Kompostanlagen droht das Aus

ST.GALLEN. Seit fast 30 Jahren gibt es in der Stadt Quartier-Kompostanlagen, die von Freiwilligen für die Anwohner betrieben werden. Die geplante Grüngut-Sammeltour könnte mittel- bis langfristig das Ende dieser Anlagen bedeuten.

Elisabeth Reisp
Drucken
Teilen
Nelly und Jürg Schmid in «ihrem» Quartierkompost beim Schlössli Haggen. (Bild: Michel Canonica)

Nelly und Jürg Schmid in «ihrem» Quartierkompost beim Schlössli Haggen. (Bild: Michel Canonica)

Vom typisch modrigen Gestank eines Komposthaufens ist bei der Anlage der Interessengemeinschaft Schlössli-Kompostplatz im Haggen nichts zu riechen. Dies, obwohl ein ständiges Kommen und Gehen ist: 400 Anwohner entsorgen hier ihre Rüstabfälle. Dass es nicht stinkt, ist den Freiwilligen zu verdanken, welche die Abfälle fachgerecht zu hochwertiger Erde kompostieren. Geben die Anwohner ihre Küchenabfälle künftig der geplanten Grünabfuhr mit, könnte dies das Ende der fast 30jährigen Quartier-Kompostanlage sein. Unklar ist nämlich derzeit noch, ob die Stadt neben der Grünabfuhr-Tour auch die Quartier-Kompostanlagen weiterhin unterstützen wird.

Anlage verkauft Komposterde

Eine der Mitgründerinnen des Schlössli-Kompostplatzes ist Nelly Schmid. Sie und ihr Mann Jürg sind im Leitungsteam und sorgen zusammen mit 25 anderen Freiwilligen dafür, dass aus Orangenschalen, Salatblättern und faulen Äpfeln gute Erde wird. Dafür haben sie einen Einsatzplan aufgestellt, denn während der Verrottung müssen die Haufen umgedreht und mit Häcksel versehen werden. Die so jährlich 1,5 Tonnen produzierte Komposterde verkauft die IG schliesslich für 5 Franken pro 40-Liter-Sack.

Die ganze Anlage ist aber nur mit Hilfe der Stadt zu betreiben. Diese stellt unter anderem den Boden zur Verfügung, häckselt und entsorgt Gartenabfälle.

Die Stadt wird, wenn sie eine Grünabfuhr einführt, wenig Interesse haben, doppelspurig zu fahren, befürchten die Kompostierer vom Haggen. Leiter Entsorgung St. Gallen, Marco Sonderegger, will mit Aussagen diesbezüglich zuwarten, bis der Stadtrat über eine Grüngut-Sammeltour entschieden haben wird. Mit einer Grünabfuhr sei es wahrscheinlich, dass die Kompostieranlagen nicht mehr so aktiv gefördert würden. Aber ein Abbau der Anlagen sei eigentlich nicht vorgesehen.

Die Kompostbeauftragte der Stadt, Marianne Meili, sieht zwar noch kein Ende der Quartier-Kompostanlagen. Sobald die Grüngut-Tour der Stadt aber nicht nur Gartenschnitt, sondern auch Küchenabfälle sammelt, werden diese Anlagen sehr wahrscheinlich «aushungern». «Anlagen in dieser Grösse wird es dann nicht mehr brauchen.»

Steht und fällt mit Finanzierung

«Das Ganze ist ein Rückwärtssalto für die Kompostanlagen», sagt Jürg Schmid. Jahrelang habe die Stadt solche Anlagen gefördert. In Überbauungsplänen neuer Siedlungen mussten Flächen für Kompostieranlagen freigehalten werden. «Das Dümmste, was uns passieren könnte, ist, wenn die Stadt die Abfuhr über die Grundgebühr finanzieren würde», sagt Jürg Schmid. Dann werden die Leute ihren Kompost der Sammeltour mitgeben, ist Schmid überzeugt. Mit einer verursachergerechten Finanzierung könnte der Verein seine Mitglieder und Kunden eher halten. Denn auch bei der Kompostanlage Schlössli ist die Abgabe nicht gratis. Wer die Deponie nutzen will, zahlt jährlich 15 Franken.

«In der Stadt braucht's Anlagen»

Bei anderen Kompostieranlagen der Stadt sieht man der Zukunft optimistischer entgegen. Annamarie Nusser, Verantwortliche der Kompostieranlage Schülerhaus im Südost-Quartier, glaubt nicht, dass die Grünabfuhr den Kompostanlagen die Existenzgrundlage entzieht. Vielmehr könne beides bestehen. Gerade in der Stadt, wo nicht jedes Mehrfamilienhaus eine Grüntonne oder einen Garten habe. «Bei uns darf jeder seine Küchenabfälle gratis abgeben, Beiträge sind freiwillig.» Daher sei die Anlage gut besucht.

Aktuelle Nachrichten