Keine Zeit für Langeweile

Die 16jährige Angelina Scherrer fechtet nicht nur leidenschaftlich gerne, sie spielt auch Geige. Am Wochenende tritt sie beim Circuit National Jeunesse in der Sporthalle Schönenwegen an.

Raya Badraun
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Für den Fotografen musste Angelina Scherrer kurz stillhalten. Sonst ist sie ständig in Bewegung. (Bild: Urs Bucher)

Für den Fotografen musste Angelina Scherrer kurz stillhalten. Sonst ist sie ständig in Bewegung. (Bild: Urs Bucher)

FECHTEN. Angelina Scherrer ist immer in Bewegung – auch heute abend. Während sich andere Fechterinnen am Tag vor dem Nachwuchsturnier ausruhen, steht die 16-Jährige in der St. Galler Sporthalle Schönenwegen. Zusammen mit Mitgliedern des Fechtclubs St. Gallen richtet sie die Halle ein, rollt Fechtbahnen aus und stellt Tische auf. «Das hilft mir, um runterzufahren», sagt Scherrer und lächelt. Zu Hause zu sein, würde bei ihr hingegen genau das Gegenteil bewirken. «Ich würde mir ständig überlegen, ob ich gut sein werde oder nicht», sagt die Degenfechterin. Die Nervosität, die ohnehin schon da ist, würde sich dadurch noch verstärken. «Deshalb mag ich es überhaupt nicht, wenn mir langweilig ist.»

Das kommt im Leben der jungen Sportlerin zum Glück nur ganz selten vor. Denn Scherrer hat einen vollen Terminkalender. In der Kantonsschule besucht sie zusätzlich sechs Freifächer, viermal pro Woche trainiert sie das Fechten und spielt daneben noch Geige. So tritt sie am Wochenende entweder an einem Konzert auf oder einem Wettkampf an. «Es ist streng», sagt die St. Gallerin, «aber ich könnte mir nicht vorstellen, etwas davon aufzugeben.» Denn Musik und Sport gehören bereits seit vielen Jahren zu ihrem Leben – und zur Familie.

Erst Geige, dann Fechten

Dank ihrem Vater, der Handorgel spielt, fand Scherrer früh zur Musik. Bereits als Dreijährige, so hat man es ihr erzählt, wollte sie Geige spielen. Da sie jedoch noch zu klein war, musste sie sich bis zur ersten Klasse gedulden. Zum Fechten kam sie etwas später, aber ebenfalls durch einen Elternteil. Scherrers Mutter, deren Eltern ebenfalls fochten, nahm ihre Kinder vor sechs Jahren zu einem Probetraining mit. Während es dem Bruder überhaupt nicht gefiel, war Scherrer begeistert. Bis heute gefällt ihr die Körperbeherrschung, die man sich als Fechterin antrainiert, und die Kopfarbeit. «Auf der Matte muss man viel überlegen und herausfinden, wie der Gegner reagiert», sagt Scherrer. «Man kann nicht einfach planlos angreifen.»

Doch genau daran scheitert Scherrer bei Wettkämpfen immer wieder. Das hängt mit ihren beiden Schwächen zusammen: Geduld und Ausdauer. Steht es in einem Gefecht etwa 4:2, sieht sie sich bereits als Siegerin. «Um den Kampf so schnell wie möglich zu beenden, mache ich dann einen unüberlegten Angriff und schenke dem Gegner Punkte.» Dies macht sie noch ungeduldiger und fehleranfälliger.

Grossen Sprung nach vorne

Im vergangenen halben Jahr hat sich das stark verbessert. Seither wird Scherrer von Trainer Xavier Boulet betreut. «Er schaut, dass wir nicht wie Maschinen trainieren, sondern darüber nachdenken, was wir tun», sagt die Degenfechterin. Dadurch hat sie in ihrer Entwicklung einen grossen Sprung nach vorne gemacht. Heute hat die 16-Jährige mehr Selbstvertrauen und fühlt sich dank dem grösseren Repertoire sicherer. So belegte Scherrer Anfang November bei den Schweizer U20-Meisterschaften in St. Gallen als eine der Jüngsten den elften Rang. Am Nachwuchswettkampf Circuit National Jeunesse, der morgen und am Sonntag in der St. Galler Sporthalle Schönenwegen stattfindet, hofft sie gar auf einen Podestplatz – in zwei Kategorien. Scherrer startet, wie auch an anderen Turnieren, bei den Kadetten (U17) und den Junioren (U20). Nur an einem Wettkampf teilzunehmen, wäre wohl etwas langweilig.

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