KONFLIKT: Streit um die Verpflegung: FC Rorschach-Goldach will Wirt ins Abseits stellen

Der FC Rorschach-Goldach will Pächter des Sporttreffs bei der Sportanlage Kellen werden. Seit der Verein im Herbst auf eigene Faust Essen und Trinken verkauft hat, steht er mit dem Wirt auf Kriegsfuss.

Arcangelo Balsamo
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Gehört für viele zu einem Fussballmatch dazu: Feines vom Grill - beispielsweise eine Bratwurst. (Bild: Ralph Ribi)

Gehört für viele zu einem Fussballmatch dazu: Feines vom Grill - beispielsweise eine Bratwurst. (Bild: Ralph Ribi)

Arcangelo Balsamo

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@tagblatt.ch

Wenn ein Verein auf der Sportanlage Kellen während eines Anlasses Essen und Trinken verkaufen will, dann muss er sich mit Maggie und Rolf Muttner vom Restaurant bei der Sportanlage in Kontakt setzen. Das Wirtepaar klärt dann mit dem Verein ab, wie das Gastroangebot aussehen soll. «Wenn der Leichtathletikverein beispielsweise gerne Schnitzelbrote verkaufen möchte, dann streichen wir das Schnitzelbrot von unserer Karte. Das ist überhaupt kein Problem», sagt Rolf Muttner. Bis vor kurzem hätten sich alle Vereine an diese Spielregeln gehalten, sagt der Wirt.

An drei Heimspielen des FC Rorschach-Goldach während der vergangenen Hinrunde habe der Fussballverein diese Regeln gebrochen, sagt der Wirt. «Ohne zu informieren, hat der Verein einen Container aufgestellt und Bier und Würste verkauft.» Das Vorgehen ist zum einen problematisch, weil vertraglich geregelt ist, dass niemand auf der Sportanlage mit dem Wirtepaar konkurrieren darf, und weil sowohl für das Aufstellen des Containers als auch für das Ausschenken alkoholischer Getränke eine Bewilligung bei der Gemeinde Tübach eingeholt werden muss. Denn die Sportanlage befindet sich auf deren Gemeindegebiet. Gemeindepräsident Michael Götte bestätigt, dass von Seiten des Fussballvereins keine Anträge in dieser Hinsicht gestellt worden seien. «Der Vorfall mit dem Container wurde uns nach dem vorletzten Heimspiel zugetragen. Da wir nur sicher waren, dass es an einem Spieltag dazu kam, drückten wir ein Auge zu. Aber wir haben dem Verein klar mitgeteilt, dass wir ein solches Vorgehen, ab dem Start der Rückrunde im Frühling nicht mehr dulden werden.»

Zwischen dem Verein und dem Wirtepaar sei die Situation danach auf verbaler Ebene eskaliert, sagt Muttner. Mittlerweile hat der Konflikt die nächste Stufe erreicht. Gemäss gut unterrichteten Kreisen hat der FC in der Zwischenzeit beim Zweckverband einen Antrag gestellt, um das Restaurant selbst zu übernehmen und Muttner somit ins Abseits zu stellen.

Zweckverband bestätigt Antrag

Dominik Gemperli, Präsident des Zweckverbands bestätigt auf Nachfrage, dass «ein Antrag vorliegt, der in diese Richtung zielt». Mehr wolle er jedoch nicht dazu sagen, da der Verwaltungsrat des Zweckverbands den Antrag noch nicht thematisiert habe. Der Zweckverband sei jedoch zufrieden mit dem Wirtepaar, deshalb drängten sich ohne Not auch keine Veränderungen auf. «Klar ist aber auch, dass wir verpflichtet sind, die eingehenden Anträge zu überprüfen und auch die Interessen des FC ernst zu nehmen.»

Tübachs Gemeindepräsident ist ebenfalls sehr zufrieden mit der Arbeit der Muttners bei der Sportanlage. Besonders wichtig ist Götte, dass das Restaurant auch nach einer allfälligen Änderung des Pächters jeweils offen habe, wenn nicht Fussball gespielt wird. «Für die Gemeinde ist die Gegend um die Sportanlage ein wichtiges Naherholungsgebiet. Uns ist wichtig, dass die Besucher des Spielplatzes und die Leute, die in der Umgebung die Natur geniessen, an einem Ort in der Nähe einkehren können.»

Präsident und Betriebsleiter zugleich

Markus Hundsbichler, der Präsident des FC Rorschach-Goldach, sagt, dass er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Antrag äussern möchte. Bevor der Fussballverein den Container aufgestellt hatte, habe Muttner dem Verein angeboten, dass dieser auf der Gegentribünenseite einen mobilen Stand aufmachen und dort Würste und Bier verkaufen könne. «Das wollte der FC jedoch nicht», sagt Muttner. Er habe das Gefühl, dass Hundsbichler alles wolle. Ausserdem sagt der Wirt, dass der Präsident des Vereins die Regeln bestens kenne. «Schliesslich ist er nicht nur Präsident des FC, sondern auch der Betriebsleiter der Anlage.» Er sei somit auch die Person, die den anderen Vereinen die Bewilligung gebe auf der Sportanlage eine Veranstaltung durchzuführen und die Verantwortlichen an das Wirtepaar verweise.

Auf der Internetseite der Gemeinde Goldach findet man einen Eintrag zu den Sport- und Erholungsanlagen Kellen. Dort steht folgender Satz: «Der Betrieb obliegt einer eigenen, regionalen Kommission. Ansprechpartner bei Fragen rund um den Betrieb ist Markus Hundsbichler.» Dieser Satz scheint zumindest fragwürdig, wenn man bedenkt, dass sich Hundsbichler offenbar selbst nicht an die Regeln hält und zu diesem Zeitpunkt dazu auch keine Auskunft geben möchte.