern treffen sich Leute auch in düsterer Zeit. Zum Gelingen braucht es aber viele Freiwillige. (Archivbild: Rudolf Steiner)

An einem Abend nach draussen in die Dunkelheit gehen und sich bei Nachbarn aufwärmen. Gespräche führen, Kunstwerke bestaunen und sich auf Weihnachten einstimmen. Adventsfenster geben Anlass zu kreativem Schaffen und führen verschiedene Menschen einer Gemeinde zusammen. Doch ein solcher Brauch kann nur bestehen, wenn sich Leute freiwillig engagieren und sich Zeit nehmen. In Muolen konnten dieses Jahr im letzten Moment noch Freiwillige gefunden werden; das Projekt stand auf der Kippe. «Viele haben zu hohe Erwartungen an sich selbst und getrauen sich nicht», sagt Sarah Bürge, Organisatorin der Muoler Weihnachtsfenster. Dabei könne mit sehr wenig sehr viel gmacht werden.

Nicht mehr jeden Abend

Die Familie Candio gestaltet schon seit einigen Jahren ein Adventsfenster in Muolen. «Wir hätten es sehr schade gefunden, wenn nicht genug Leute mitgemacht hätten», sagt Sabrina Candio. Die Leute hätten in der heutigen Zeit einfach sehr viel um die Ohren. Zudem fände ein ständiger Vergleich statt. Die einen bewirten gar nicht, andere schenken «nur» Punsch aus, und wieder andere servieren sogar warme Speisen.

Diese Probleme kennt auch Carole Müller von Fami Wittenbach, die die Adventsfenster-Aktion organisiert. Seit einem Jahr werden in Wittenbach nur noch unter der Woche Adventsfenster eingeweiht. «Die meisten Wochenenden in der Vorweihnachtszeit sind ausgebucht», sagt Müller. Es lohne sich nicht, alle Fenster krampfhaft füllen zu wollen. Auch sei es nicht das Ziel, dass sich die Leute einen Stress machen.

Nur unter der Woche Fenster zu haben, kommt für Sarah Bürge hingegen nicht in Frage: «Ein richtiger Adventskalender hat einfach 24 Tore.» Sie habe aber darüber nachgedacht, nur noch in jedem zweiten Jahr einen Adventskalender zu organisieren.

Abgespeckte Bräuche

Auch in anderen Gemeinden ist man vom Gedanken weggekommen, dass an jedem Abend eine Familie Gäste bewirtet. In Arnegg organisiert die Dorfkorporation zwar 24 Adventsfenster, ein Apéro gibt es jedoch nur neunmal. In Bernhardzell wird der Adventsfenster-Brauch jedesmal etwas anders aufgegleist. Dieses Jahr gestalten Kinder aus dem Dorf eine Zeichnung; jeden Tag wird ein Kunstwerk am Kindergartendach aufgehängt. Einmal in der Woche gibt es ein Treffen beim Adventskalender, wo gemeinsam Geschichten erzählt und Lieder gesungen werden.

In Häggenschwil hat sich laut Katja Mucnjak, Präsidentin der Frauengemeinschaft, ein Turnus eingependelt: «Dieses Jahr gestalten die Primarschüler jeden Tag einen Teil einer Installation auf der Dorfwiese.» Dieser Brauch wechselt sich mit klassischen Adventsfenstern bei Freiwilligen ab. «Wir finden nicht jedes Jahr genug Leute für Adventsfenster», sagt Mucnjak.

Berg hat keine Adventsfenster

Berg ist die einzige Gemeinde in der Region, in der keine Adventsfenster gezeigt werden. In Gossau organisieren Quartiervereine den Brauch. Mörschwil, Eggersriet und Engelburg haben jeden Abend ein Adventsfenster. Die Fenster gehören laut den Organisatoren zum Zauber der Vorweihnachtszeit und bilden einen Gegenpol zur kommerziellen Weihnachtsdekoration.