Kerzen, Kelche und Computer

Handwerkliches Geschick und eine gesunde Frömmigkeit, beides sollte ein Mesmer haben. Die Mesmer des Bistums St. Gallen feiern diesen Sommer das 125jährige Bestehen ihres Vereins.

Josef Osterwalder
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Mesmer Robert Blättler in der Andreaskirche in Gossau – er präsidiert den Sakristanenverein des Bistums St. Gallen. (Bild: Beni Manser)

Mesmer Robert Blättler in der Andreaskirche in Gossau – er präsidiert den Sakristanenverein des Bistums St. Gallen. (Bild: Beni Manser)

ST. GALLEN. Einmal heisst der Beruf Mesmer, ein anderes Mal Sakristan. Die Doppelbezeichnung kommt nicht von ungefähr. Denn sie zeigt das weite Spektrum dieses Berufes auf. Mesmer leitet sich vom mittellateinischen «Mansionarius» her, was Hauswart heisst. Sakristan jedoch bedeutet, dass der Beruf zum Sakralbereich gehört, also mit etwas Heiligem zu tun hat. Wer sich also zu diesem Beruf hingezogen fühlt, braucht sowohl handwerkliches Geschick, als auch eine bodenständige Frömmigkeit.

Diesen Sommer feiert der Sakristanen-Verein des Bistums St. Gallen sein 125jähriges Bestehen. Am 23. Juni fand der Festakt in der St. Galler Kathedrale statt, am 24. August wird die Hauptversammlung in Widnau folgen. Das Jubiläumsjahr ist nicht nur Anlass zum Feiern, sondern auch zum Nachdenken. Nicht nur die Kirche ist im Wandel, sondern auch der Mesmer-Sakristanen-Beruf.

Seit zwei Jahren wird der Verein von Robert Blättler präsidiert. Zusammen mit seiner Frau Agnes versieht er den Mesmerdienst an der Andreaskirche in Gossau; seit 15 Jahren bereits. Zuvor hat Robert Blättler auf dem Büro gearbeitet, in der Butterzentrale. Agnes Blättler hat als Lehrerin Schulkinder in Handarbeit- und Hauswirtschaft unterrichtet. Beide waren seit je in der Pfarrei, der Gemeinde und den Vereinen aktiv. Da war es naheliegend, dass sie in das vor 15 Jahren freigewordene Amt gerufen wurden.

Oft wenig informiert

«Das ist nicht überall so», sagt Robert Blättler und weist auf eines der Probleme hin, das der Mesmerberuf heute hat: «Zuweilen melden sich Leute auf eine freie Stelle, die gar nicht richtig wissen, was zu diesem Beruf gehört.» Das Wissen um den Ablauf eines Gottesdienstes, die Gebetstradition der Kirche und das religiöse Brauchtum im Kirchenjahr ist weitgehend am Schwinden. Mancher junge Mesmer muss sich da zuerst einarbeiten.

«Dabei sollte heute ein Mesmer in der Lage sein, selbst einen Gottesdienst zu gestalten», sagt Robert Blättler. Wenn in einer kleineren Gemeinde am Sonntag weder ein Priester noch ein Pastoralassistent zugegen ist, liegt es an ihm, einen Wortgottesdienst zu halten. Dazu haben die Mesmer aus eigener Initiative ein Handbuch zusammengestellt und untereinander verteilt: Gottesdienst-Vorlagen für das ganze Kirchenjahr.

In Gossau hält Robert Blättler auch den Toten-Rosenkranz am Vorabend des Beerdigungstages. Dieser Brauch wird in Gossau geschätzt, vor allem weil der Mesmer es versteht, den alten Brauch neu zu erschliessen.

Samt Kirchenschatz

Ein kreativer Beruf. Wie sehr, das zeigt ein kurzer Rundgang mit Agnes und Robert Blättler durch ihr «Reich». Im Altarbereich zeigen die vielen Blumen, dass ein Mesmer auch Florist ist. Zudem arrangiert er je nach Feier den Raum.

In der Sakristei sind die vielen Schubladen ein Hinweis darauf, was alles für den Gottesdienst bereitgestellt und wieder weggeräumt werden muss. In einem speziellen Raum hat Robert Blättler damit begonnen, die wertvollsten Gegenstände des Kirchenschatzes in beleuchteten Glasvitrinen auszustellen: Kelche und Messgewänder noch aus der Zeit der Fürstabtei.

Jugendarbeit mit Ministranten

Auf einem Fensterbrett der Sakristei erinnern ein Dutzend Pokale, wie gut sich die Gossauer bei Ministranten-Grümpelis oder andern Wettbewerben bewähren. «Das Betreuen von 140 Ministrantinnen und Ministranten gehört auch zu unserem Beruf», sagt Robert Blättler. Ministranten-Plan, Gottesdienst-Plan – selbstverständlich steht da auch ein Computer. Ist Mesmer also ein Vorzugsberuf? Agnes und Robert Blättler vermitteln diesen Eindruck.

«Ein erfüllender Beruf, gewiss», sagt der Sakristanenpräsident, «aber nur, wenn man auch mit dem Herzen dabei ist. Man ist weit länger als 42 Stunden präsent. Dazu muss man bereit sein.»

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