KOMMENTAR: In der Pfalz regiert das Misstrauen

Am Widerstand der Parteien gegen die Wahl Marianne Mettlers zur Präsidentin der St.Galler Spitalverbunde lässt sich die Stimmung in der Pfalz ablesen. Mettler ist ein Bauernopfer - zumindest ein halbes, wie Andri Rostetter, Ressortleiter Ostschweiz, in seinem Kommentar schreibt.

Andri Rostetter
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Andri Rostetter, Ressortleiter Ostschweiz. (Bild: Ralph Ribi)

Andri Rostetter, Ressortleiter Ostschweiz. (Bild: Ralph Ribi)

Es war ein Rückzug mit Ansage. Marianne Mettler, designierte Präsidentin der St.Galler Spitalverbunde, tritt ihr Amt nicht an. Damit kommt sie einer möglichen Nichtwahl durch das Kantonsparlament zuvor. Die CVP hatte bereits angekündigt, Mettler die Unterstützung zu verweigern. SVP und FDP waren drauf und dran, das gleiche zu tun.

Aber warum? War Mettler eine derart schwache Figur, wie es die bürgerlichen Parteien behaupten? War die Regierung auf beiden Augen blind, als sie die SP-Frau ins Amt gehievt hatte? Oder geht es den Gegnern nur darum, Gesundheitschefin Heidi Hanselmann eins auszuwischen? Die Wahrheit liegt wohl, einmal mehr, in der Mitte.

Wer den Lebenslauf von Marianne Mettler studiert, muss bekennen: Komplett unerfahren kann die Frau nicht sein. Als Kaderfrau am Unispital Zürich muss die HSG-Absolventin zwangsläufig Managementkompetenzen haben, sonst hätte man sie dort längst für unbrauchbar erklärt. Anderseits wäre der Sprung von der Bereichsleitung einer einzelnen Klinik an die Spitze von mehreren Spitalverbunden ungewöhnlich gross gewesen. Dass die bürgerlichen Parteien die Wahl deshalb unter die Lupe nehmen wollten, ist legitim.

Dass sich an Mettlers Wahl eine Debatte entzündete, lag allerdings kaum allein an den fachlichen Qualitäten der Spitalmanagerin. Am Widerstand der Parteien gegen Mettler lässt auch ablesen, wie in der Pfalz mittlerweile die Kultur des Misstrauens um sich greift. Spätestens die Wirren um die Ferienentschädigung für Hanselmanns Ex-Generalsekretär haben das Verhältnis zwischen Parlament und Regierung nachhaltig zerrüttet. So gesehen ist Mettler auch ein Bauernopfer – zumindest ein halbes.

andri.rostetter@tagblatt.ch

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