Kirche wird Solarkraftwerk

ST.GALLEN. Die Kirche Halden soll für 410'000 Franken ein Solardach bekommen. Mit dem Strom könnten zwölf Haushalte betrieben werden. Das Stadtparlament muss den Kredit aber noch genehmigen.

Daniel Klingenberg
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Soll mit Panels bestückt werden: Südseite des Halden-Dachs. (Bild: Michel Canonica)

Soll mit Panels bestückt werden: Südseite des Halden-Dachs. (Bild: Michel Canonica)

Die Idee ist schon länger bekannt: Die Kirche Halden soll ein Solardach bekommen. Im Rahmen einer anstehenden Dachsanierung soll das nach Süden gerichtete Dach mit einer Solaranlage bestückt werden (Ausgabe vom 16. November 2009). Nun kommt das Geschäft ins Parlament: Der Stadtrat beantragt einen Kredit von 410 000 Franken für die Erstellung einer Solarstromanlage auf dem Dach der Kirche Halden.

Ästhetisch gute Integration

Die ökumenische Kirche Halden wurde 1985 erbaut. Ihre Schrägdächer bestehen aus Welleternit und müssen saniert werden. Dabei steht auch eine wärmetechnische Verbesserung an, zudem soll kein Asbest mehr zum Einsatz kommen. Die Kosten für diese Sanierung übernehmen die Kirchen, die auch im Besitz des Gebäudes sind.

Zugleich soll aber eine «dachintegrierte» Solaranlage montiert werden. Die Kirchen stellen das Dach kostenlos zur Verfügung, die Finanzierung und der Betrieb der Anlage werden von den Stadtwerken übernommen. Die Solaranlage, welche dem Parlament vorgelegt wird, ist rund 30 Prozent teurer als eine Standardversion.

Damit könne aber eine «ästhetisch bessere Integration» erreicht werden, heisst es in der Vorlage.

Die gesamte Dachfläche werde als «dunkle homogene Fläche wahrgenommen», die Dachabschlüsse sollen «formschön eingebunden» werden. Die Anlage sieht aber nicht nur gut aus: Die speziellen Solarmodule liefern auch 30 Prozent mehr Strom als eine Standardanlage.

Über 400 000 kWh Solarstrom

Insgesamt sollen jährlich rund 44 200 Kilowattstunden (kWh) Strom auf dem Kirchendach produziert werden. Dies entspricht einem Jahresverbrauch von zwölf Haushaltungen. Aus den bisherigen Solarstromanlagen der Stadtwerke wird rund 290 000 kWh erzeugt.

Etwa 100 000 kWh werde aus Produktionsanlagen von Dritten hergestellt, heisst es in der Vorlage.

Insgesamt wird ein Solarstrom-Absatz von etwa 445 000 kWh erwartet: Mit der Produktion der Kirche Halden könnte die erwartete Absatzmenge «mit in der Stadt produziertem Solarstrom» gedeckt werden.

Trüllikon sucht Stromkäufer

Die Kirche Halden könnte damit das erste Schweizer Gotteshaus werden, auf dem ein Kirchendach vollständig mit Panels bestückt wird.

Zwar ist dies laut der kirchlichen Presseagentur Kipa auch für die reformierte Kirche Trüllikon als «Schweizer Premiere» geplant. Ein Kredit von 400 000 Franken wurde von den Kirchbürgern im Zürcher Weinland auch bereits bewilligt. Aber das Baugesuch soll erst eingereicht werden, wenn ein Abnehmer für den produzierten Strom in Aussicht ist. Im Unterschied zum St. Galler Projekt will Trüllikon den Strom selber verkaufen.

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