Kickschuhe binden inklusive

Fussballnachwuchs Die Krönli-Kids des SC Brühl sind mit einem Preis des Generationen-Forums ausgezeichnet worden. Die Arbeit über Generationen hinweg ist das Erfolgsrezept der Fussballschule.

Fredi Kurth
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Da standen die fünf- bis sechsjährigen Krönli-Kids auf der Bühne des Audimax an der Universität St. Gallen und wussten nicht so recht, was das alles zu bedeuten hat. Sie waren der Mittelpunkt, sie wurden befragt wie Stephan Lichtsteiner und erhielten von einem Menschen, der einmal Dölf, einmal Ogi genannt wurde, einen Preis überreicht. «Die meisten hatten auch noch nie ein so grosses Buffet gesehen, wie das, ab dem sie sich danach verpflegen durften», sagt Kids-Trainer Bruno Müller. «Sie sind sich erstmals wie Stars vorgekommen.»

Dabei soll sich das mit den Stars allenfalls erst am Ende einer langen Ausbildungskette einstellen. Die Grundidee der Brühler Fussballschule ist es nämlich, die Knirpse ungezwungen und spielerisch an den Fussball heranzuführen. Sie sollen vor allem Freude haben. Das stellt an die total rund 20 Trainer besondere Anforderungen, Schuhe binden inklusive. «Wenn ich sage, wir machen ein Mätschli, vier gegen vier, wissen sie am Anfang noch nicht, was das sein soll», sagt Kurt Scheiwiller, früherer Nationalliga-A-Fussballer. «Sie nehmen dem eigenen Mitspieler den Ball weg.» So lernen sie primär einmal den Ball stoppen, passen, schiessen, dribbeln. Koordinative Übungen verbessern gezielt die Beweglichkeit.

Nachwuchsspieler lernen von Veteranen

Der jüngste Spieler ist viereinhalb Jahre alt, der älteste Trainer, Max Kern, 78. Dieser Unterschied über Generationen hinweg motivierte die Jury des Generationen-Forums, die Krönli-Kids auszuzeichnen. «Alle Trainer sind pensioniert. Es sind ehemalige Lehrer, und es sind ehemalige Fussballer des SC Brühl und des FC St. Gallen, die mitmachen», sagt Kurt Isler, Leiter und Mitgründer der Fussballschule.

Sie haben Zeit, am Mittwochnachmittag während eineinhalb Stunden die total siebzig Kinder ins Fussball-ABC einzuführen. Das geschieht auf dem Hauptplatz des Paul-Grüninger-Stadions in Gruppen zu acht bis zehn jungen Kickern mit zwei Trainern pro Gruppe.

«Unsere Stärke ist, dass wir genügend Trainer haben», sagt Isler. Andere Projekte dieser Art auf Stadtboden sind just an diesem Problem gescheitert. Immerhin bieten aber die Fussballvereine Fortuna, St. Otmar und Winkeln ebenfalls eine solche Ausbildung an. Als Konkurrenz werden sie auf dem Krontal nicht empfunden. Der Zulauf ist enorm. Bereits stehen für nächstes Jahr 25 Kinder auf der Warteliste. Die Qualität und die Zuverlässigkeit des Trainerstabs sprechen sich herum. «Jeder Betreuer passt sich dem speziellen Charakter einer Gruppe an. Es braucht viel Geduld und Verständnis für die Kleinen», sagt Kurt Isler.

150 Franken zahlen die Eltern pro Halbjahr, ab 2017 sind es 200 Franken. Dafür bietet der SC Brühl eine Einführung während elf Monaten. Im Winter wird das Training auf Samstagmorgen unter anderem in die Mörschwiler Dreifach-Turnhalle verlegt. Der Verein selber steckt 6000 Franken im Jahr in die Fussballschule. Mit dem gewonnenen Generationenpreis von 3000 Franken wird im nächsten Juni ein Kinder-Fussballfest mit Turnier und Kinderbuffet organisiert.

Die Trainer selber pflegen die Kameradschaft untereinander mit Velotouren und Wanderungen. Brühler gegen St. Galler, wie hier Kurt Scheiwiller oder Walter Schlüchter und dort Kurt Brander oder Markus Schüep stehen sich jedes Jahr im sogenannten Legendenmatch gegenüber.

Schweizer konzentrieren sich auf den Beruf

Stars zu werden ist den Kids allerdings nicht verboten. Nach sechseinhalb Jahren ihrer Existenz hat die Brühler Fussballschule auch schon Spieler in die Stützpunkttrainings der Future-Champs-Organisation abgegeben. Den Sprung ganz nach oben schaffen mehrheitlich – im Verhältnis 2:1 – die Spieler mit ausländischen Hintergrund. «Viermaliges Training pro Woche und am Wochenende eine Reise nach Genf ist Schweizern mit Schweizer Hintergrund oft zu viel», sagt Kurt Isler. «Sie konzentrieren sich auf die berufliche Ausbildung.» Ihr Anteil beträgt bei den Kids aber noch zwei Drittel. Die integrative Wirkung indessen bleibt so oder so erhalten.