Kleines Dorf hat Geschichte

Chronist Peter Fürer gab den Eggersrietern Einblick in unerhörte Begebenheiten ihrer Dorfgeschichte. Wo früher Wiesen und Obstbäume das Bild prägten, stehen heute viele Häuser.

Tim Wirth
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Peter Fürer (l.) erzählt Spannendes aus vergangenen Zeiten. (Bild: Tim Wirth)

Peter Fürer (l.) erzählt Spannendes aus vergangenen Zeiten. (Bild: Tim Wirth)

EGGERSRIET. In der Eggersrieter «Chronikstobe» flimmert ein Schwarzweissbild aus längst vergangener Zeit über die Leinwand. Vage zeigt es die Umrisse eines Hauses, das es im heutigen Eggersriet so nicht mehr gibt. Schnell entfacht die Diskussion unter den Anwesenden: War das Haus zur damaligen Zeit ein Stickereiunternehmen? Oder doch eine Sägerei? Es ist das erste Mal, dass Chronist Peter Fürer Perlen der Dorfgeschichte in dieser Form vermittelt. «Auch eine kleine Gemeinde ohne Bedeutung hat eine kleine Geschichte», sagt er nicht. An dieser durften die Besucher am Donnerstag bei einem Dorfspaziergang teilhaben.

Brände und Veränderung

Schon die Einführung des von der Frauengemeinschaft organisierten Rundgangs findet in einem geschichtsträchtigen Haus statt. Das sich in Renovation befindende Pfarrhaus ist eines der ältesten Gebäude in Eggersriet. Hier befindet sich auch die «Chronikstobe», der Arbeitsplatz von Peter Fürer. Der Chronist berichtet frei von der Leber weg über «spannende, alte Sachen». Die vielen Brände, die es im Dorf gab, kommen zur Sprache, aber auch die Veränderung von der Armen- und Waisenanstalt zum heutigen Seniorenzentrum.

Bei einem Bildvergleich wird die deutlichste Veränderung sichtbar. Grüne Wiesen wichen in den vergangenen Jahrzehnten zahlreichen Überbauungen; ein voralpines Dorf nimmt grossstädtische Züge an. Interessant ist, dass dafür mehr die Änderung der Familienstrukturen verantwortlich ist und nicht ein starkes Wachstum der Bevölkerung. Denn schon um 1900 hatte Eggersriet knapp 1500 Einwohner. Heute sind es 2500. «Früher waren die Leute Selbstversorger. In einem Haus wohnten gegen 15 Personen, und in einem Bett schlief man zu zweit», sagt Fürer lachend. Dies sei der Hauptgrund für die Veränderung des Landschaftsbildes. Darüber urteilen will er nicht. «Eggersriet hat sich sehr schnell verändert. Durch den Wohlstand konnten viele Häuser gebaut werden.»

Erinnerungen kommen hoch

Während des Dorfspaziergangs gibt es viele Aha-Erlebnisse. Fast alle Teilnehmenden leben sehr lange in Eggersriet und kennen die Vergangenheit. So hört man häufig «Jo, da weiss i no», und viele Erinnerungen kommen hoch. Die alten traditionsreichen Häuser, die Peter Fürer während des Rundgangs zeigt, sind heute noch bewohnt. So kommt es, dass jemand sich beinahe beobachtet fühlt, als eine Gruppe von 25 Leuten sein Haus inspiziert. Im Alltag denkt man wohl wenig darüber nach, dass man in einem historisch bedeutenden Haus lebt.