«Kirchgemeinde schweigt nicht»

RORSCHACH. Die Gremien der katholischen Kirchgemeinde Rorschach nehmen Stellung zu sexuellen Übergriffen durch Priester. 137 Stimmberechtigte genehmigten an der Kirchbürgerversammlung alle Anträge und benützten auch die Umfrage nicht.

Peter Beerli
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Mit Plakaten rufen Kirchenverwaltung, Pfarreirat und Seelsorgeteam auf, gegen Missbrauch anzugehen. (Bild: Urs Bosshard)

Mit Plakaten rufen Kirchenverwaltung, Pfarreirat und Seelsorgeteam auf, gegen Missbrauch anzugehen. (Bild: Urs Bosshard)

Plakate an den Mauern der Kolumbanskirche weisen auf das Entsetzen der Verantwortlichen der Kolumbanspfarrei über sexuelle Übergriffe durch Priester und das damit verbundene Schweigen hin. Der Pfarreirat, das Seelsorgeteam und der Kirchenverwaltungsrat befassten sich intensiv mit der aktuellen Problematik und beschlossen, nicht zu schweigen.

Als Präsident des Kirchenverwaltungsrates verlas Markus Urech-Pescatore zu Beginn der gestrigen Kirchbürgerversammlung folgende Erklärung: «Wir können und dürfen nicht darüber schweigen, welche Abgründe sich in unserer Kirche in den letzten Tagen und Wochen geöffnet haben. Wir sind zusammen mit Ihnen, liebe Kirchbürgerinnen und Kirchbürger, tief betroffen, traurig und wütend über das Unerträgliche, was Menschen Kindern und Jugendlichen zum Teil jahrelang angetan haben.

Kinder und Jugendliche, die diesen Menschen in Schulen, Heimen und im Rahmen von seelsorgerischen Aufgaben anvertraut waren. Die Vorfälle, die unsere Kirche so stark belasten, müssen lückenlos aufgeklärt und die Schuldigen strafrechtlich belangt werden. Eine Welle des Zornes und der Ohnmacht überkommt die Kirche.»

«Doch: Die Kirche ist mehr»

«Ein Zorn, der verständlich ist, der uns aber nicht vergessen lassen soll, dass Kirche mehr ist als jene Menschen, die sich beschmutzt haben.

Die Kirche sind wir. Wir alle, die sich täglich bemühen, der Heilsbotschaft Jesu Christi aufrichtig nachzufolgen, die sich für sozial Benachteiligte einsetzen, die Gemeinschaft in Jesus Christus pflegen und die ihren Glauben verantwortlich und überzeugt weitergeben. Wir bauen auf Sie, liebe Pfarreiangehörige, dass Sie uns auf diesem Weg begleiten. Auf dem Weg einer kritischen, wohlwollenden, mündigen und aufrechten Mitgestaltung unserer Kirche.»

Dieser Erklärung wurde ein Dank an Bischof Markus Büchel angefügt, dessen Offenheit, Transparenz und Mut gelobt wird.

Wie Herz-Jesu-Kirche nutzen?

Zu den Aktualitäten der Kirchgemeinde führte Markus Urech aus, dass Seelsorgeteam, Pfarreirat und Kirchenverwaltungsrat nach der geglückten Renovation der Pfarrei Wilen-Wartegg mehr Kapazität hätten, sich mit Möglichkeiten einer zukunftsträchtigen Nutzung der Herz-Jesu-Kirche zu beschäftigen. Grundlage bilde die Befragung der Bevölkerung vor einigen Jahren.

Die neue Seelsorgeeinheit bedeute zurzeit vor allem Mehrarbeit. Der Kirchenverwaltungsrat bemühe sich, optimale Bedingungen zu schaffen, und unterstütze die Seelsorgerinnen und Seelsorger wann immer möglich. Das Sponsoring an Spielgeräten für den Spielplatz «Arion» sei als Ersatz für die hinter der Kirche entfernten Spielgeräte zu betrachten.

Ja zur Stadthof-Übergabe

Die Rechnung mit Einnahmenüberschuss von 55 536 Fr. wurde genehmigt, der Kirchenverwaltungsrat ermächtigt, eine ordentliche Kirchensteuer von 20%, eine Bausteuer von 1% und eine Zentralsteuer von 4% zu erheben. Einstimmig wurde der Antrag, Restaurant und Tiefgarage Stadthof in das Eigentum der Stadt zu übergeben, zum Beschluss erhoben.

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