Kolese ist zu Konzessionen bereit

MOGELSBERG. Die Stiftung Kolese hat die Ansprüche an ihr Wohn- und Lebensprojekt zurückgesetzt. Sie will ihre Pläne in Mogelsberg ruhiger angehen – eine Reaktion auf den Widerstand in der Bevölkerung.

Markus Wehrli
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Doris Horber (Bild: pd)

Doris Horber (Bild: pd)

Mogelsberg. Der Widerstand, den die Stiftung Kolese für die Umsetzung ihres Lebens- und Wohnprojektes bislang hinnehmen musste, hat Spuren hinterlassen: Er hat die Stiftung zu einem Umdenken geführt. «Wir haben zu kurzfristig geplant», sagt Doris Horber, Kolese-Stiftungsrätin und Medienverantwortliche rückblickend. Und: «Das Konzept, wie wir es in Bischofszell und Mogelsberg vorgestellt haben, ist nicht einfach in Stein gemeisselt.» Kolese setzt jetzt auf Dialog, sucht den unmittelbaren Austausch mit der Bevölkerung. Dazu hat sie eine Interessenkommission gegründet.

Mit den Kritikern am Tisch

Zur Erinnerung: Kolese wollte sich in Bischofszell niederlassen. Die Realisierung des Projektes, in welchem 400 bis 500 Menschen gemeinsam wohnen, leben und teilweise auch arbeiten wollen, scheiterte dort bereits im Ansatz am heftigen Widerstand der Bevölkerung. Im April dieses Jahres ist dann bekannt geworden, dass sich Kolese in Mogelsberg im Neckertal niederlassen möchte (Ausgabe 4. April 2011). Doch auch hier zeigte sich an einer ersten Informationsveranstaltung, dass die Bürger skeptisch sind.

«Aus diesen Erfahrungen ist die Idee entstanden, ein Forum zu gründen, in welchem sich Vertreter der Gemeinde und Kolese an einen Tisch setzen», sagt Doris Horber. Diese «Interessenkommission» hat sich vor kurzem erstmals getroffen. Am Tisch drei Kolese-Leute und – vermittelt durch die Gemeinde – acht Mogelsberger. «Neutrale, positiv Gestimmte und die Kritiker», wie es Doris Horber formuliert. Vor allem die Ängste und Nöte der Mogelsberger seien zur Sprache gekommen. Etwa das Thema einer eigenen Beschulungsmöglichkeit für die Kinder, die im Projekt vorgesehen sei. Oder die Rolle der Stiftungspräsidentin Theodora Mis. Ihr haftet aufgrund ihrer Tätigkeit als Therapeutin im Bereich systemischer Lösungen hartnäckig der Vorwurf des Sektiererischen an. Die Bilanz der ersten Gesprächsrunde: «Ich bin sicher, dass Missverständnisse und Ängste aus dem Weg geräumt werden konnten. Vermutlich aber noch nicht alle.»

Schritt für Schritt wachsen

Gleichwohl bezeichnet die Stiftungsrätin den Austausch als konstruktiv. Dass Kolese den Dialog sucht, kann nicht erstaunen. Die Stiftung hat keine andere Wahl, als im Gespräch mit der Bevölkerung Verständnis und Akzeptanz für ihre Pläne zu wecken. «Wir sind zuversichtlich, dass sich der Austausch auch auf die übrige Bevölkerung auswirken wird», sagt Horber.

Die Knacknüsse indes bleiben – zum Beispiel die Frage der Integration der Kolese-Leute im Dorf, an welcher viele Mogelsberger zweifeln. Vielleicht kommt der Stiftung in diesem Punkt zu Hilfe, dass sie ihre Pläne zumindest in zeitlicher Hinsicht redimensioniert hat. «Für uns wäre es ideal, wenn wir unser Projekt klein anfangen könnten», sagt Horber. Dieser erste Schritt könnte darin bestehen, dass Kolese das seit Jahren leerstehende Mogelsberger Resort-Hotel nur mietet statt kauft, um hier einen Anfang zu setzen. Die entsprechenden Verhandlungen mit den Besitzern der Hotelanlage sind im Gang. «Der Vorteil einer solchen Lösung wäre, dass die Mogelsberger so viel Zeit hätten, uns kennenzulernen. Es wäre ein erster Brückenschlag.»

Besser erst einmal mieten

Damit liesse sich eine weitere Knacknuss bewältigen. Auch wenn Kolese klein beginnen will: «Irgendwann werden wir die Betriebsgrösse von 400 bis 500 Menschen erreichen müssen, sonst ist das Projekt nicht wirtschaftlich», sagt Doris Horber. Und dafür braucht es Bauland. Ob die Stiftung dieses je erhalten wird, steht nach wie vor in den Sternen. «Sollte der Landkauf nicht zustande kommen, ist es besser für uns, wenn wir das Resort-Hotel nur gemietet haben.»

Das nächste Treffen des Interessenausschusses ist im August, Anfang Herbst will Kolese zu einer weiteren Informationsveranstaltung einladen. An der Konsensorientierung lässt Doris Horber keinen Zweifel. «Wir versuchen zusammen mit den Mogelsbergern eine Lösung zu finden, die für die Bevölkerung und Kolese passt.»