Know-how für St. Galler Museen

Im Kanton St. Gallen befindet sich ein Verband im Aufbau, der die Interessen der Museen vertreten und vor allem den kleineren unter ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen soll. Geschäftsführer Urs Schärli über die aktuellen Projekte.

Adrian Vögele
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«Museen müssen Geschichten erzählen können»: Urs Schärli, Geschäftsführer des Verbands Musa Museen St. Gallen, im Ortsmuseum Flawil. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Museen müssen Geschichten erzählen können»: Urs Schärli, Geschäftsführer des Verbands Musa Museen St. Gallen, im Ortsmuseum Flawil. (Bild: Hanspeter Schiess)

FLAWIL. Über 70 Museen gibt es im Kanton St. Gallen. Die sind bestimmt schon längst in einem Verband organisiert, denkt sich der Laie – und irrt: Erst im April 2012 wurde der Verband Musa Museen St. Gallen gegründet. Eineinhalb Jahre später befindet sich der Verband nach wie vor im Aufbau, mit finanzieller Unterstützung aus dem Lotteriefonds (Kasten). Seine Mitgliederzahl steigt rasch: Über 50 Museen sind inzwischen beigetreten. Eine ganze Reihe von Ortsmuseen ebenso wie das Fliegermuseum Altenrhein, das Forum Würth in Rorschach und grosse Institutionen in der Stadt St. Gallen wie das Naturmuseum, das Historische und Völkerkundemuseum, die Kunsthalle und die Stiftsbibliothek.

«Das Hauptziel unseres Verbands ist, den Museen Know-how zur Verfügung zu stellen», sagt Co-Präsident und Geschäftsführer Urs Schärli, der zudem das Ortsmuseum Flawil leitet. Vor allem die Vertreterinnen und Vertreter kleinerer Museen, die in der Regel ehrenamtlich arbeiten, sollen davon profitieren. Der Verband bietet Erstberatungen an und stellt bei Bedarf den Kontakt zu Fachleuten her. Zudem hat er bereits mehrere Weiterbildungsanlässe durchgeführt, mit Unterstützung von Fachpersonal aus den grösseren Museen. Dabei ging es um handfeste, praktische Fragen: Wie werden Ausstellungsgegenstände am besten verpackt und gelagert? Wie geht man mit Textilien im Museum um? Oder: Wie lassen sich Sponsoren gewinnen? «Die Mitglieder schätzen den Erfahrungsaustausch an diesen Anlässen», sagt Schärli.

PC statt Karteikarten

Eine weitere Baustelle ist die Inventarisierung von Ausstellungsgegenständen. «Manche Museen haben ihre Bestände bereits elektronisch erfasst, andere arbeiten noch mit Karteikarten, wieder andere haben noch überhaupt kein Inventar», sagt Schärli. Der Verband hat verschiedene Möglichkeiten abgeklärt und lässt nun an einer internetbasierten Lösung für die Museen arbeiten, mit der sich Exponate erfassen lassen. «Ein Testlauf mit dem System beginnt demnächst», sagt Schärli. Wichtig sei, dass dieses sicher und gleichzeitig einfach zu handhaben sei: «Selbst dann ist die Inventarisierung noch zeitaufwendig genug.» Im Ortsmuseum Flawil zum Beispiel warten über 7500 Karteikarten auf ihre elektronische Erfassung.

Urs Schärli kann sich darüber hinaus weitere Dienstleistungen vorstellen, welche der Verband anbieten könnte. Etwa einen Online-Marktplatz für Ausstellungsutensilien oder ein zentrales Depot für die Lagerung von Gegenständen, die in den Museen keinen Platz finden. «Doch das muss erst noch diskutiert werden», so der 61-Jährige.

Inhalte spielerisch vermitteln

Nur mit dem Horten von Gegenständen ist es nicht getan. «Ein Museum, das erfolgreich sein will, muss Geschichten erzählen können, die die Besucher fesseln», sagt Schärli. Ein zentrales Thema in der Beratung von Museen ist die Frage, wie sich Ausstellungen aktualisieren lassen, so dass ein Bezug zur Gegenwart entsteht. Der Verband hat zudem ein Vermittlungsprojekt in Angriff genommen, das vor allem Familien ansprechen soll und bereits in mehreren Museen zum Einsatz gekommen ist: Kinder können, begleitet von gezeichneten Figuren in einem Heft, Aufgaben lösen, sich in der Ausstellung auf Schatzsuche begeben und so weiter.

«Lösungen zu bieten, die für alle Mitglieder gleichermassen praktikabel sind, ist nicht einfach», sagt Schärli. So habe etwa ein Festungsmuseum wie jenes in Heldsberg ganz andere Bedürfnisse als ein Kunstmuseum. Schärli und Co-Präsident Alois Ebneter absolvieren derzeit in Etappen eine «Tour des Musées» durch den Kanton, um Kontakte zu knüpfen und die Anliegen der Museen aus erster Hand kennenzulernen. Ein häufiges Problem, das sich in der Museumslandschaft stellt, ist der Mangel an Freiwilligen. «Es ist oft schwierig, Leute für die Mitarbeit in Museen zu motivieren», weiss Schärli aus Erfahrung. Er selber ist seit jeher historisch interessiert, war beruflich aber im Bankwesen tätig. Die Leitung des Flawiler Ortsmuseums hat er im Jahr 2009 übernommen. In dieselbe Zeit fiel seine Frühpensionierung. «Da kam die Chance, im Museumsbereich etwas zu bewegen, gerade richtig.»

Wichtige Rolle der Gemeinden

Der Museumsverband orientiert sich auch nach aussen, strebt Kontakte zu Tourismus, Wirtschaft und anderen Verbänden an. «Auch die Gemeinden spielen eine zentrale Rolle», sagt Schärli, «vor allem im Fall der Ortsmuseen.» Es gehe darum, die Politik dafür zu sensibilisieren, dass das Bewahren der eigenen Geschichte eine wichtige Aufgabe sei. «Im Wissen um die Vergangenheit lässt sich die Gegenwart besser bewältigen.»

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