Kernbeissers und die Schweiz

Inga und Wolf Buchinger alias Kernbeissers feiern morgen Sonntag mit einem Lese-Kabarett und Chansons Buchpremiere. «Ich bin jetzt in der Schweiz – ein Selbstversuch» lautet der Titel des satirischen Blicks auf die Eidgenossen.

Claudia Schmid
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Wolf und Inga Buchinger leben seit über 40 Jahren in der Schweiz. In seinem neuen Buch beschreibt Wolf Buchinger humorvoll, was dem Ehepaar seit seinem Wegzug aus Deutschland widerfahren ist. (Bild: Benjamin Manser)

Wolf und Inga Buchinger leben seit über 40 Jahren in der Schweiz. In seinem neuen Buch beschreibt Wolf Buchinger humorvoll, was dem Ehepaar seit seinem Wegzug aus Deutschland widerfahren ist. (Bild: Benjamin Manser)

Seit über dreissig Jahren sind Inga und Wolf Buchinger als Kernbeissers mit ihren literarisch-musikalischen Programmen auf den Bühnen unterwegs. Nun stellen sie ein neues Buch vor, das Wolf Buchinger im Auftrag des Bruckmann-Verlags aus München geschrieben hat. «Für einen Kernbeisser ist es nicht opportun, eine Buchpräsentation mit einer einfachen Lesung zu verbinden», betont der Goldacher. In einem intensiven Ideenprozess mit seiner Frau sei deshalb das Programm «Liebe Schweizer! Wir werden uns schon kriegen» entstanden. Wie immer spiele dabei auch die Musik ihren Part. Mit einem Lese-Kabarett und Chansons wird morgen Sonntag, 11 Uhr, im Festsaal Katharinen Buchpremiere gefeiert.

Glückstreffer für Autor

200 Seiten stark ist das Buch, das «Episoden aus dem Leben jenseits des deutschen Schlagbaums» enthält. Völlig perplex und überglücklich habe er im Januar 2012 auf die Anfrage des Bruckmann-Verlags reagiert, erzählt Wolf Buchinger. Es sei ein Glückstreffer, von dem jeder Autor träume. Bereits Ende Mai habe er Texte abgeben müssen. «Zu Beginn meiner Pensionierung hatte ich richtig hart zu arbeiten.»

Im «Selbstversuch von Wolf Buchinger mit Migrationshintergrund» gibt der eingebürgerte Autor preis, wie er und seine Frau aus Deutschland in die Schweiz gekommen sind. Beide Lehrer hätten irgendwo auf der Erde eine besser Pädagogik gesucht, heisst es im Vorwort. «<Lehrerpaar sucht Stelle im Ausland>, schrieben wir in die Annonce. Fluchtgedanken von der rustikalen Pädagogik im Saarland liessen uns von fernen, modernen Erziehungsmethoden träumen.» Das einzige Angebot sei von einem privaten Institut gekommen, das mit grosszügigen Versprechen und klingenden Namen gelockt habe.

Integriert und akzeptiert

Humorvoll beschreibt Wolf Buchinger, wie nach der Übersiedelung von Deutschland in die Schweiz die grossen Hoffnungen den Tatsachen der Realität gewichen sind. Ein reicher Industrieller habe sich das Abitur seiner Tochter mit dem Angebot eines Aufenthaltes in seiner Villa auf Mallorca erkaufen wollen. «Ich blieb standhaft, wir kündigten, wechselten in die vorbildliche Pädagogik staatlicher Schulen und gönnten uns vom ersten, noch dazu doppelt so hohen Gehalt eine Reise nach Palma.»

Letztlich hätten sie in der Schweiz den Weg gefunden, weitaus freier, glücklicher und kreativer zu leben, als dies in der alten Heimat je möglich gewesen wäre. «Hier sind wir zu Hause, integriert und akzeptiert. Ein Privileg.»

Sich wundern und staunen

Im Buch «Ich bin jetzt in der Schweiz – ein Selbstversuch» hat Buchinger notiert, was ihm seit seinem Wegzug aus Deutschland widerfahren ist, was ihn staunen und was ihn wundern lässt. Die Zuhörerinnen und Zuhörer erhalten an der Buchpremiere in Katharinen Kostproben davon. Nach St. Gallen werden Buchingers das Werk an weiteren Orten präsentieren. Die Daten sind noch nicht definitiv. Fest steht aber bereits, dass sie in einem Jahr an der Leipziger Buchmesse präsent sein werden. Und auch die Deutsche Botschaft hat Interesse angemeldet, einen Anlass mit dem neuen Programm zu organisieren.

Wolf und Inga Buchinger sind als Kernbeissers ein eingespieltes Team auf der Bühne. Sie sind seit 44 Jahren verheiratet. Wolf Buchinger schreibt regelmässig für den «Nebelspalter» und hat bis vor kurzem die Sendung «Wolfsmenschen» auf TVO moderiert.

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