Kleinere Brötchen backen

Am 6. April stellen die Bürger der Katholischen Kirchgemeinde Gossau Weichen: Der Kirchenverwaltungsrat will einen neuen Saal bauen und das Andreaszentrum verkaufen.

Johannes Wey
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GOSSAU. Die kommende Kirchbürgerversammlung der Katholischen Kirchgemeinde Gossau wird wegweisend sein. Folgen die Kirchbürger den Anträgen des Kirchenverwaltungsrats, wird ein Projekt für einen neuen Saal ausgearbeitet, der das mehrfach grössere Andreaszentrum ersetzen soll. Zudem würde die Kirchgemeinde bei einem Ja Verhandlungen über eine Abtretung im Baurecht des Andreaszentrum-Areals an die Sana Fürstenland AG aufnehmen. Deren Verwaltungsratspräsidentin Kathrin Hilber hat schon früh bekanntgegeben, dass dieser Standort für das neue Alters- und Pflegezentrum favorisiert werde.

Eine teure Renovation

Im Abstimmungsedikt schildert der Kirchenverwaltungsrat die Ausgangslage, welche ihn zu seinen Anträgen bewogen hat. «Nach 35 Jahren intensiver Nutzung ist das Gebäude sanierungsbedürftig; starke Verschleisserscheinungen, eine veraltete Haustechnik, aber auch neue Normen und gesetzliche Auflagen machen eine umfassende Renovation unumgänglich.» Das Sanierungsprojekt, welches noch mit der damaligen Miteigentümerin, der Kolpingfamilie, ausgearbeitet wurde, habe einen Investitionsbedarf von sieben Millionen Franken aufgezeigt. Damit hätte das Andreaszentrum weitere 30 bis 40 Jahre genutzt werden können.

Hohe Kosten, wenig Nutzen

Die hohen Kosten hätten die Kolpingfamilie allerdings abgeschreckt. Sie verkaufte ihr Stockwerkeigentum an die Kirchgemeinde. Dadurch sank auch die Auslastung des Zentrums, zudem ist in der darin untergebrachten «Zunftstube» nur noch ein reduzierter Betrieb möglich, weil das Gebäude den heutigen Auflagen nicht mehr gerecht werde. Hinzu kämen sinkende Mieterträge, weil das Andreaszentrum auch wegen Konkurrenz wie etwa dem Fürstenlandsaal selten gebucht werde. «Gemessen am Nutzen für die Kirchgemeinde ist das Zentrum somit deutlich zu gross», schreibt der Kirchenverwaltungsrat.

Zu gross erscheint dem Gremium auch der Investitionsbedarf. Die jährlichen Amortisationskosten würden über 600 000 Franken und damit rund 3,5 Steuerprozentpunkte ausmachen. Die Einnahmen würden hingegen höchstens 150 000 Franken betragen. Der Kirchenverwaltungsrat bezeichnet dieses Verhältnis als «fragwürdig», auch weil er es nicht als Aufgabe der Kirchgemeinde sieht, ein Gemeindezentrum mit Restaurant zu führen und weil die Zahl der Kirchbürger und damit die Steuereinnahmen abnähmen.

Rücksicht auf Gräber

Deshalb beantragt der Kirchenverwaltungsrat einen Projektierungskredit von 208 000 Franken. Damit soll ein neuer, kleiner Andreassaal geplant werden, dessen Baukosten weit unter den Renovationskosten für das Andreaszentrum liegen sollen. Der Saal soll auch deutlich näher bei der Kirche «in einer wunderschönen Parklandschaft» stehen. Allerdings müssten am geplanten Standort einige Gräber eines ehemaligen Grabfelds aufgehoben werden. Aus kirchenrechtlicher Sicht sei dies unproblematisch, und allfällige Funde aus den Gräbern würden pietätvoll behandelt und wieder beigesetzt werden, verspricht der Kirchenverwaltungsrat.

Am Mittwoch, 26. März, werden gemäss einer Mitteilung die Traktanden der Kirchbürgerversammlung vorbesprochen. Der Anlass beginnt um 19.30 Uhr im Andreaszentrum. Es bestehe die Möglichkeit, dem Seelsorgeteam pastorale Fragen zu stellen.

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