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Kochender Protestgärtner

Maurice Maggi wurde als Guerillagärtner der ersten Stunde bekannt. Heute macht er aus städtischen Wildpflanzen vegetarische Gerichte. Am Samstag sucht und kocht er in St. Gallen.
Kathrin Reimann
Maurice Maggi sucht sich nicht nur das Essen im Freien, manchmal bereitet er es auch dort zu. Wie hier bei einer Zürcher Autobahnausfahrt. (Bild: Juliette Chrétien/AT-Verlag)

Maurice Maggi sucht sich nicht nur das Essen im Freien, manchmal bereitet er es auch dort zu. Wie hier bei einer Zürcher Autobahnausfahrt. (Bild: Juliette Chrétien/AT-Verlag)

Als Maurice Maggi acht Jahre alt war, glaubte er, im Besitz von Superkräften zu sein. Giftige Pflanzen – so schien es ihm – konnten ihm nichts anhaben. Denn der Lehrer hatte eben erzählt, dass Eiben giftig seien. Maggi ass die Beeren der Pflanze aber leidenschaftlich gerne und traute sich deshalb nicht, dies im Unterricht zu erwähnen. Was er erst später begriff: Das bedenkenlose Fruchtfleisch hatte er jeweils gegessen, die giftigen Kerne aber ausgespuckt. Superkräfte hatte er also keine, dafür ein enormes Interesse an allem, was spriesst, blüht und wächst.

Aus Protest wird Poesie

«Von klein auf habe ich viele Pflanzen in den Mund genommen», sagt der 60jährige Zürcher. Die Geschmäcker interessierten ihn. Alles, was mit Kochen und Essen zu tun hat, ebenso. Doch vom Ziel, Koch zu werden, riet man ihm ab. Maggi lernte stattdessen Landschaftsgärtner und erlangte 1984 Bekanntheit als Guerillagärtner der ersten Stunde: Nachts schlich er durch Zürich und streute Malvensamen. Ein Akt, der nicht nur das Stadtbild verschönern, sondern auch ein Statement setzen sollte: «Die zwinglianische Ordnung störte mich», sagt Maggi. Und die Aktion änderte etwas: «In den 1980er-Jahren durfte in Zürich um die Bäume herum nichts wachsen. Jeden Juni wurde alles durch Jäten oder Herbizide braun gepflegt.» Nach der Malvenaktion bedankten sich viele Zürcher bei der Stadt für die Aktion; die strenge Pflegeordnung wurde gelockert. Damals machte Maggi dies als lautlosen und friedlichen Protest, heute nennt er seine Stadtbepflanzung poetisch Blumengraffiti.

Wildwuchs auf dem Teller

Trotz der Liebe zu Pflanzen liess ihn das Kochen nicht los. So war er ab 1992 Küchenchef in verschiedenen Lokalen in Zürich und New York, seit 2006 arbeitet er für ein Cateringteam, welches kulturelle Anlässe bekocht. Letztes Jahr veröffentlichte Maggi sein vegetarisches Kochbuch mit Pflanzen aus der Stadt, «Essbare Stadt: Wildwuchs auf dem Teller». Darin zeigt er, wie man mit Pflanzen von Brachflächen, Parks, Wiesen oder Friedhöfen kocht.

Kochen und Samen streuen

Diesen Samstag macht sich der Koch ausserdem in St. Gallen auf Kräuter- und Wildpflanzen-Suche, um damit am Abend im Kafi Franz ein Drei-Gänge-Menu zu kochen (siehe Zweittext). «Da St. Gallen etwas höher als Zürich liegt, sind einige der Pflanzen später dran. In der Schweiz wachsen aber fast überall ungefähr dieselben Wildpflanzen.» Wo er auf die Suche gehen wird, ist ihm noch unklar. «Sicher nicht an Orten mit viel Verkehr oder wo viele Hunde ausgeführt werden.»

Mit seiner «Küche der kurzen Wege» will Maggi auch ein gesellschaftspolitisches Zeichen setzen und auf die Pflanzen, die direkt vor der Nase wachsen, aufmerksam machen. Er kommt am Samstag aber nicht nur als Koch nach St. Gallen: «Wie andere ein Proviantsäcklein dabei haben, trage ich immer ein Säcklein gefüllt mit Samen auf mir.»

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