Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KOMMENTAR: Gossau: Aufbruch mit Wolfgang Giella

Die derzeitige Präsenz von Stadtratskandidat Daniel Lehmann in Gossau und Arnegg sei beeindruckend, schreibt Redaktor Sebastian Schneider in seinem Kommentar. Es spreche aber nichts dagegen, dass es auch im zweiten Wahlgang eine Mehrheit für Wolfgang Giella gebe.
Sebastian Schneider
Sebastian Schneider Kopfsalat (Bild: Sebastian Schneider)

Sebastian Schneider Kopfsalat (Bild: Sebastian Schneider)

Niemand bestreitet, dass Daniel Lehmann ein engagierter Gossauer Unternehmer ist. Während Jahren setzte er sich in der Wirtschaftsförderung für die Region ein. Von 2005 bis 2012 war er zuerst Mitglied, dann Präsident der Standortmarketing-Organisation Gossau-Andwil-Arnegg. Lange bevor es die ersten Anzeichen dafür gab, dass Alex Brühwiler als Stadtpräsident zurücktreten will. Lehmann ist in Gossau bestens vernetzt. Er kann unter anderem als Präsident der Pallottinerstiftung Gymnasium Friedberg, ehemaliger Gewerbevereinspräsident, Lions-Club-Mitglied oder als Vorstandsmitglied des Trägervereins des Jung-Unternehmer-Zentrums auf viele Beziehungen zählen, die wiederum für die Stadt Gossau nützlich sind. Ein Erfolg aus jüngster Zeit ist das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 auf dem Breitfeld. Lehmann lieferte nicht nur die Idee dazu, er liess auch sein Netzwerk spielen, um die Bewerbung für diesen Grossanlass sauber aufzugleisen.

Sebastian Schneider Kopfsalat (Bild: Sebastian Schneider)

Sebastian Schneider Kopfsalat (Bild: Sebastian Schneider)

Lehmann will unbedingt Stadtpräsident werden. Seine derzeitige Präsenz in Gossau und Arnegg ist beeindruckend. Auch hat er sich in wichtige politische Dossiers hineingekniet. Und prompt punktete Lehmann am zweiten«Tagblatt»-Podium mit Fachwissen zu den Stadtfinanzen. Das Stadtpräsidium sei ihm eine Herzensangelegenheit. Man glaubt es ihm sofort.

Doch es gibt auch eine andere Seite. Wäre Lehmann über jeden Zweifel erhaben, gäbe es keinen Grund, ihm die Stimme zu verweigern; er müsste bereits gewählter Stadtpräsident sein. Lehmanns Problem liegt darin, dass er dem Bild des engagierten Gossauers und erfolgreichen Unternehmers nicht 100-prozentig entspricht. Sonst wäre es nicht möglich gewesen, dass bereits seine Nomination Anfang Juli von Nebengeräuschen begleitet war. Rasch wurden Gerüchte herumgereicht im Zusammenhang mit dem Verkauf der Lehmann Arnegg AG, respektive deren Bereiche «Türen» und «Service» sowie der Liegenschaft. Das linke Gossau seinerseits störte sich vor allem am Vorgehen der Handels- und Industrievereinigung Gossau, die – wie vielen schien – Daniel Lehmann für die CVP aussuchte. Die SP beklagte, die Wirtschaftslobby erhebe «unerhörte» Machtansprüche. Schliesslich waren es Gossauer aus verschiedenen politischen Lagern, die wollten, dass sich Lehmann einer Kampfwahl stellen muss. Es kam zu einer «unheiligen Allianz gegen die CVP». Je zwei Vertreter von SVP, FDP, Flig und SP beschlossen in einer Findungskommission, Wolfgang Giella aus Chur als Gegenkandidaten zu nominieren und aufzubauen.

Die Kommission hatte Glück. Denn mit Giella fanden die Parteienvertreter eine politische Figur, die alle Kommissionsmitglieder überzeugen konnte – was angesichts der heterogenen Zusammensetzung doch überraschend war. So fiel es leichter, den Wahlkampf sauber aufzugleisen. Mit der Wahlempfehlung durch SP, Flig und FDP nahm die Glaubwürdigkeit der Mitglieder der Findungskommission nochmals zu. Auch die Meinung der SVP-Basis kam den Herausforderern gelegen. Mehr als eine Stimmfreigabe hätte man nie erwarten können.

Wolfgang Giella und die Findungsgruppe schafften es vor beiden Wahlgängen, die Gegenseite nervös zu machen. Man verhielt sich so ruhig wie möglich und steckte Sticheleien und Angriffe gegen Giella weg. Da es die Wahlhelfer bewusst unterliessen, persönliche Angriffe auf Daniel Lehmann durchzuführen, kamen die Offensiven vor allem von einer Seite. Dabei gelang es der CVP aber nicht, Giella als ehemaliges SP-Mitglied in die linke Ecke zu drücken. Vorwürfe gegen ihn, wie etwa die Kontroverse um das Gossauer Wappen auf den Wahlplakaten, erwiesen sich als harmlos. Daniel Lehmann selber blieb stets in der Defensive. Immer wieder geriet er in Erklärungsnot: Sei es das lange Zögern nach dem ersten Wahlgang, seien es die übergrossen Plakate, die Empfehlung durch die Ortsbürger oder die Gerüchte über ihn als Unternehmer, die nicht aus der Welt geschaffen werden konnten.

Im Schatten dieses Getöses erarbeitete sich Wolfgang Giella still und leise das Vertrauen von Bürgerinnen und Bürgern. Im Wahlkampf ist nichts aufgetaucht, das gegen ihn sprechen würde. Giella hält allen Kriterien stand. Er ist intelligent und hat sich rasch ein breites und tiefes Wissen über die Stadt angeeignet. Als Leiter einer Hochschulbibliothek kennt er das Umfeld einer Verwaltung und versteht es, mit öffentlichen Geldern haushälterisch umzugehen. Als belesene Person hat er politische Vorgänge in mehreren Städten, Regionen und Kantonen beobachtet. Und als SPD-Mitglied hat er in Göttingen auch in einem Wahlkampf mitgeholfen.

Wolfgang Giella ist zudem ein guter Zuhörer. Im Falle seiner Wahl könnte er als neuer Stadtpräsident bei allen Anspruchsgruppen bei null beginnen, es müssten keine Altlasten aus dem Weg geräumt werden. Ihm wird von vielen attestiert, dass er frischen Wind bringen würde und durch seinen unverstellten Blick das Machtgefüge in Gossau aufbrechen könne. Scheitern könnte der öV-Benützer und Velofahrer Giella hauptsächlich an sich selber, weil er mit seinen Ideen und Visionen sehr hohe Erwartungen bei den Wählern geweckt hat.

Für den Aufbruch mit Wolfgang Giella gab es im ersten Wahlgang bereits eine Mehrheit. Es spricht nichts dagegen, dass es auch im zweiten Wahlgang so herauskommen wird.

Jetzt gilt das relative Mehr

Wie viele erwartet hatten, konnte beim ersten Wahlgang am 26. November noch kein Nachfolger von Stadtpräsident Alex Brühwiler bestimmt werden. Am meisten Stimmen holte der parteilose Wolfgang Giella von der Findungskommission mit 2312 Stimmen. Damit verpasste er das absolute Mehr um 172 Stimmen. Für die nötigen 2484 Stimmen fehlten Daniel Lehmann von der CVP noch etwas mehr Stimmen: Er vereinte 1981 Stimmen auf sich. Zwei weitere parteilose Kandidaten spielten keine grosse Rolle: Max Brunner holte 166 Stimmen, 154 Stimmbürger wählten Bruno Egli. Die Stimmbeteiligung lag bei rund 42 Prozent, 147 der Stimmzettel waren leer oder ungültig. Beim zweiten Wahlgang vom 28. Januar zählt nur noch das relative Mehr. Zur Auswahl stehen nur noch Daniel Lehmann und Wolfgang Giella. (ses)

Daniel Lehmann und Wolfgang Giella (rechts) schenken sich nichts. (Bild: Urs Bucher)

Daniel Lehmann und Wolfgang Giella (rechts) schenken sich nichts. (Bild: Urs Bucher)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.