«Klassik Easy» trotz guter Musik mit Startschwierigkeiten

ALTENRHEIN. Kerzenschein, Hundertwassers Farbenpracht und vier talentierte Musikerinnen auf der eigens errichteten Bühne.

Corina Tobler
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Vom Sofa aus geniesst diese Zuschauerin das Konzert des Wang-Pedersen-Ensembles in der Markthalle. (Bild: Corina Tobler)

Vom Sofa aus geniesst diese Zuschauerin das Konzert des Wang-Pedersen-Ensembles in der Markthalle. (Bild: Corina Tobler)

ALTENRHEIN. Kerzenschein, Hundertwassers Farbenpracht und vier talentierte Musikerinnen auf der eigens errichteten Bühne. Die Markthalle Altenrhein bietet einen stimmigen Rahmen für das erste Konzert der Reihe «Klassik Easy», die klassische Musik in einem lockeren Rahmen einem breiten Publikum zugänglich machen will.

Überzeugende Darbietung

Die dänischen Zwillinge Karen und Kirstine Pedersen (Violine und Cello) und die taiwanesisch-amerikanischen Zwillinge Sarah und Susan Wang (beide Piano), geben ihr Bestes, die Premiere zu einem Erfolg zu machen. Sie haben bewusst kurze und vom Charakter und Stil sowie von der Besetzung her stark unterschiedliche Stücke ausgewählt. Sie bieten sie energetisch und besonders an den lyrischen Stellen in berührendem Dolce dar. Auf sympathische Art und Weise übernehmen sie die Ansagen gleich selbst und versuchen so, dem Publikum einen Bezug zu den Werken von Fauré, Ravel, Schostakowitsch oder Schubert zu ermöglichen. Das Konzert gewinnt dadurch, die Musikerinnen werden nahbarer, als es Profis bei anderen Kammermusikkonzerten oft sind. Das Publikum dankt mit begeistertem Applaus und einer Standing Ovation.

Von Lockerheit wenig zu spüren

Schade nur, dass sich die Hoffnungen der Organisatoren auf zahlreiches Publikum nicht erfüllt haben. Statt 200 Leuten sind nur rund 40 anwesend. «Ja, wir haben uns mehr erhofft und können mit dieser Zuschauerzahl nicht zufrieden sein. Zumal wir mit solchen Zahlen in der momentanen Situation ohne Sponsoren nicht lange überleben können», gibt «Klassik Easy»-Initiant Dario Hauri unumwunden zu. Er fügt an, die Location sei phantastisch, bezüglich Lockerheit stehe man aber noch ganz am Anfang. Es gehört zum Konzept der neuen Konzertreihe, dass eine Art Lounge eingerichtet wird, das Publikum während des Konzerts trinken oder frei umhergehen kann, ohne damit ein Tabu zu brechen. Das wird allerdings nur in bescheidenem Mass umgesetzt. Trotzdem: Das Goldacher Ehepaar Steiger, das es sich auf einem der beiden Sofas gemütlich gemacht hat, empfindet die Stimmung als angenehm. «Wir gehen sonst selten in klassische Konzerte und haben nicht wirklich Vergleichsmöglichkeiten. Heute wurden wir eingeladen. Die Markthalle ist lässig, die Formation ist spannend, es herrscht ein entspanntes Ambiente.»

«Klassik ist fragil»

Für Bewegung während des Konzerts sorgt vor allem ein Gast, der das ganze Konzert über fotografiert – vor, hinter und neben der Bühne, während Forte- und Pianissimo-Stellen. Mit Erlaubnis der Organisatoren. Widerspricht das nicht dem Credo von «Klassik Easy», die Musik solle im Zentrum stehen und Emotionen transportieren? «Ich finde nicht. Mich stört es nicht, wenn man den Verschluss einer Kamera knipsen hört. Für mich ist klassische Musik Unterhaltung, ebenso wie andere Arten von Musik.»

Damit gehen die Künstlerinnen selbst allerdings nicht einig. «Wir unterstützen die Idee, mehr Leute für Klassik zu begeistern sehr und sind offen für Neues. Aber man darf nicht vergessen, dass Klassik etwas sehr Fragiles ist. Sie lebt unter anderem vom Kontrast ganz leiser mit ganz lauten Stellen. Und wenn die Spannung, die man während leiser Stellen aufbauen möchte, durch Fotografen oder andere Geräusche gestört wird, verliert die Musik ihre Wirkung», sagt Susan Wang. Karen Pedersen fügt an, Nebenaktivitäten störten auch die Konzentration, die nötig sei, um ein Werk zum Leben zu erwecken. Trotzdem: «Klassik Easy kann funktionieren, wenn der Rahmen für Organisatoren und Künstler stimmt.»

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