KOMMENTAR: Sein Abgang wiegt schwer

Aufgrund seiner Krebserkrankung hat der St.Galler Stadtrat Nino Cozzio seinen Rücktritt per Ende Jahr bekannt gegeben. "Selbst in diesem für ihn schwierigen und traurigen Augenblick nahm Cozzio sich zurück. Das unterstreicht: Der Mann hat Grösse", schreibt Daniel Wirth, Leiter der Stadtredaktion, in seinem Kommentar.

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Nino Cozzio gibt sein Amt als St.Galler Stadtrat per Ende Jahr ab. (Bild: Ralph Ribi)

Nino Cozzio gibt sein Amt als St.Galler Stadtrat per Ende Jahr ab. (Bild: Ralph Ribi)

Nino Cozzio wird im Stadtrat eine Lücke hinterlassen. Eine grosse. Wie der 59 Jahre alte CVP-Politiker am Mittwoch seinen Rücktritt bekannt gab, war ein Beispiel dafür, wie er seit über zehn Jahren sein Amt als Stadtrat ausfüllt: Souverän. Nino Cozzio sprach über seine Krebserkrankung und wie diese seine Leistungsfähigkeit einschränkt. Er tat das so ruhig, als ginge es gar nicht um ihn. Selbst in diesem für ihn schwierigen und traurigen Augenblick nahm Cozzio sich zurück. Das unterstreicht: Der Mann hat Grösse.

Als Vorsteher der Direktion Soziales und Sicherheit hat er in den vergangenen zehn Jahren vieles erreicht. Denn der soziale Christlichdemokrat überzeugt - mit Argumenten und nicht mit lauten Tönen. Selbst in Debatten im Stadtparlament, in denen der eine oder andere Parlamentarier der Hyperventilation nahe scheint, bleibt Nino Cozzio die Sachlichkeit in Person. Er nimmt politische Gegner ernst, hört ihnen zu. Das schafft Vertrauen und bringt mehrheitsfähige politische Lösungen.

Nino Cozzio hat die Fähigkeit, den Puls der Bevölkerung zu spüren. Er politisiert nicht im Elfenbeinturm. Er versteht die Sprache der Akademiker genauso wie die Sprache der Büezer. Das ist eine Fähigkeit, die manchem Politiker abgeht. Als Regierungsrat Martin Gehrer seinen Rücktritt bekannt gab, wurde als möglicher Nachfolger als Erster Nino Cozzio genannt. Doch als das Kandidatenkarussell richtig in Schwung kam, war Cozzio schon nicht mehr gesund. Er nahm sich zurück. Der Stadt dient er bis Ende Jahr.

Daniel Wirth
daniel.wirth@tagblatt.ch