Kokain im Körper transportiert

Gestern standen zwei Männer aus Nigeria vor dem Kreisgericht St. Gallen. Ihnen wird vorgeworfen, in grösserem Stil mit Kokain gehandelt zu haben.

Claudia Schmid
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Die Kantonspolizei St. Gallen ermittelt in einem umfangreichen Verfahren gegen zahlreiche Personen, die vorwiegend aus Afrika stammen. Sie werden verdächtigt, in grossem Stil am Kokainhandel beteiligt zu sein. Im Laufe dieser Ermittlungen wurden verschiedene Telefonanschlüsse überwacht; unter anderem auch derjenige des älteren der beiden Männer, die gestern vor den Schranken standen.

Schmutziges Geschäft

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 30jährigen Nigerianer vor, mit rund 4,2 Kilogramm Kokain gehandelt zu haben. Sie fordert für ihn eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren. Der Mann sei mit der Absicht in die Schweiz gekommen, sobald als möglich eine Schweizerin zu heiraten, um das Aufenthaltsrecht zu erlangen, erklärte der Untersuchungsrichter vor Gericht.

Tatsächlich habe er eine Heiratswillige gefunden, die er schon bald nach der Eheschliessung geschlagen habe.

Mit dem Geld aus den Drogengeschäften habe er in seiner Heimat ein Haus gebaut. Dazu sei er jährlich für einige Zeit nach Nigeria gereist. Der Kokainhandel sei ein schmutziges Geschäft, das nicht nur Konsumenten ins Elend stürze, sondern manchmal auch die Händler selber, wie der kürzliche Tod eines Kuriers in einem St. Galler Hotelzimmer zeige. Er sei an einer Überdosis gestorben.

Es sei nicht bewiesen, dass sein Mandant seine Ehefrau geschlagen habe, betonte der Verteidiger. Überhaupt stehe die Ehe des Mannes in dieser Verhandlung nicht zur Debatte. Nicht bestritten sei, dass er in Drogengeschäfte verwickelt sei, jedoch bestehe eine grosse Diskrepanz zwischen der tatsächlich bewiesenen und der von der Anklage vorgeworfenen Menge des gehandelten Kokains. Sein Mandant sei in den Handel von höchstens 1,5 Kilogramm Kokain involviert. Dafür sei eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren angemessen, die teilweise bedingt auszusprechen sei.

Im Spital Kokain ausgeschieden

Dem zweiten Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, er habe in Winterthur Kokain bezogen und es danach in seinem Körper nach St. Gallen transportiert. Nach seiner Verhaftung habe er im Spital 14 Fingerlinge mit je zehn Gramm Kokain ausgeschieden. Zudem ist sie überzeugt, der Mann habe insgesamt mit rund 3,8 Kilogramm Drogen gehandelt. Für ihn fordert sie eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Eine früher ausgesprochene Geldstrafe sei zu vollziehen.

Genaues Alter nicht bekannt

Der Verteidiger forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von höchstens einem Jahr. Niemand wisse das Alter des Angeschuldigten. Man müsse aber davon ausgehen, dass er zur Tatzeit noch minderjährig gewesen sei. Damit sei nicht das Erwachsenen-, sondern das Jugendstrafrecht anzuwenden. Auch der Verteidiger des jüngeren der beiden Angeklagten bestritt die Menge des gehandelten Kokains.

Der junge Mann stehe in der Hierarchie des Drogenhandels nicht dort, wo ihn die Anklage sehe. Er sei in seiner Heimat bei seiner Grossmutter auf dem Feld aufgewachsen und alles andere als ein abgeklärter Drogenhändler. Das Urteil des Kreisgerichtes wird heute Freitag erwartet.