«Klangzeit» lässt die Kirche klingen

Die evangelische Kirche Heiligkreuz wird zum Klangraum: Schellenbaum, Klangstäbe, singende Steine, schwingende Saiten – sie alle laden ein, Musik elementar und spirituell zu erleben.

Josef Osterwalder
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Ein Jagdbogen oder ein Musikinstrument? «Beides», sagt Stefan Philippi. Der Instrumentenbauer aus Arbon nimmt den Bogen an den Mund, fährt über die Stahlsaite, und schon beginnt es zu klingen: die Urform eines Saiteninstruments. Stefan Philippi liebt es, die Musik ganz elementar erlebbar zu machen.

Berühren erwünscht

Zusammen mit andern Künstlern hat er in der evangelischen Kirche Heiligkreuz verschiedene Klanginstallationen eingerichtet, die nun während fünf Monaten einladen, auf neue Weise in die Welt der Musik einzutauchen.

Man kann einen Glockenbaum schütteln, eine Girlande hängender Aluminiumrohre anschlagen, die Scheiben mit den klingenden Kupferstäben drehen, auf den Bauch der grossen Eisenskulptur, auf klingende Holzobjekte oder hängende Granitplatten trommeln – und erlebt, wie jedes Mal ganz andere Klangerlebnisse entstehen. Einmal scheint eine glöckchenbehängte Geissenherde durch die Kirche zu hüpfen, dann wieder glaubt man, den Bass eines kehligen Kosaken zu hören. Es gibt die heiter tänzelnden und die nachdenklich tiefen Töne.

Und das alles ist nicht einfach nur ausgestellt. Die Instrumente dürfen angeschlagen, experimentelle Klänge erzeugt werden.

Lustvoll und spirituell

«Genau darum geht es», sagt Christoph Semmler, der evangelische Pfarrer von Heiligkreuz: «Klangzeit ist ein spielerisches, lustvolles, in die Tiefe führendes Experiment im Raum der evangelischen Kirche Heiligkreuz. Es ist eine Veranstaltung für alle, die hungrig sind nach mehr Spiritualität und Kultur im Leben.»

Musik ist Sprache für das Unfassbare, sie verweist über sich hinaus auf eine andere, mit Worten kaum noch zu erfassende Wirklichkeit. Darum gehören Musik und Religion seit je schon zusammen. In der «Klangzeit» bleibt man aber nicht einfach passiver Hörer, sondern aktiv Beteiligter. Man erlebt die Klänge in ihrer Urgestalt, hat die Chance, den ureigenen Ton zu finden und zu erleben.

Eröffnung in einer Woche

Die Ausstellung mit den sechs Klanginstallationen ist jeden Freitagnachmittag von 14 bis 16.30 Uhr geöffnet. Sie wird von einem ausgedehnten Rahmenprogramm begleitet: von Konzerten bis zur Herstellung einer eigenen Klangsäule. Weihnachtsfeiern, Karwoche und Ostern werden ebenfalls aus diesen Klangerlebnissen heraus gestaltet. Inbegriffen die Möglichkeit, bei der Entwicklung einer musikalischen Inszenierung teilzunehmen.

Eröffnet wird die Klangzeit am 4. Dezember um 19 Uhr. Dann werden alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler ihre Installationen bespielen, eingebettet ins Geläute der 40 Klangsäulen, die Kinder aus dem Quartier zum Klingen bringen.

www.klangzeit-stgallen.ch

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