KNATSCH: «Ich habe null Verständnis»

Weil sie Schatten auf sein Haus warfen, liess ein Steinacher drei Bäume im «Böllentretter» fällen – ohne Einverständnis der Gemeinde als Eigentümerin. Gemeindepräsident Roland Brändli erwägt rechtliche Schritte.

Linda Müntener
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Die zwei Buchen und die Eiche waren für viele Anwohner des Quartiers mehr als nur eine hübsche Bepflanzung. Jetzt sind sie Geschichte. (Bild: Fritz Heinze)

Die zwei Buchen und die Eiche waren für viele Anwohner des Quartiers mehr als nur eine hübsche Bepflanzung. Jetzt sind sie Geschichte. (Bild: Fritz Heinze)

Als Steinachs Gemeindepräsident Roland Brändli am Samstag eine Whats-App-Nachricht erhält, traut er seinen Augen kaum. Mitten im Quartier Böllentretter würden gerade Bäume gefällt, schreiben Anwohner in der Mitteilung. Bäume, die der Gemeinde gehören. Roland Brändli weiss davon nichts. Der Gemeindepräsident eilt sofort ins Quartier und tatsächlich: Arbeiter rücken den zwei Buchen und der Eiche auf dem Kehrplatz mit Motorsägen zu Leibe. Der Gemeindepräsident informiert die Polizei, diese rückt aus und stoppt die Fällungsarbeiten – für die drei Bäume jedoch zu spät.

Zu viel Schatten
Eine unbekannte Firma habe die Bäume im Auftrag eines Anwohners gefällt, sagt Brändli gegenüber «TVO». Der Anwohner hatte sich schon lange an den Bäumen gestört. Er will nicht namentlich genannt werden, gibt aber an, in der Vergangenheit schon unzählige Male das Gespräch mit der Gemeinde gesucht zu haben. Er habe gefordert, die Bäume besser zu stutzen, damit auf sein Grundstück kein Schatten mehr falle. Weil die Gemeinde untätig geblieben sei, machte er schliesslich kurzen Prozess.

«Ich habe null Verständnis für diese Reaktion», sagt Brändli. Er bestätigt, dass sich der Anwohner in der Vergangenheit bei der Gemeinde beklagt habe. Wieso er sich derart an den Bäumen störte, ist Brändli unbegreiflich. Der Grenzabstand der Bäume zum Grundstück wurde eingehalten, dazwischen befinde sich die Strasse. Für das Wegräumen des Laubs sei die Gemeinde zuständig. Nicht zuletzt sei eine Bepflanzung gemäss Überbauungsplan des Quartiers vorgesehen. Andere Steinacher hätten sich an den Bäumen nicht gestört – im Gegenteil. «Wir haben seit Samstag viele enttäuschte Reaktionen erhalten», sagt Brändli. Einzelne Anwohner hätten gar geweint. Die drei Bäume seien mehr als eine hübsche Bepflanzung gewesen. Der Platz mitten im Quartier sei ein beliebter Treffpunkt für Eltern und Kinder. Das Quartierfest habe man ebenfalls unter den Bäumen gefeiert. Jetzt ist der Platz kahl. Ob ein Ersatz gepflanzt wird, entscheidet der Gemeinderat an seiner nächsten Sitzung Anfang kommender Woche.

Busse oder Freiheitsstrafe bei Sachbeschädigung
Welche Konsequenzen die Nacht-und-Nebel-Aktion für den Anwohner hat, bleibt bis dahin offen. Der Rat entscheidet ebenfalls kommende Woche, ob er Anzeige erstattet. Falls ja, könnte den Baumfäller seine Aktion teuer zu stehen kommen. Wer fremdes Eigentum beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht, kann laut Artikel 144 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs mit einer Geldstrafe oder einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden.