Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KONFETTIKANONE: St.Galler Fasnächtler ehren starke Frau: Wer sie ist bleibt bis am Samstag geheim

Am Samstagabend erreicht die St.Galler Fasnacht beim Vadian-Denkmal einen weiteren Höhepunkt. Mit einem Ritual, bei dem viel Konfetti eine Rolle spielt, nehmen die Ehren-Födlebürger (Föbü) jemand Neuen in ihre Reihen auf.
Reto Voneschen
Föbü-Verschuss 2017: Damals wurde Tranquillo Barnetta mit einer Ladung Konfetti ins Fasnachtsparadies geschossen. In diesem Jahr muss am Fasnachtssamstag eine Frau vor die Kanone. (Bild: Urs Bucher)

Föbü-Verschuss 2017: Damals wurde Tranquillo Barnetta mit einer Ladung Konfetti ins Fasnachtsparadies geschossen. In diesem Jahr muss am Fasnachtssamstag eine Frau vor die Kanone. (Bild: Urs Bucher)

Was den St.Galler Stimmberechtigten im vergangenen November richtig erschien, ist den

Sonja Lüthi (Bild: Michel Canonica)

Sonja Lüthi (Bild: Michel Canonica)

städtischen Oberfasnächtlern jetzt nur billig: Beide haben sie eine Frau gewählt – die einen haben Sonja Lüthi zur neuen Stadträtin gemacht, die anderen haben zur Blutauffrischung eine neue Ehren-Födlebürgerin (Föbine) auserkoren. Und nein, da besteht sonst gar kein Zusammenhang: Zu Fasnachtsehren kommt die Grünliberale, die im Stadtratsrennen obenaus schwang, nicht auch noch. Und die Fasnachtsehre wird auch nicht als Trostpflaster an den Zweitplatzieren Boris Tschirky verteilt. Das wäre doch zu einfach gewesen.

Ehren-Födlebürger lassen rätseln

Dass am Samstag eine Frau vor die Konfettikanone muss, ist sicher. Das weiss man, weil es dem traditionellen Rätseltext von Föbine Mélanie XII. Knüsel-Rietmannzu entnehmen ist. Traditionellerweise bleibt ja bis am Fasnachtssamstag geheim, wer auserwählt wurde. Es soll gemäss Satzung der Föbüs eine Person sein, die durch einen speziellen Akt der Zivilcourage oder durch spezielles Engagement für die Allgemeinheit aufgefallen ist. Ihr wird am Samstagabend zu Füssen von Stadtvater Vadian mit sehr viel Konfetti der letzte Rest Spiessertum ausgetrieben. Dies, damit sie ins Föbü- und Föbinen-Paradies einziehen kann.

Patrizia Adam (Bild: Urs Bucher)

Patrizia Adam (Bild: Urs Bucher)

Der im Vorfeld des Föbü-Verschusses den Medien zugespielte Rätseltext legt es auch diesmal darauf an, falsche Spuren zu legen. Drum sei hier wenigstens klargestellt: Normalerweise gut unterrichtete Kreise bestätigen, dass diesmal keine Politikerin geehrt wird. Die Auserwählte ist nicht alt Stadträtin Patrizia Adam, alt Stadträtin Barbara Eberhardoder alt Regierungsrätin Kathrin Hilber. Das ist sicher. Auch wenn Hilber der Ruf vorauseilt, eine starke Frau zu sein, die seinerzeit sehr wohl in der Lage war, ihren Regierungsgspänli jeweils «den Gang einzulegen», wie man so schön sagt.

Eine starke Frau, die sich durchsetzt

Wer aber ist es? Glaubt man den Hinweisen der Föbüs, handelt es sich um eine sportliche Frau. Eine mit Schlagkraft – ob im wörtlichen oder im übertragenen Sinn bleibt dahin gestellt. Auf jeden Fall gerät «die Neue» beim Treppensteigen «nicht so schnell in Atemnot». Und sie betreut gemäss Mélanie XII. unter anderem den Nachwuchs in einer wenig zimperlichen Sportart. An den Verschuss bringt sie aber mit Sicherheit kein Ross mit: Das haben die Pferde liebenden Schwestern verbockt. Sie setzten die Föbine als Mädchen nämlich auf einen Gaul, der dann auch prompt durchbrannte: «Es ist ein Wunder, dass ich das überlebt habe!»

Giulia Steingruber (Bild: PD)

Giulia Steingruber (Bild: PD)

Die Föbine 2018 sei eine klassische starke Frau, heisst es im Föbü-Rätseltext. Sie sei neben dem St.Leonhard-Schulhaus aufgewachsen. Womit Giulia Steingruberauch schon weg vom Fenster ist. Genau wie alle aktuellen Olympiateilnehmerinnen: Die weilen bereits in Südkorea. Aber zurück zum Rätsel: Als Kind sei die neue Föbine ein richtiges «Luusmeitli» gewesen, heisst es dort. So hat sie seinerzeit Blumen zum Muttertag mitlaufen lassen, weil das Sackgeld vorher aufgebraucht war. Oder sie hat ihre grossen Schwestern ganz gezielt genervt, wenn diese ihren Freund dabei hatten und eigentlich ungestört bleiben wollten. Und natürlich hat auch die neue Föbine als Teenager heimlich geraucht. Das gehörte damals einfach dazu.

Auch der Vater war stadtbekannt

Beruflich hat die neue Föbine eine KV-Lehre absolviert und dann – weil es ihr im Büro einfach zu langweilig wurde – sogar eine Weile auf dem Bau gearbeitet. Bis heute übt sie im Beruf wie als Hobby Tätigkeiten aus, die Hartnäckigkeit, Courage, Durchstehvermögen und körperliche Fitness voraussetzen. Ihre Lieblingssportart ist eine, die nicht unbedingt als weiblich gilt. Aber sie kann auch mit Fussball etwas anfangen. Wohl auch, weil sie schon als Kind mit ihrem Vater, der auch einen legendären Ruf als Sportler hatte, Stammgast bei FC St.Gallen-Spielen im Espenmoos war.

Die «Neue» hat aber auch schon praktische Fasnachtserfahrung. Sie war seinerzeit dabei, als die Stadtsanktgaller Guggen sich einen Dachverband gaben. Sie spielt mehrere klassische Guggen-Instrumente. Und sie weiss, wie man ein Klavier harmonisch zum Klingen bringt. Was künftig am Galaabend «Dampf im Kessel» nützlich sein dürfte. Und wer jetzt immer noch nicht weiss, um wen es sich handelt, dem bleibt nichts Anderes übrig, als am Fasnachtssamstag, 20 Uhr, zum Vadian-Denkmal zu kommen. Dort wird die neue Föbine unter Guggenklängen und Lobeshymnen enthüllt und dann sofort in den Föbü-Himmel geschossen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.