KLETTERN: Zwischen Schule und Spitzensport

Bias Balmelli schliesst dieses Jahr das Gymnasium Untere Waid in Mörschwil ab. Der Weg zum Diplom war oft sehr steil – auch für den Spitzenkletterer.

Laura Widmer
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Bias Balmelli am Gymnasium Untere Waid. (Bild: Michel Canonica)

Bias Balmelli am Gymnasium Untere Waid. (Bild: Michel Canonica)

Laura Widmer

laura.widmer@tagblatt.ch

Was macht man, wenn man wegen einer Verletzung monatelang keinen Sport mehr treiben kann? Für die meisten ist das keine Tragödie. Für Bias ­Balmelli hingegen hat dieses Szenario eine ganz andere Dimension. Der 19-Jährige ist Maturand am Gymnasium Untere Waid in Mörschwil, betreibt aber zugleich das Klettern als Spitzensport. Er hat kürzlich seine Maturaarbeit am Gymnasium Untere Waid vorgestellt. Der Name der Arbeit ist bezeichnend: «Verletzung im Spitzensport – mein Weg zurück».

Seit früher Kindheit war ­Balmelli Skirennen gefahren. «Schon mit zwei Jahren hatte ich meine ersten Ski.» Erst später begann er wettkampfmässig mit dem Klettern. Schnell merkte Balmelli, dass ihm die Sportart lag. Es war klar, dass er sich entscheiden musste, wenn er es in einer der beiden Sportarten ganz an die Spitze schaffen wollte. «Ich bin ein Wettkampftyp», sagt Balmelli. Sein Ziel sei schon, es weit zu bringen.

Das Klettern schwang obenaus. «Meine körperlichen Voraussetzungen sind dort besser», sagt Balmelli. Beim Klettern ist es von Vorteil, wenn man relativ leicht ist. Mitentscheidend sei auch gewesen, dass für seine Eltern die Schule immer Priorität hatte. Klettern könne zwar als Beruf ausgeübt werden, wenn man Sponsoren habe. «Mein Ziel ist es aber schon lange, Anwalt zu werden.» Beim Klettern waren Schule und Sport besser vereinbar als im Skirennsport. Trotzdem war Balmelli auf das Entgegenkommen der Unteren Waid angewiesen. So wurden ihm beispielsweise das Fach Religion oder die Doppelstunde Sport erlassen. Überaus anstrengend sei es trotzdem gewesen, das reguläre Schulprogramm mit Spitzensport zu verbinden. Heute trainiert er im Elitekader Zürich. Auch sei die Verletzungsgefahr im Vergleich zum Skisport kleiner.

«Es fühlte sich an, als würden die Arme platzen»

Das bedeutet jedoch nicht, dass man vor Brüchen oder Verstauchungen gefeit ist. Im Mai 2015 ging Balmelli drei Monate nach Kanada, wo sich Klettertraining und Sprachschule optimal kombinieren liessen. «Mein technisches Niveau und meine Fitness waren danach auf einem Höchststand», sagt Balmelli. Einige Wochen später fielen die Leistungen rapide ab und die Schmerzen schwanden nach einer Trainingseinheit kaum mehr. «Es fühlte sich an, als würden die Arme platzen.» Diagnostiziert wurde das sogenannte Logensyndrom, auch Kompartmentsyndrom genannt. «Damit umzugehen war sehr hart für mich», sagt Balmelli rückblickend. Ein halbes Jahr war kein Training möglich und das Klettern undenkbar. Man hätte operativ eingreifen können, sagt Balmelli. Er habe sich in Absprache mit Eltern und Trainern aber dagegen entschieden und mit Ergotherapie und vor allem Osteopathie gearbeitet.

Die Maturaarbeit über sein Training zu schreiben, schien naheliegend. Fragestellung war, wie weit man sich nach einer Verletzung in drei Monaten mit spezifischem Training verbessern kann. Genutzt wurde ein Leistungstest der Schweizer Nationalmannschaft mit verschiedenen messbaren Übungen. Das Fazit war für Balmelli überraschend: «Ich hatte erwartet, dass der Unterschied zwischen Anfangs- und Endtest grösser ist.» Der erste Erfolg liess nicht lange auf sich warten. An den Zürcher Klettermeisterschaften erreichte er im November 2016 in der Kategorie Lead den 4. Rang. «Die Entwicklung nach der Verletzung ist erfreulich. Mental hat mich die Verletzung stärker gemacht.»