Kompost-Toiletten für Haiti

Rund ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu modernen Toiletten. Dazu gehören auch viele Menschen in Haiti. Im Rahmen eines Studienprojektes möchte eine Gruppe von HSG-Studenten etwas gegen dieses Problem tun.

Michel Burtscher
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14 Schulen in Haiti (im Bild eine davon) will eine Gruppe von Studierenden der Universität St. Gallen mit Toiletten ausrüsten. (Bild: pd)

14 Schulen in Haiti (im Bild eine davon) will eine Gruppe von Studierenden der Universität St. Gallen mit Toiletten ausrüsten. (Bild: pd)

Über 60 Prozent der Schulen in Haiti besitzen keine modernen Toiletten. Die Schülerinnen und Schüler gehen aufs Feld oder auf Plumpsklos, um ihr Geschäft zu erledigen. Das Problem: Dabei wird das Grundwasser verunreinigt. Als Folge davon kommt es immer wieder zu Erkrankungen wie Cholera. Eine neunköpfige Gruppe von HSG-Studenten will im Rahmen des Projektes «Rise Haiti» etwas gegen dieses Problem tun und Schulen mit Kompost-Toiletten ausrüsten.

Projekte werden weitergegeben

Die Studenten absolvieren an der HSG den Master-Studiengang Strategy and International Management. Im Rahmen des Kurses «SIMagination Challenge» müsse man selbständig ein Projekt realisieren, das einen positiven Effekt in einem Drittweltland habe, sagt Philipp Frey, einer der beteiligten Studenten. Dabei werden nicht jedes Jahr neue Projekte gestartet, sondern schon bestehende jeweils an die neuen Studenten übergeben. Das gehört zum Konzept: Die Projekte sollen nachhaltig sein.

«Rise Haiti» wurde bereits 2012 gegründet. Der Fokus hat sich jedoch von Jahr zu Jahr geändert: So hat die letztjährige Gruppe eine Händewaschanlage gebaut. «Mit den WCs gehen wir einen Schritt weiter», sagt Philipp Frey. Das bedürfe zwar einer grösseren Investition, man erziele aber auch eine grössere Wirkung.

Partner vor Ort

Die Studenten arbeiten vor Ort mit einem Netzwerk von 14 Schulen zusammen. Dort sollen die Toiletten gebaut werden. Es gibt jedoch kein funktionierendes Kanalisationssystem. Man könne also nicht einfach normale WCs installieren, sagt Florian Schmidt, ein weiteres Mitglied der Haiti-Gruppe. Die Lösung der HSG-Studenten: Toiletten, welche die Fäkalien in einem relativ einfachen Verfahren kompostieren. «Dadurch können diese ohne Bedenken entsorgt oder gar als Dünger genutzt werden», sagt Frey. Dafür arbeiten die Studenten mit der amerikanischen Organisation Toilets for People zusammen. Sie ist Herstellerin des «Crappers», der Kompost-Toilette. Zudem baut sie die Anlagen auf und zeigt den Menschen vor Ort, wie sie funktionieren.

10 000 Dollar pro Schule

14 Schulen auszurüsten ist aber nicht ganz günstig. Pro Schule brauche man durchschnittlich zwölf Toiletten und müsse dafür mit Kosten von rund 10 000 Dollar rechnen, sagt Schmidt. Dieses Geld wollen die Studenten auf zwei Arten sammeln. Einerseits werden sie in den nächsten Tagen und Wochen auf der Strasse anzutreffen sein. So beispielweise heute Donnerstag beim Bärenplatz und morgen Freitag beim Multertor. «Wir verteilen Kuchen und Gebäck und hoffen auf Spenden», sagt Florian Schmidt. Andererseits kontaktieren sie auch Unternehmen aus der Sanitärbranche und fragen nach finanzieller Unterstützung. So hoffen die Studenten genügend Geld zusammenzubringen.

Im Februar soll dann die erste Anlage in Haiti installiert werden. Innerhalb von rund sechs Monaten muss das Projekt also geplant, aufgegleist und – zumindest teilweise – auch ausgeführt werden. Das sei ein straffer Zeitplan, sagt Frey. «Wir stecken auch entsprechend viel Zeit in das Projekt.» Die Gruppe wird im Februar auch selber nach Haiti fliegen, um beim Aufbau der ersten Anlage dabei zu sein. «Wir schaffen es aber nicht, bis Ende des Studienjahres alle 14 Schulhäuser auszurüsten», sagt Frey. Erst Mitte 2016 werde man gemäss Plan soweit sein. Das Projekt wird also wahrscheinlich noch eine weitere Generation von Studenten beschäftigen.

www.rise-haiti.org