König Ölfried muss Strom sparen

Die Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz bietet Energieunterricht für alle Stufen – seit Anfang Jahr auch in St. Gallen. Ein Besuch des Unterrichts in einer Unterstufenklasse des Schulhauses Heimat-Buchwald im Heiligkreuz.

Sarah Schmalz
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Die Drittklässlerin Fiona bringt ein mit Solarzellen ausgestattetes Spielzeugauto zum Fahren. Ihre Klassenkameraden schauen gebannt zu. (Bild: Urs Bucher)

Die Drittklässlerin Fiona bringt ein mit Solarzellen ausgestattetes Spielzeugauto zum Fahren. Ihre Klassenkameraden schauen gebannt zu. (Bild: Urs Bucher)

Frau Ramp hat einen Kreis an die Wandtafel gemalt: Energie steht in dessen Mitte, mit Kreide malt sie Pfeile von ihm weg; der Kreis sieht nun aus wie eine Sonne, am Ende eines «Strahls» ein Bild einer Solaranlage. Der Pfeil daneben führt zu einem Geothermiewerk.

Giftige Luft

«Wie macht man Energie?», lautet die Frage, die Claudia Ramp von der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz mit den Schülern der Mikadoklasse, einer gemischten Klasse von Erst- bis Drittklässlern, des Schulhauses Heimat-Buchwald beantwortet. Es ist der letzte Tag vor den Winterferien, Zeugnistag, die Skipiste wartet, Schlittelspass auf den St. Galler Hügeln oder Ferien im Süden. Hibbelig-aufgekratzte Kinder würde man erwarten, stattdessen herrscht konzentrierte Stille, mit angespannten Mienen strecken die Schüler auf. «Was fehlt noch?» «Feuer», meint ein Erstklässler. «Luftkraft», weiss ein Zweitklässler, der in den Ferien am Meer einmal «ganz viele Windräder» gesehen hat. Ein weiterer Pfeil auf der Tafel vervollständigt die «Sonne», ein Energielieferant fehlt noch. «Es gibt doch noch so was mit grossen Säulen – es hat, glaube ich, mit Licht zu tun?», mutmasst eine Drittklässlerin. «Auf jeden Fall aber kommt oben giftige Luft heraus.»

Solaria weiss Rat

Giftige Luft: Die Schülerin meint Atomkraftwerke. «Ich glaube, da ist schon einmal irgendwo ein schrecklicher Unfall geschehen», erinnert sich ein Bub. Schreckliches passiert auch im Märchen «König Ölfried»: Dunkle Rauchschwaden verdecken eines Morgens die Sonne. Ölfried hat zu viel Erdöl verbrannt; finster ist nun sein Reich, bis Solaria auftaucht und den König aufklärt: Nutze die Sonne, den Wind und das Wasser, und die Luft in deinem Reich wird wieder sauber sein.

König Ölfried muss also umrüsten und braucht dazu die Hilfe der Kinder: Kleine Windräder aus Papier werden gebastelt, grün, gelb, rosa. Dass es um die Energiewende geht, ist beim Basteln schnell vergessen. Der Draht will nicht halten, die Löchli im Papier sind zu klein, das Rad dreht nicht. «Frau Ramp, ist das so richtig?» Am Ende klappt's bei allen, die Kinder pusten sich schwindelig, das Windrädli muss unter das Pult, das nächste Abenteuer wartet: ein solarbetriebenes Auto. Mit einer Lampe verfolgen es die Kinder, einige ganz bedächtig, andere steuern es mit Schwung in die nächste Ecke.

König Ölfried indes steht vor neuen Problemen. Die Umstellung auf «sauberen Strom» führt in seinem Schloss regelmässig zu Stromausfällen. Ölfried muss also Strom sparen. Filmsequenzen aus «The Animals Save Their Planet» sollen den Kindern zeigen, wie das geht.

Mit T-Shirt und kurzer Hose

Zwei Zitteraale tauchen als erstes auf, sich jauchzend gegenseitig anstupsend. «Was passiert, wenn nun der Hai kommt?», fragt Claudia Ramp. «Frisst er die Zwitscheraale, wird er selber elektronisch!», ruft ein Erstklässler. «Ja, vor allem aber haben sie dann all ihren Strom bereits verschwendet.» Dann fragt Claudia Ramp die Kinder nach den Temperaturen in ihrer Wohnung. «Könnt ihr auch im Winter in T-Shirt und kurzer Hose eure Hausaufgaben machen?» Einige Kinder nicken. «Dann solltet ihr die Heizung um ein paar Grade herunterdrehen.»

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