KOMMENTAR: Im Toggenburger Bergbahn-Streit braucht es die harte Hand

Das verweigerte Darlehen an die Bergbahnen Wildhaus mag sich anfühlen wie eine Ohrfeige. Aber mittelfristig wird sich die harte Hand als Mittel gegen verkrustete Strukturen als richtig erweisen, schreibt Christoph Zweili, Stellvertretender Leiter Ostschweiz.

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Regierungsrat Bruno Damann wollte hinter den Kulissen vermitteln - und ist gescheitert. Nun greift die Regierung durch. (Bild: Regina Kühne)

Regierungsrat Bruno Damann wollte hinter den Kulissen vermitteln - und ist gescheitert. Nun greift die Regierung durch. (Bild: Regina Kühne)

Beide Seiten, die Bergbahnen Wildhaus und die Toggenburg Bergbahnen, haben in den letzten Monaten versucht, die öffentliche Meinung für ihre Anliegen zu instrumentalisieren. Bruno Damann, der St.Galler Volkswirtschaftschef, hat in den letzten Wochen versucht, hinter den Kulissen zu vermitteln. Er ist gescheitert. Jetzt reagiert die St.Galler Regierung: Ohne verstärkte Zusammenarbeit gibt es vorerst keine Darlehen für die Bergbahnen Wildhaus. Das trifft materiell vorerst nur den einen Streithahn, ist aber auch als Wink mit dem Zaunpfahl an den andern zu sehen.

Verständlich, dass bei den Bergbahnen Wildhaus mit ihrem breit gestreuten Aktionariat die Enttäuschung über die nicht gesprochenen Gelder im Rahmen der Neuen Regionalpolitik gross ist. Das bedeutet nichts anderes, als dass die neue 6er-Sesselbahn und die zugehörige künstliche Beschneiung nicht gebaut werden können. Denn: Fliessen die 5 Millionen vom Bund nicht, gibt es auch keine 6 Millionen von den Banken. Das tut weh, und das zu Recht! Es gibt auch immer lauter werdende Stimmen aus dem Toggenburg, die eben nach Druck verlangen, damit die harten Bergler endlich Vernunft annehmen. Das müssen sie: Zwei Unternehmen mehr oder weniger am gleichen Berg, das macht heutzutage touristisch keinen Sinn mehr. Das sind verkrustete Strukturen aus längst vergangenen Zeiten der ersten Skilift-Betreiber, während im nahen Vorarlberg vom grössten Skigebiet in Österreich die Rede ist – mit einer Streckenlänge von 304 Kilometern!

Der Entscheid der St.Galler Regierung mag kurzfristig eine Ohrfeige für das oberste Toggenburg sein, mittelfristig ist die harte Hand die richtige. Und die Türe ist ja nicht zu: Die Hoffnung ruht auf der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann und Toggenburg Tourismus – beide setzen darauf, dass sich das Tal wieder zum gemeinsamen Gespräch zurück findet. Tut es das nicht, ist die Gefahr gross, dass andere touristische Akteure wie die Jufa-Hotelkette mit ihrem Projekt in Wildhaus oder das Rekadorf darauf reagieren werden – und dann ist der Flurschaden angerichtet.

Christoph Zweili