Kinder retten Schulgärten

Beim Projekt «Gartenkind» konnten Schüler erste Erfahrungen im Gemüseanbau im eigenen Beet machen. Die Ernte durften die Kinder nach Hause nehmen. Mit dem Projekt sollen brachliegende Schulgärten wieder genutzt werden.

Perrine Woodtli
Merken
Drucken
Teilen
Die Schülerinnen und Schüler beim Gärtnern in ihren eigenen Beeten beim Schulhaus Hof: Die Ernte macht Freude. (Bild: Michel Canonica)

Die Schülerinnen und Schüler beim Gärtnern in ihren eigenen Beeten beim Schulhaus Hof: Die Ernte macht Freude. (Bild: Michel Canonica)

Normalerweise ist es am Mittwochnachmittag ruhig in den Primarschulhäusern. Nicht so im Schulhaus Hof in Winkeln. Dort hüpft eine Gruppe Mädchen und Buben zwischen Gartenbeeten herum. «Hast du mein Rüebli gesehen? Das ist riesig», sagt ein Mädchen strahlend, als es das orange Gemüse mit einem Ruck aus der Erde zieht. Ein Bub grinst: «Dafür ist meine Rande schöner.»

Beim Projekt «Gartenkind» wurden kleine Gärtner aus der Stadt gesucht. Von Ende März bis zur vergangenen Woche konnten Kinder der ersten bis fünften Klasse ihre ersten Erfahrungen im Garten machen.

Gemeinsames Erntefest

Während eines halben Jahres hegten und pflegten die Kinder ihr eigenes Beet. Heute werden die Schüler, die sich im Frühjahr für den Gartenkurs im Schulhaus Hof angemeldet haben, nochmals für ihre Arbeit entlöhnt. «Sie mussten ganz von Null anfangen. Jeder musste zuerst sein eigenes Beet umgraben und herrichten, bevor gesät und gepflanzt werden konnte», sagt Gruppenleiterin Sybille Fitze, die die Schüler tatkräftig unterstützt. Als die Kinder zum letztenmal ihr Gemüse – insgesamt baute die Gruppe 16 verschiedene Gemüsesorten an – ernten dürfen, ist die Freude gross. Eine Schülerin füllt ihren Erntesack mit grünen Bohnen, ein anderes Mädchen prahlt mit seinen grossen Maiskolben und ein Bub staunt über eine schön herangewachsene Zwiebel. Auch an Kresse, Radieschen oder Salat erfreut man sich. Das regnerische und kalte Wetter stört keinen. Richtige Gärtner sind schliesslich mit Gummistiefeln und Regenhosen ausgerüstet. Einen Teil der bunten Ernte nehmen die Kinder nach Hause. Der Rest ist für ein gemeinsames Fest.

Brachliegende Gärten nutzen

Mit dem Erntefest wurde auch die erste Saison von «Gartenkind» in St. Gallen beendet. Das Projekt sei gut angekommen, wie Regina Hofstetter, Projektleiterin von «Gartenkind» im Kanton St. Gallen, sagt. «Wir haben viele erfreuliche Rückmeldungen von den Kindern und deren Eltern erhalten. Auch die Schulen haben das Projekt positiv aufgenommen», sagt Regina Hofstetter und ergänzt: «Viele Eltern erzählten uns, dass die Kinder nach den Kursen strahlend nach Hause kamen. Zudem hätten sie viel Gemüse probiert, das sie zu Hause nie essen wollten.» Insgesamt 37 Kinder meldeten sich für die drei Kurse in Winkeln, im Riethüsli und im Heiligkreuz an. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf der ersten Saison.»

Nebst dem Gemüseanbau steckt aber noch mehr hinter dem Projekt. In vielen Schulen existieren brachliegende Schulgärten, die seit Jahren ungenutzt sind. «Früher war es üblich, dass der Schulgarten zum Lehrplan gehörte. Das ist schon lange nicht mehr so», sagt Regina Hofstetter. In einzelnen Fällen gibt es laut der Projektleiterin noch Lehrpersonen, die mit den Schülern oder privat den Schulgarten pflegen. In den meisten Fällen würden die Gärten jedoch zu einer Wiese zurückgebaut oder verkümmern. Ziel von «Gartenkind» sei daher, dass jene Gärten wieder genutzt werden.

Nächstes Jahr definitiv wieder

«Gartenkind» wird laut Regina Hofstetter auch im nächsten Jahr wieder stattfinden. «Die bisherigen Standorte werden sicher wieder dabei sein. Ich hoffe, dass drei bis vier weitere Standorte im Kanton St. Gallen dazu kommen. Es existieren nämlich noch mehr ungenutzte Gärten.» Am liebsten wäre ihr ein weiterer Standort im Osten der Stadt und einer im Lachenquartier. Zudem prüfe sie derzeit mögliche Standorte in Rorschach sowie in Wil. Regina Hofstetter: «Ehemalige Schulgärten eignen sich hervorragend, da die Kinder den Weg bereits kennen. Wir sind aber auch offen für brachliegende Gartenflächen von Privatpersonen.»

Die Kinder wird es freuen, dass die erste «Gartenkind»-Saison nicht die letzte gewesen ist. Lautete doch eine der ersten Fragen am Mittwoch: «Machen wir das nächstes Jahr wieder?»

Regina Hofstetter Leiterin «Gartenkind» St. Gallen (Bild: pd)

Regina Hofstetter Leiterin «Gartenkind» St. Gallen (Bild: pd)