Kölliker auf Schulbesuch

GOSSAU. Hoher Besuch gestern im OZ Buechenwald. Der Regierungspräsident und eine Delegation des Erziehungsrats besuchen eine Französisch- und Englischlektion. Und fühlen sich bestätigt.

Corinne Allenspach
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Stefan Kölliker beobachtet die Gossauer Oberstufenschüler beim Lernen: «Den heutigen Fremdsprachenunterricht würde ich gerne besuchen.» (Bild: Coralie Wenger)

Stefan Kölliker beobachtet die Gossauer Oberstufenschüler beim Lernen: «Den heutigen Fremdsprachenunterricht würde ich gerne besuchen.» (Bild: Coralie Wenger)

Der Regierungspräsident will es genau wissen. «Was macht ihr denn lieber, Englisch oder Französisch?», fragt Stefan Kölliker die Schülerinnen und Schüler im Oberstufenzentrum Buechenwald. «Englisch», kommt es wie aus der Pistole geschossen. Kölliker schmunzelt. Die Antwort habe er erwartet, sagt er. Man höre ja immer wieder, dass Französisch «nicht so beliebt» sei.

Entscheide in Praxis überprüfen

Es ist kurz vor Mittag und der Regierungspräsident sowie rund ein Dutzend Erziehungsräte haben gerade eine Lektion Französisch und Englisch besucht. Nicht, um die eigenen Fremdsprachenkenntnisse aufzufrischen, sondern um in der Praxis zu überprüfen, ob die Entscheide des Erziehungsrats richtig waren. Gossau habe man ausgewählt, weil es weder «rein urban noch rein ländlich» sei.

Seit Frühjahr 2012 erlaubt der Erziehungsrat den Oberstufen, Englisch und/oder Mathematik in Niveaugruppen statt in Stammklassen zu unterrichten. Im Englisch tun dies inzwischen rund ein Viertel der Oberstufen im Kanton St. Gallen. Zu den ersten in der Region gehörten Gossau und Wittenbach mit Start im Schuljahr 2012/13. Ziel ist es, die Durchlässigkeit zu erhöhen und dem Umstand Rechnung zu tragen, dass es nicht den klassischen Sek- und Realschüler gibt, sondern viele leistungsmässige Überschneidungen. So sitzen im OZ Buechenwald denn in allen drei Englisch-Niveaugruppen Sek- und Realschüler gemeinsam. In der zweiten Oberstufe etwa besuchen je drei Realschüler den Unterricht im höchsten und mittleren Niveau, ein Sekschüler jenen mit «grundlegenden Anforderungen».

Unterschiede sind frappant

Die Niveauunterschiede sind frappant, wie Kölliker feststellt. Während die Gruppe «grundlegende Anforderungen» vorgegebene Sätze mit «can» oder «could» ergänzt, führen die Schüler der Gruppe «erweiterte Anforderungen» ganze Diskussionen in fliessendem Englisch. Kölliker: «Wir hatten von Anfang an ein gutes Gefühl, dass Niveaugruppen der richtige Weg sind.» In Englisch und Mathematik wolle man dies sicher beibehalten – auf freiwilliger Basis. Dies, weil jede Schule andere Voraussetzungen habe, auch in Bezug auf Grösse. Die Frage sei aber, wie es weitergehe. «Brauchen wir auch in anderen Fächern Niveaugruppen oder ist das bereits das Optimum und lassen wir es damit bewenden?» Eine Frage, auf die auch der Kantonsrat eine Antwort will. Es seien Vorstösse von Parlamentariern hängig, die sich eine «noch innovativere, sprich durchlässigere Oberstufe» vorstellen, wie Kölliker sagt. Dies müsse man aber sehr sorgfältig prüfen und genau analysieren, was der pädagogische Nutzen sei. Denn: Je mehr Niveaugruppen man führt, desto weniger gibt es den Klassenverband.

Lehrpersonen sind gefordert

Nach zwei Stunden Schulbesuch sieht Kölliker seine Erwartungen grösstenteils bestätigt. Er ist auch beeindruckt vom Engagement der Lehrpersonen in beiden Fächern und auf allen Stufen. «Der heutige Fremdsprachenunterricht verlangt von den Lehrpersonen viel ab.»