KITA: Mehr Geld für St.Galler Kinderkrippen

Bis jetzt subventioniert die Stadt nur eine begrenzte Anzahl Krippenplätze. Das soll sich ändern, beantragt der Stadtrat beim Parlament. Er möchte mehr Geld für die Kinderbetreuung in die Hand nehmen und zudem die Tarife vereinheitlichen.

Roger Berhalter
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Eltern von Kindern im Vorschulalter haben Grund zur Freude: In Zukunft soll es in St. Gallen mehr günstige Krippenplätze geben. (Bild: Ralph Ribi (24. Juli 2015))

Eltern von Kindern im Vorschulalter haben Grund zur Freude: In Zukunft soll es in St. Gallen mehr günstige Krippenplätze geben. (Bild: Ralph Ribi (24. Juli 2015))

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Die Stadt plant einen Paradigmenwechsel. Bis jetzt ist immer von Kontingenten die Rede, wenn es um günstige Krippenplätze geht. Die Stadt subventioniert nur eine begrenzte Anzahl Plätze, aktuell sind es 330. Nicht alle Eltern, die aufgrund ihres Einkommens eigentlich Anspruch auf einen solchen Platz hätten, bekommen ihn auch. Das zeigen die Wartelisten der vergangenen Jahre (siehe Zweittext). Der Stadtrat spricht von einer Ungleichbehandlung: «Familien mit identischem Einkommen werden willkürlich unterschiedlich behandelt und je nach dem bevorzugt oder benachteiligt». Das kann ins Geld gehen, denn ein Krippentag ohne Vergünstigung kostet pro Kind rund 100 Franken.

Um die Ungleichbehandlung zu beenden, schlägt der Stadtrat dem Stadtparlament nun ein neues Subventionierungsmodell vor. Kontingente soll es künftig keine mehr geben, die Zahl der vergünstigten Krippenplätze soll nach oben offen sein. Alle Eltern, die ihr Kind im Vorschulalter in professionelle Betreuung geben wollen, sollen einen subventionierten Platz erhalten (sofern sie die finanziellen Voraussetzungen erfüllen). In einem umfangreichen Bericht legt der Stadtrat das neue Subventionierungsmodell dar. Er beantwortet damit ein Postulat von Sonja Lüthi (GLP), Gisela Keller (CVP), Jennifer Deuel (FDP) und Cécile Federer (Grüne).

Zwischen 25 und 100 Franken pro Kind und Tag

Der Stadtrat möchte aber nicht alles auf den Kopf stellen, im Gegenteil: Er hält grundsätzlich am bestehenden Subventionierungsmodell fest. Insbesondere führt er keine Betreuungsgutscheine ein, wie sie zum Beispiel in Luzern und Bern verteilt werden (siehe Infobox). Stattdessen fliesst das Geld weiterhin an die Krippen, und die Stadt schliesst mit ihnen Leistungsvereinbarungen ab. Nach der aktuellen Tarifordnung zahlt eine Familie in St. Gallen je nach Einkommen und Vermögen zwischen 25 und 101.50 Franken pro Krippentag und Kind. Den Maximalbetrag zahlen Familien mit einem steuerbaren Einkommen von mindestens 95 000 Franken sowie einem Vermögen von mehr als 100 000 Franken (Alleinerziehende) oder mehr als 150 000 Franken (Ehepaare). Wer darunter liegt, hat künftig Anspruch auf einen günstigen Krippenplatz – unabhängig von irgendwelchen Kontingenten.

Mehr subventionierte Krippenplätze, das bedeutet auch: Die Stadt muss für die Betreuung mehr Geld in die Hand nehmen. Wie viel genau, ist schwer vorherzusehen, wie der Stadtrat im Postulatsbericht schreibt. Die derzeit 330 subventionierten Krippenplätze kosten die Stadt gemäss aktuellem Budget knapp 5,3 Millionen Franken. Im Jahr 2016 gab die Stadt 4,8 Millionen Franken dafür aus. Für 2018 rechnet der Stadtrat mit zusätzlichen Kosten in der Höhe von 1,24 Millionen, was total 6,52 Millionen Franken entspricht. Bis 2025 prognostiziert der Stadtrat weitere Mehrkosten, er weist aber auch darauf hin, dass es über den Kanton die Möglichkeit gebe, Bundesgelder für die Betreuung zu beantragen.

Eltern von Kindergärtlern sind benachteiligt

Parallel zum neuen Subventionierungsmodell ist der Stadtrat auch bei den Tarifen über die Bücher gegangen. Dies hatten gleich zwei Vorstösse im Stadtparlament gefordert: Ein Postulat von Barbara Frei-Grimm (FDP) sowie eine Interpellation von Helena Falk und Gabriela Eberhard (beide SP). Auch der Stadtrat ortet Handlungsbedarf, was die Tarife für die Betreuung von Kindern im Vorschul- und Schulalter betrifft. Vor allem bei den Kindergärtlern gebe es grosse Unterschiede, die für die Eltern schlecht nachvollziehbar seien. So kostet ein Kindergärtler, der in die Krippe geht, seine Eltern fast dreimal so viel, wie wenn er neben dem Kindergarten die Tagesbetreuung (Hort, FSA oder FSA plus) besucht. In der Krippe zahlen die Eltern bis zu 100 Franken pro Tag, in der Tagesbetreuung höchstens 35 Franken. Diese Tarife möchte der Stadtrat angleichen, ebenso jene für Kinder im Primarschulalter. Zudem sollen die Tarife nicht mehr stufenweise steigen oder fallen, sondern linear berechnet werden. Auch hier rechnet der Stadtrat mit Mehrkosten. Denn kostenneutral, wie von Barbara Frei-Grimm gefordert, seien die Tarifanpassungen nicht zu haben. Das wäre laut Stadtrat vielen Eltern nicht zumutbar.

Ob die neuen Modelle eingeführt werden, entscheidet sich voraussichtlich in der nächsten Sitzung des Stadtparlaments am 14. November. Dann stehen alle drei erwähnten Vorlagen zur Kinderbetreuung auf der Traktandenliste.

Betreuungsgutscheine

Heute unterstützt die Stadt 16 Kinderkrippen, damit sie vergünstigte Betreuungsplätze anbieten können. Es gäbe auch ein anderes Subventionierungsmodell: Betreuungsgutscheine direkt an die Eltern zu verteilen, welche diese bei einer Institution ihrer Wahl einlösen könnten. Aufgrund eines Postulats hat der Stadtrat dieses Modell geprüft – und wieder verworfen. Die Gutscheine seien per se nicht besser als das bestehende Modell. Eine Änderung wäre mit Investitionen verbunden. Vor allem aber würde der administrative Aufwand steigen: Die Stadtver- waltung müsste alle Anträge der Eltern einzeln bearbeiten und monatlich Gutscheine verteilen. (rbe)