Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KONFETTIKANONE: Der Föbü-Verschuss an der St.Galler Fasnacht: Von der Schnapsidee zum Ritual

Der samstägliche Föbü-Verschuss beim Vadian-Denkmal ist inzwischen der älteste Brauch der neuen St.Galler Fasnacht. Er hat sich von der einfachen «Konfettitaufe» zum ausgeklügelten Ritual gemausert. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine Maschine, die Ur-Ehren-Födlebürger Max Oertli erdacht hat.
Reto Voneschen
Die Konfettikanone der St.Galler Ehren-Födlebürger geht auf einen Entwurf von Max Oertli und René Engeler zurück. Auf die Fasnacht 2017 hin wurde die Höllenmaschine totalsaniert. Das Bild zeigt sie im heutigen Zustand. (Bild: PD)

Die Konfettikanone der St.Galler Ehren-Födlebürger geht auf einen Entwurf von Max Oertli und René Engeler zurück. Auf die Fasnacht 2017 hin wurde die Höllenmaschine totalsaniert. Das Bild zeigt sie im heutigen Zustand. (Bild: PD)

Die Föbü-Fasnachtsehre existiert offiziell seit 1973. Damals wurde der Künstler Max Oertli zum allersten Ehren-Födlebürger (Föbü) gemacht: Dafür wurde er per Güllenwagen zum Blumenmarkt gekarrt. Seit 1975 – und Föbü Kurt II. Kern – wird jährlich eine Frau oder ein Mann, die oder der unter dem Jahr Mut – Födle – gezeigt hat, mit dem Ehrentitel bedacht. 2018 wird der Titel zum 44. Mal verliehen. Dabei soll wieder einmal eine Frau zu Fasnachtsehren kommen. Sie wird die neunte Ehren-Födlebürgerin (Föbine) unter 37 Männern sein.

In der Regel kommt jeweils nur eine Person zum Ehrentitel. In der Föbü-Geschichte wurden allerdings auch schon Geschwisterpaare geehrt: so Wanda und Herta Bentele von der gleichnamigen Tanzschule 1979 sowie die Künstlerbrüder Frank und Patrik Riklin 2008. Zum Kreis der Geehrten gehören heute Stadtpräsident Thomas Scheitlin, alt Regierungsrat Willi Haag und alt Stadtrat Fredy Brunner genauso wie Velolegende Beat Breu und Fussballer Tranquillo Barnetta, Musiker Malcolm Green, Schauspielerin Regine Weingart, die TV-Journalist Walter Eggenberger und Hanspeter Trütsch oder Weinfachmann Philipp Schwander – um nur einige wenige zu nennen.

Eine innige Hassliebe

Was als Schabernack eingefleischter Fasnächtler begann, hat sich zum Ritual entwickelt, das die Geister durchaus scheidet: Die einen sind froh, dass neben Guggen,
Schnitzelbänklern und Fasnachtsgesellschaft eine vierte Gruppe das Banner der Stadtsanktgaller Närrinnen und Narren hochhält. Den anderen sind die Föbüs schlicht zu bürgerlich und zu konservativ. Und die Diskussion darüber, ob die oder der gerade Gekürte der Fasnachtsehre überhaupt würdig sei, ist inzwischen ein ebenso fester Bestandteil des Brauchs wie die berühmt berüchtigte Konfettikanone.

Ihr Ursprung geht auf Pannen bei den allerersten Föbü-Taufen zurück. Ur-Föbü Max Oertli etwa sollte der Legende nach mit Konfetti getauft werden, die aus einem an einem Galgen hängenden Fass auf ihn herunterprasseln sollte. Die Idee war ja an sich gut, doch ging vor der Taufe vergessen, das Fass mit den Papierschnitzeln zu füllen… Um solche Zwischenfälle und öffentliche Blamagen zu vermeiden, gaben die Fasnächtler bei Künstler Max Oertli sowie Dekorateur und Gestalter René Engeler «eine polyvalent einsetzbare Fasnachtskanone» in Auftrag.

Qualmend, lärmend und Konfetti speiend

Aufgebaut ist das gute Stück auf einem alten Traktor. Es ist nicht nur als Konfetti-Verteilapparat, sondern auch als Qualmerzeuger, Lärmgerät und Verpflegungsstation konzipiert. Erstmals zum Einsatz kam die Kanone beim Verschuss von Heinz Müller 1983. Heute ist sie fester und beliebter Bestandteil der St. Galler Fasnacht. Das Gefährt wurde im Laufe seiner Geschichte immer wieder umgebaut. Dies unter anderem aufgrund neuer Vorschriften: So darf das Fasnachtsvehikel seit einigen Jahren nicht mehr aus eigener Kraft vom Gallusplatz zum Richtplatz beim Vadian-Denkmal fahren, sondern muss mit dem Tieflader dorthin gebracht werden.

Nachdem sich Hanspeter Trütsch 2015 beim Verschuss eine blutige Lippe zugezogen hatte, wurde die Kanone einer Totalsanierung unterzogen. Dass sie deswegen an der Fasnacht 2016 nicht teilnehmen konnte, wurde von den Fans beim Verschuss mit Buhrufen und Pfeifkonzert quittiert. Im Rahmen der Revision wurde sie auf die Fasnacht 2017 hin wieder auf Vordermann gebracht und unter anderem als Treibmittel für die Konfettigranaten von Schwarzpulver auf Druckluft umgebaut. Und auch einen neuen Kanonenwart haben Föbinen und Föbus angeheurt: Das verantwortungsvolle Amt übernimmt Gregor Zollikofer. Er ist Werkstattchef einer Stadtsanktgaller Autogarage und «mechanisch» voll auf der Höhe. Zollikofer löste René Engeler ab.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.