Konfetti, nicht «Räppli»

Ausgerechnet eine Baslerin besucht die Mörschwiler Fasnacht. Skeptisch, wie die Basler sind, wenn es um ihre «drey scheenschte Dääg» geht, beobachtet sie das Treiben. Doch es gefällt.

Merken
Drucken
Teilen
Nebst Schnitzelbänken und Sketchen wurde am Adlerbruet-Maskenball natürlich auch das Tanzbein geschwungen. (Bild: Luca Linder)

Nebst Schnitzelbänken und Sketchen wurde am Adlerbruet-Maskenball natürlich auch das Tanzbein geschwungen. (Bild: Luca Linder)

MÖRSCHWIL. Schlagermusik hallt aus dem Gemeindezentrum. Davor steht eine Baslerin, die den kleinen Ort zwischen St. Gallen und Bodensee besucht. Der Adlerbruet-Maskenball soll hier stattfinden. Die Baslerin ist ein wenig skeptisch. Die Fasnacht beginnt doch erst am Montag in einer Woche, mit dem «Morgestraich». Bei der Bemerkung, dass hier viele «Räppli» herumliegen, wird sie vom einen oder anderen komisch angeschaut. Was «Räppli» seien, fragen die Mörschwiler. Spätestens da wird der Baslerin klar: Die Mörschwiler und die Basler Fasnacht sind zwei Paar Schuhe. Und hier sagt man Konfetti.

Fasnacht in Mörschwiler Manier

Im Vorraum des Gemeindezentrums steht für die Baslerin die nächste Überraschung parat. Von flotten Bienen über blutsaugende Vampire bis zu den Scheichs scheinen sich alle hier zu versammeln. Die meisten sind verkleidet. Und ja, es ist ein Maskenball. Aber in Basel ist es höchst verpönt, sich zu verkleiden, ohne aktiv in einer Clique oder einer Gugge dabei zu sein. Auch heisst es hier nicht Larve, sondern Maske. Aber nach dem Schnitzer mit den «Räppli» will sich die Baslerin nicht noch einen Fauxpas leisten.

Mit Bier und Brezel

Sie wagt sich ins Getümmel. Viele Bänke und Tische stehen bereit. Fast wie am Oktoberfest, denkt sie sich. Dann gibt es auch noch Bier und Brezel. Kaum hat sie sich auf ihren Platz gesetzt, startet das Programm: Schnitzelbänke – die kennt sie auch. Doch im St. Galler Dialekt hat sie diese noch nicht gehört. Die Lokalprominenz muss daran glauben. Wie bei den Baslern auch. Schnell wird klar, um wen es sich so handelt. Beispielsweise um den Gemeindepräsidenten Paul Bühler, der sich einen Ruf als ewiger Spielverderber gemacht hat. Und auch, wenn sie zuerst nicht alle kennt, die da hochgenommen werden, kann sie sich bald vor Lachen kaum noch auf dem Stuhl halten.

Dass die Gemeinde nicht gerade am Hungertuch nagt, wird schnell klar. Da macht sich ein Fasnächtler darüber lustig, dass die «grüne» Gemeinde mit dem Porsche zum Volg fährt. Dafür hätte man schliesslich einen Zweitwagen. Und warum gibt es kaum noch Liebesbriefe? Bis diese zugestellt seien, habe sich die Gefühlslage bereits wieder geändert.

Nebst Schnitzelbänken stehen Sketche und Musik auf dem Programm. Alles in allem wie ein kleines Charivari, wie eine der Vorfasnachtsveranstaltungen in Basel heisst. Dann wird in Mörschwil die «Ehren-Möbine» auserkoren. Von dieser hat die Baslerin noch nie gehört. Dieses Jahr ist es Tina Dätwyler, die den fasnächtlichen Ruf der Gemeinde in die Schweiz hinaustragen soll. Bevor der Maskenball richtig startet, heizen die Möttelisounders mit Guggenmusik ein. Da kennt sich die Baslerin wieder aus. Karin Zimak