Kinder sind «wasserfest»

In Rorschach, Goldach und Arbon war jüngst ein Schwimm-Manko bei Kindern ein Thema. Die Gemeinden Wittenbach und Gaiserwald kennen dieses Problem nicht. Die Gefahr aber liege woanders.

Jonas Manser
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Kinder können immer weniger gut schwimmen. Das stellen Bademeister wie auch Mitglieder der Schulleitung in Rorschach fest. Sie sprechen von einer Tendenz. Etwa 90 Prozent der ausländischen Kinder können nicht mehr richtig schwimmen, sagte Christian Schmucki, Bademeister am Rorschacher Strandbad gegenüber dem Tagblatt der Rorschach-Ausgabe. Auch Stefan Bolt, Schulsekretär in Rorschach, stellt fest, dass die Kinder je länger je weniger einen angemessenen Zugang zum Wasser hätten. In den Gemeinden Wittenbach und Gaiserwald ist man da anderer Meinung: «Das ist überhaupt nicht der Fall. Wir führten gerade einen Schwimmtest mit den Schülern der ersten Oberstufe durch. Jeder einzelne Schüler und jede Schülerin hat den Test bestanden», sagt Rolf Bühler, Schulleiter der Oberstufe Gaiserwald. Die Oberstufenschüler mussten dabei eine Distanz von 250 Metern absolvieren. Hätten sie den Test nicht bestanden, wäre in der Sonderwoche ein Schwimmkurs durchgeführt worden. In Wittenbach stösst man auf ähnliche Aussagen. Rebecca Marti, Leiterin der Schwimmschule Wittenbach, spricht lediglich von vereinzelten Kindern, die Mühe hätten, richtig zu schwimmen.

Intensiver Unterricht

In der Gemeinde Wittenbach wird der Schwimmunterricht von qualifizierten Schwimmlehrern geleitet. «Wo früher noch der Klassenlehrer oder <Laien> für den Unterricht verantwortlich waren, findet heutzutage ein gezielter Unterricht mit Konzept statt», sagt Rebecca Marti. Das sei natürlich mit einem Mehraufwand verbunden.

Von der ersten Primarschulklasse bis zur zweiten Oberstufe besuchen die Schüler aus Wittenbach rund neunmal im Jahr das Schwimmbad. Migrationshintergrund bei Kindern spiele keine Rolle. Im Gegenteil: Es gebe viele Kinder, die auch Schwimmkurse ausserhalb der Schule besuchten, so Marti. Auch Klassen aus Egnach, Steinach oder Muolen werden in Wittenbach unterrichtet. Der Schwimmclub Wittenbach leitet rund 24 Stunden Schwimmunterricht für Schulen pro Woche und lehrt nach dem Ausbildungskonzept des Schweizer Schwimmverbandes.

Private Kurse

Auch in der Gemeinde Gaiserwald gibt es einen Jahresplan für die Schüler der ersten bis sechsten Primarschule. Blockweise gehen die Klassen acht- bis zehnmal pro Jahr ins Schwimmbad, sagt Ruth Gerig Kleger, Schulleiterin der Primarschule Ebnet. Hier sei noch der Klassenlehrer für den Unterricht zuständig. Bis zur dritten Klasse könnten dann die meisten Kinder schwimmen. Falls sie sich noch immer unsicher im Wasser fühlten, werden die Eltern darauf aufmerksam gemacht. Man ermutigt sie, an privaten Kursen teilzunehmen. Ein Schwimm-Manko sei ihnen bis jetzt nicht aufgefallen, sagt Ruth Gerig Kleger.

Kinder unbeaufsichtigt lassen

In der öffentlichen Badeanstalt in Wittenbach ist von der Tendenz, die in der Bodenseeregion festgestellt wurde, auch nichts zu spüren. Bademeister Rolf König erkennt keine Veränderungen bei den Fähigkeiten der Kinder. «Es hat immer Kinder gegeben, die schlechter oder besser schwimmen konnten», sagt König. Er müsse auf alle gleich aufpassen.

Er sieht das Problem eher in der Unachtsamkeit der Eltern. «Es scheint mir, dass viele Eltern den Respekt vor dem Wasser verloren haben.» Er beobachtet immer mehr, dass Eltern ihre Kinder in der Badi unbeaufsichtigt lassen. Das sei aber eher auf Unwissenheit zurückzuführen. Besonders an fliessendem Gewässer könne so bei guten wie auch bei schlechten Schwimmern schnell etwas passieren.