Knatsch um Nachtclub

RORSCHACH. An der Industriestrasse in Rorschach will Miftar Tajroski einen Nachtclub eröffnen. Ihm und seinem Partner fehlt aber ein Gastwirtschaftspatent. Dieses werde ihnen willkürlich nicht erteilt, sagt er. Die Stadt Rorschach sieht das anders.

Linda Müntener
Drucken
Teilen
Über zwei Stockwerke erstreckt sich "The Club Rorschach" an der Inudstriestrasse. Er bietet Platz für 450 Personen. (Bild: Linda Müntener)

Über zwei Stockwerke erstreckt sich "The Club Rorschach" an der Inudstriestrasse. Er bietet Platz für 450 Personen. (Bild: Linda Müntener)

Er liegt versteckt, von aussen ist er kaum sichtbar. Doch im hinteren Teil des Gebäudes an der Industriestrasse 36b in Rorschach befindet sich ein Nachtclub. Dieser erstreckt sich über zwei Stockwerke. In der Halle gibt es mehrere Tresen, Sofas, Platz für eine Bühne und eine Lautsprecheranlage. Musik läuft hier aber nicht. Hinter dem Tresen steht Miftar Tajroski. Seit Monaten versucht er, den Club zu eröffnen. Vergeblich. Sein Ärger richtet sich gegen die Stadt Rorschach. «Diese erteilt das Gastwirtschaftspatent nicht», sagt er. «Und zwar willkürlich.»

Ohne Bewilligung eröffnet

Das Gastwirtschaftspatent beantragt aber nicht Tajroski selber, sondern sein Schwager Domenik Schlegel. «Ich bin vorbelastet», begründet Tajroski dies. Denn: Anfang 2012 hat er «The Club Rorschach» bereits eröffnet – ohne Baubewilligung, ohne Patent. Er nennt es «Versuchsbetrieb». Während drei Monaten hat er versteckt Konzerte organisiert, Rapper wie Sido oder Kool Savas standen auf der Bühne. «Jeden Abend kamen zwischen 50 und 500 Gäste», sagt Tajroski. Bis die Polizei dem illegalen Betrieb ein Ende setzte.

Doch Tajroski lässt nicht locker. 2012 hat der Rorschacher die «Club Rorschach GmbH» als einziger Gesellschafter gegründet. Er investierte in das Lokal, im November war Bauabnahme. «Alle baulichen und sicherheitstechnischen Vorgaben sind erfüllt. Es fehlt nur noch das Patent», sagt Tajroski.

Nicht immer bis zum Schluss da

Dieses habe die Stadt Anfang Dezember in Aussicht gestellt – sobald die Einverständniserklärung von Domenik Schlegels Arbeitgeber vorliegt. «Wir haben die Unterschrift bei der Stadt eingereicht und wurden dann wieder abgewiesen», sagt Tajroski. Grund: Der potenzielle Patentinhaber würde den Club neben seinem 100-Prozent-Pensum als Nebenbeschäftigung führen. Laut Tajroski ist das kein Problem. Die Stadt Rorschach sieht das anders. «Wir gehen davon aus, dass Domenik Schlegel die Anwesenheitspflicht nicht erfüllen wird», sagt Stadtschreiber Bruno Seelos. Das Gastwirtschaftsgesetz des Kantons St. Gallen schreibt vor, dass der Patentinhaber den Betrieb selber führt und während der überwiegenden Dauer der Öffnungszeit anwesend ist. Insbesondere während der Hauptbetriebszeit, die im «Club Rorschach» wohl zwischen 20 und 24 Uhr liegen würde, müsste Schlegel also im Club sein.

Tajroski versteht den Einwand nicht. «Domenik Schlegel hat zwei Tage in der Woche frei und wäre an den restlichen vier bis fünf Stunden im Club», sagt er. Wann die Hauptbetriebszeiten sind, wisse man ohnehin erst, nachdem der Betrieb einmal laufe. Zudem gebe es genügend Restaurants in Rorschach, wo der Patentinhaber nicht ständig anwesend sei. Der Stadt geht es jedoch vor allem um die Anwesenheit bei Schliessungszeit, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. In einem Nachtclub, wo hauptsächlich Alkohol ausgeschenkt und Musik gespielt werde, soll der Patentinhaber bis Ladenschluss anwesend sein. Das sei etwa bei der Münzhofbar nicht anders, sagt Seelos.

Ablehnung beantragt

Miftar Tajroski ist enttäuscht. Ihm liegt der Club am Herzen. Der gebürtige Mazedonier fühlt sich von der Stadt «nicht gewollt». «Der Club befindet sich mitten im Industriegebiet. Wir würden hier niemanden stören», versichert er. Ausserdem wolle er etwas für die Rorschacher Jugendkultur tun. Die Stadtkanzlei beantragt dem Stadtrat aufgrund der vorläufigen Beurteilung, das Gesuch abzulehnen. Letzterer wird laut Bruno Seelos in den kommenden Tagen darüber entscheiden. Tajroski hat indes via Facebook einen Aufruf gestartet. Er sucht arbeitslose Gastwirtschaftspatentinhaber aus dem Kanton St. Gallen.