Kölliker legt Karten auf den Tisch

ST.GALLEN. Der St.Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker wird nach einer allfälligen Wiederwahl nicht ins Finanzdepartement wechseln. Dies verkündete er am Bildungstag 2015 vor über 2000 Lehrpersonen und gab weitere Versprechungen.

Roman Hertler
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Regierungsrat Stefan Kölliker versicherte bei seiner Ansprache am Bildungstag, dass er Bildungsdirektor bleiben wolle. (Bild: Urs Bucher)

Regierungsrat Stefan Kölliker versicherte bei seiner Ansprache am Bildungstag, dass er Bildungsdirektor bleiben wolle. (Bild: Urs Bucher)

Die Halle war bis in die hintersten Ränge gefüllt. Über 2000 Lehrpersonen aus dem Kanton St. Gallen versammelten sich am Samstag auf dem St. Galler Olma-Gelände. Zunächst hielten die Lehrkräfte des Kindergartens, der Unterstufe, der Schulischen Heilpädagogik und der Handarbeit und Hauswirtschaft je ihre Konventsversammlungen ab. Im anschliessenden Bildungsteil traten dann Vertreter der Politik und der Bildungsverbände vor die versammelte Lehrerschaft.

«Ich bleibe Bildungsdirektor»

Mit Spannung erwartet wurde vor allem der Auftritt von Bildungsdirektor Stefan Kölliker. In den vergangenen Monaten war man mehrfach mit der Frage an ihn gelangt, ob er sich einen Wechsel ins Finanzdepartement vorstellen könne.

Als ehemaliger Treuhänder hätte er sich die Aufgabe in diesem «wichtigen Departement» gut vorstellen können. Doch er hat sich anders entschieden: «Wenn ich wiedergewählt werde, möchte ich Bildungsdirektor bleiben», sagte Kölliker. Für eine weitere Zusammenarbeit mit den Lehrkräften und den Verbänden sei es wichtig, dass er die Karten auf den Tisch lege.

Zu viele Player

In seiner Ansprache wies Kölliker auf seine künftigen bildungspolitischen Herausforderungen hin. «Man hört immer wieder, das System Schule sei überlastet», sagte er. «Bildungspolitik läuft auf verschiedensten Ebenen: über die Gemeinden, den Kanton, interkantonal und über den Bund.»

Es gebe Bereiche, in denen zu viel laufe. Er verortete das Problem in den Schulgemeinden, denen man in der Vergangenheit viel Autonomie eingeräumt habe. «Ich frage mich, ob wirklich alles vor Ort gemacht werden muss?» Ein weiteres Thema, das die Lehrpersonen beschäftigte, waren die Eltern. «Die Entwicklung in den letzten Jahren hat gezeigt, dass die Eltern heute zu stark im Unterricht mitwirken», sagte Kölliker. Das könne schnell zu einer Überbelastung von Lehrkräften führen. «Lehrpersonen haben unser Vertrauen verdient», sagte er. «Eltern haben ihre Verantwortung, aber im Klassenzimmer ist die Lehrperson der Chef.» Für diese Worte erntete der Bildungsdirektor einhelligen Applaus. Nach seiner Ansprache musste sich Regierungsrat Stefan Kölliker den Fragen der einzelnen Konventsvertreter und des Kantonalen Lehrerinnen- und Lehrerverbands (KLV) stellen, auf die er sich im voraus nicht vorbereiten konnte. Abgesehen vom Anliegen des Verbands der Arbeits- und Hauswirtschaftslehrerinnen (siehe Kasten), deren Konvent er besucht hatte, kannte er die Fragen nicht.

Höhere Löhne gefordert

So erkundigte sich der KLV-Co-Präsident Hansruedi Vogel etwa über die von Gewerkschaftsseite geforderte allgemeine Reallohnerhöhung und die Anhebung der Einstiegslöhne auf Stufe Kindergarten und Primarstufe. «Die Reallöhne haben wir im Regierungsrat diskutiert. Die Regierung wird in den nächsten Wochen informieren, bevor das Geschäft dem Kantonsrat übergeben wird», antwortete Kölliker.

Was die Einstiegslöhne betreffe, so sei auch er der Meinung, dass sie zu tief seien. Hier habe der Regierungsrat eigene Entscheidungskompetenz, und er werde sich persönlich für dieses Anliegen einsetzen. Denn schliesslich sollen Studienabgänger nicht in andere Kantone abwandern.

Was die Abgeltung der Pausenaufsicht in Kindergärten angeht – ein weiteres Politikum im Bildungsbereich –, sehe er leider schwarz. «Das Parlament hat eine solche Abgeltung bereits zweimal abgelehnt. Das geht leider nicht.»