Keine Süsswassermatrosen

ARNEGG. Am Arneggerfest sind sie berühmt: Die Fischknusperli des Internationalen Hochseefischerclubs. Doch was steckt hinter dem Hochseefischerclub in einem Land, in dem es gar keine hohe See gibt?

Flavio Dal Din
Merken
Drucken
Teilen
Mit seinen Fischknusperli hat sich der Hochseefischerclub am Arneggerfest einen Namen gemacht. (Bild: Coralie Wenger)

Mit seinen Fischknusperli hat sich der Hochseefischerclub am Arneggerfest einen Namen gemacht. (Bild: Coralie Wenger)

Die Schweiz: Ein Land mit wunderschönen Seen und Flüssen. Eigentlich ein Paradies für Fischer. Doch die Felchen und Hechte des Bodensees sind einigen nicht genug. Diese Fischer lockt der Dorsch in die Dänische Südsee. So haben sich vor Jahrzehnten einige Schweizer aus dem Raum Gossau dazu entschieden, dem Internationalen Hochseefischerclub, der damals noch im deutschen Baden-Württemberg ansässig war, beizutreten. Mittlerweile ist der Club bei seinem Präsidenten Benno Jung in Gossau zu Hause.

Noch immer international

So sitzen an diesem Nachmittag sechs Herren am Tisch des Präsidenten. Das blassgrüne Hemd in die Hosen gesteckt, tragen sie alle eine Bolotie, eine Schnur um den Kragen, die vorne von einer Brosche in Fischform zusammengehalten wird. Sie plaudern ausgelassen, trinken Bier und erzählen munter von ihrem Club. «Wir kamen alle irgendwie über unsere Freunde dazu», erinnert sich Benno Jung. Dann tritt seine Frau in den Raum: «Weiss du nicht mehr Benno, ein Freund hat dir vom Hochseefischen erzählt und da wurden deine Augen sofort grösser». Auf dem Meer fischen, sei eben doch etwas anderes, als auf dem Bodensee, erklärt Benno Jung.

Einmal im Jahr sticht der Hochseefischerclub in Dänemark in See. Dafür chartern sie eigens ein Schiff, die «Kehrheim». Auch heute sind nicht nur Schweizer im Club mit dabei. «Wir haben auch noch acht Mitglieder in Deutschland, die jeweils mitkommen», erklärt Jung.

30 Kilogramm und 1,35 Meter

Gefischt wird nicht etwa mit einem Netz. Die 17 Männer stehen mit ihren Angelruten rund um das Deck, und das eine Woche lang. «Das braucht viel Geduld, wir stehen schon einmal zehn Stunden an der Reling», erzählt Martin Hautle, ein weiteres Mitglied. «Deshalb nehmen wir auch viel <Kampfsalbe> mit», wendet Benno Jung schmunzelnd ein. Das viele Auswerfen der Angel gebe mächtig Muskelkater, dafür brauche es das nötige Mittelchen. Geangelt werde Dorsch. «In dieser Woche fängt jeder von uns an die 30 Kilogramm», erzählt Jung. Und wer hat den grössten Fisch der Clubgeschichte gefangen? Das sei der ehemalige Präsident Herbert Lutz gewesen. «Vor mehr als 20 Jahren hat er einen fast 30 Kilogramm schweren, 1,35 Meter langen Dorsch gefangen», sagt Jung.

Einiges zu erzählen

Wie es sich für Seeleute gehört, werde auch bei ihnen an den Abenden auf dem Schiff etwas gefeiert. So sei über die Jahre reichlich Seemannsgarn zusammenkommen. «Erzählen können wir aber nicht alles», meint Jung lachend. Doch einiges gibt er dann trotzdem Preis. Zum Beispiel, dass es letztes Jahr so heftig gestürmt habe, dass das Wasser über Deck schwappte und einen Teil der wasserdichten Beschichtung «weggeschränzt» habe. «Doch wir kamen rechtzeitig zurück in den Hafen und der Schaden war bereits am nächsten Tag behoben», erinnert sich Jung.

Auch bei der Rückreise gab es schon ein kleineres Problem. «Einmal wusste ein Zöllner in Schaffhausen nicht, ob wir für den Fisch etwas bezahlen müssen», erzählt ein Mitglied am Ende des Tisches, «nach vier Stunden warten hat er dann herausgefunden, dass wir 20 Rappen pro Kilo bezahlen müssen». Sie hätten dann vier Franken bezahlt und konnten endlich weiterfahren.

Geheimnis der Fischknusperli

In den letzten Jahren hat sich der Club am Arneggerfest einen Namen mit seinen Fischknusperli gemacht. Morgen Samstag ist er nun zum viertenmal mit seinem «Fischer-Stübli» vertreten. «Die Leute erzählen uns immer wieder, wie schade sie es finden, dass sie wieder ein ganzes Jahr auf die nächsten Fischknusperli warten müssen», erzählt Benno Jung stolz. Das Geheimnis hinter den Fischknusperli? Einerseits liege es daran, dass die Fischer rund die Hälfte des Fisches auf ihrem Ausflug in die hohe See selber fangen. Andererseits aber auch am Teig und der Gewürzmischung. «Das ist und bleibt aber ein gut gehütetes Geheimnis», sagt der Präsident Benno Jung schmunzelnd.