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Kino, Schnaps und Waldhütten

Seit kurzem gibt es in Mörschwil den «Club höchst erfahrener Väter». Die Vereinsmitglieder wollen sich als moderne Väter positionieren: Mit einem Männer-Kochabend, Degustationen und einer Kinderolympiade auf dem Bauernhof.
Nina Rudnicki
Die «Gründungsserviette» des Cev. Der Aussprache zuliebe wurde der Name später mit einem h ergänzt. (Bild: pd)

Die «Gründungsserviette» des Cev. Der Aussprache zuliebe wurde der Name später mit einem h ergänzt. (Bild: pd)

MÖRSCHWIL. Der «Chev» ist der jüngste Verein Mörschwils. Und wohl auch derjenige mit der längsten Aktivitätenliste. «Übernachten im Wald mit Zelt» steht etwa auf der Homepage unter dem Link «Väter & Kinder». Dann folgen Veranstaltungen wie «Waldhütte bauen», «Kinderkino» und «Olympiade auf dem Bauernhof». Noch mehr Vorschläge findet, wer sich durch die Liste «Väter ohne Kinder» klickt. «Smokers Night», «James Bond Abend im Casino» und «Bierdegustation» heisst es dort etwa. Die Abkürzung Chev steht für «Club höchst erfahrener Väter». Am Wochenende fand die erste Hauptversammlung des Vereins statt, der vier Monate nach der Gründung bereits 30 Mitglieder zählt.

Moderne Vaterrolle

Die Idee, einen Club nur für Mörschwiler Väter zu gründen, ist spontan entstanden. «Nach dem <legendären> Räbeliechtli-Schnitzen sind wir Väter noch ins Restaurant Ochsen weitergezogen», sagt Präsident Sven Schultheiss. Der Abend im «Ochsen» verlief so gut, dass die Männer in den frühen Morgenstunden auf einer Serviette die Statuten des Vereins notierten. «Es geht uns darum, uns als moderne Väter zu positionieren», sagt Schultheiss. Denn die Kindererziehung sei noch immer von Frauen dominiert. Das Rollenverständnis des Vaters habe sich in den vergangenen Jahren aber stark gewandelt. Als Konkurrenz zum im Jahr 1989 gegründeten «Club junger Familien Mörschwil», in dem vor allem Frauen Mitglieder sind, sieht sich der «Chev» nicht. «Wir sind eine Ergänzung. Denn die Kinder sollen auch mal den Plausch haben, wenn sie nur mit ihren Vätern unterwegs sind.»

Im Verein mitmachen darf jeder Vater, der in Mörschwil wohnt oder dessen Kind in Mörschwil zur Schule geht. Ob Teilzeit arbeitend, Hausmann oder Alleinverdiener spielt dabei keine Rolle. Sven Schultheiss selber arbeitet beispielsweise 100 Prozent, einen Tag davon arbeitet er zu Hause. Auch Väter, deren Kinder bereits erwachsen sind, können sich anmelden. «Bei dem einen oder anderen von uns sind Tips von Männern, welche die Kindererziehung bereits hinter sich haben, sehr willkommen», sagt Schultheiss, dessen drei Kinder zwischen zwei und fünfeinhalb Jahre alt sind. Er selber habe beispielsweise nach der Geburt seiner Kinder erst wieder lernen müssen, wie man sich trotz des Tumults entspannen könne. Und anstatt wie früher mit seiner Frau um die Welt zu reisen, bleibe er heute auch einfach gerne mal zu Hause.

Ein Räbeliechtli mit Logo

Als nächster Event steht im April für die Väter eine Appenzeller Alpenbitter-Degustation auf dem Programm – diese natürlich ohne Kinder. Noch ist es so, dass die vier Vorstandsmitglieder die Organisation der verschiedenen Anlässe übernehmen. «Wir setzen allerdings darauf, dass auch die anderen Mitglieder den einen oder anderen Ausflug planen werden», sagt der 42-Jährige. Er sei zuversichtlich. Im «Chev» herrsche eine gute Dynamik. Das zeige auch ein Blick auf die Online-Ideenliste, in die jeder seine Vorschläge eintragen und darüber abstimmen lassen kann. So gibt es dort nebst typischen Männeraktivitäten wie Paintball und Quad fahren auch überraschenderes wie einen Männer-Kochabend und eine Schlagerparade. «Wer in unserem Verein ist, profitiert auf alle Fälle. Sei es davon, gemeinsam etwas gestalten zu können oder von den Erfahrungen und Ideen der anderen Mitglieder.» So hätten einige Vätern schon kurz nach der Gründung verschiedene Aufgaben übernommen. Einer habe von sich aus vorgeschlagen, eine Homepage zu erstellen, ein anderer habe das Vereinslogo entworfen: ein Räbeliechtli, auf dem der «Chev»-Schriftzug mit dem Männlichkeits-Symbol verschmilzt.

www.chev.ch

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