Kleine Wellen in See und Politik

Dem Wetter entsprechend, stieg und sank das Wasser im Bodensee durch das heute ablaufende Jahr ohne auffällige Ausschläge. Gleich warf die Politik in der Region 2915 keine allzu grossen Wellen. Besteht da ein Zusammenhang?

Fritz Bichsel
Drucken
Teilen
Kleine Stürmchen flauten bei Seepegel und Politik im Jahr 2015 schnell ab. (Bild: Rudolf Hirtl)

Kleine Stürmchen flauten bei Seepegel und Politik im Jahr 2015 schnell ab. (Bild: Rudolf Hirtl)

BODENSEE. Seit gut 130 Jahren wird festgehalten, wie hoch das Wasser im Bodensee steht. Zwischen dem tiefsten und dem höchsten Stand klaffen dreieinhalb Meter. 2015 liegen Minimum und Maximum nur eineinhalb Meter auseinander – wie im langjährigen Durchschnitt.

Viel Regen im ersten Halbjahr, der heisse Sommer und der viel zu trockene Herbst trugen zum Auf und Ab bei. Aufgrund der bis Ende Jahr anhaltenden Trockenheit sollte das Wasser aber tiefer stehen. Es muss also nebst eintreffendem oder fehlendem Regen weiteren Einfluss geben. Diesen hat wohl die Politik.

Start rasant, Rückgang gering

Wie der Seepegel startet auch sie rasant. Das Jahr beginnt in der Region Rorschach mit grossen Projekten von Behörden und der Ankündigung, dass die Wuga in Goldach aufersteht. Dazu steigt das Seewasser deutlich über das langjährige Mittel. Bald zeigt sich, dass der Weg bis zur Ausführung der Vorhaben steinig ist. Der Seepegel verflacht.

Anfang Mai beginnt, was die Politik in der Region dieses Jahr prägt: Die Vorstellung von Plänen für markante Umgestaltung von Ortszentren. Den Anfang machen Rorschach mit dem Projekt für einen neuen Stadtbahnhof und der Absicht, die Feldmühlestrasse unter diesen zu verlegen – für eine erste Verbindung ohne Barriere seit mehr als 150 Jahren –, sowie Tübach mit dem Gestaltungsplan für ein zusätzliches Zentrumsquartier auf der Dorfwiese. Ab da steigt das Seewasser schnell über den Durchschnitt. Bei Vorbehalten in Rorschach und Einsprachen in Tübach zu den grossen Plänen sinkt es aber wieder.

Mit Hilfe der Gemeinde entstehe wieder ein Dorfladen, wird im Juni in Eggersriet und im September in Untereggen angekündigt. Beide Male steigt der Seepegel deutlich. Dazwischen sinkt er über den Sommer markant, wie auch die Politik keine hohen Wellen mehr wirft. Mit dem Baustart für Grosses auf dem Arena-Areal in Thal-Buriet geht es ab August weniger abwärts.

Dann stellen Behörden im Herbst weit in die Zukunft weisende Projekte vor: der Gemeinderat Goldach eine Neugestaltung des Dorfzentrums samt Auflösung des Verkehrsstaus, der Stadtrat Rorschach die Tunnelierung der Feldmühlestrasse und den Umbau der Umgebung des künftigen Stadtbahnhofs zu einem Teil des Stadtzentrums. Der Seepegel reagiert so: Er bleibt trotz Trockenheit dem Durchschnittswert nahe und übersteigt diesen im Dezember sogar leicht.

Der erste Blick kann trügen

Trotz Parallele muss man den Einfluss der Politik auf den See relativieren. Wie die Politik ist auch die Natur komplizierter, als es scheint. Zum erstaunlich geringen Rückgang des Seewassers in der langen Trockenperiode trug bei, dass die wenigen Niederschläge wegen unüblicher Wärme im «Winter» bis hoch hinauf als Regen fielen und abflossen. So wirkten Klima- oder Wetterkapriolen in diesem Jahr für unseren See ausgleichend.

Aktuelle Nachrichten