Keine Spargeln aus der Region

REGION AM SEE. Die Schweizerinnen und Schweizer essen gerne Spargeln, das Gemüse wird immer beliebter. In der Region findet man aber trotzdem keinen Gemüseproduzenten, der Spargeln anbaut. Die Gründe dafür sind verschieden.

Michel Burtscher
Drucken
Teilen
Keine Spargeln – aber viele andere Gemüsesorten und Salate sind in Gewächshäusern heimischer Gemüseproduzenten bereits erntereif; das Bild wurde bei Andreas Andermatt in Steinach aufgenommen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Keine Spargeln – aber viele andere Gemüsesorten und Salate sind in Gewächshäusern heimischer Gemüseproduzenten bereits erntereif; das Bild wurde bei Andreas Andermatt in Steinach aufgenommen. (Bild: Rudolf Hirtl)

Es ist Spargelsaison: Schon seit einigen Wochen findet man das weisse oder grüne Gemüse wieder in den Verkaufsstellen. Im Moment sind es zwar noch importierte Spargeln, bald werden aber auch solche aus der Schweiz im Regal stehen. Das Gemüse wird hierzulande immer beliebter: 1,4 Kilogramm essen die Schweizerinnen und Schweizer pro Kopf im Jahr (siehe Kasten). Trotzdem: Wer im Laden Spargeln aus der Region am See kaufen möchte, wird enttäuscht. Laut Rolf Künzler vom Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen gibt es hier in der Region keine Spargelproduzenten. Doch wieso eigentlich? Denn im Thurgau oder im Rheintal wird das Gemüse auch angepflanzt.

Preis ist ein Faktor

«Der Spargelanbau ist eine Spezialität», sagt Gemüseproduzent Guido Buob aus Untereggen. Er habe zwar ein breites Angebot an Gemüse, Spargeln gehörten aber nicht dazu. «Das würde nur Sinn machen, wenn man auf einer genügend grossen Fläche anbauen kann», sagt er. Ein weiteres Problem sieht er im Preis. Importierte Spargeln seien um einiges günstiger als solche aus der Schweiz. «Ich weiss aber nicht, ob das die Kunden verstehen würden.» Hinzukommt für ihn noch ein anderer Faktor: «Die ersten zwei bis drei Jahre kann man nichts ernten und verdient so auch nichts.» Einen Ertrag erwirtschaften die Produzenten erst danach.

Zu wenig Zeit für Spargeln

Auch bei Andreas Andermatt in Steinach sucht man Spargeln vergebens. «Hier in der Region werden, anders als beispielsweise im Wallis, traditionell keine Spargeln angebaut», sagt der Gemüseproduzent. «In der Schweiz sind sie ein Importprodukt.» Trotzdem hat er sich schon überlegt, Spargeln anzubauen: «Populär wären sie bestimmt», meint er. Das Problem sei, dass sie zur Erdbeerzeit geerntet würden. «Wir haben viele Erdbeeren. Das würde sich beissen. Die Arbeitsbelastung wäre zu gross». Denn Spargeln anzubauen, ist sehr arbeitsintensiv. «Sie müssen täglich geschnitten werden», sagt Andreas Andermatt.

Wertschöpfung ist zu tief

Und auch auf den Feldern des Goldacher Gemüseproduzenten Filipp Fässler findet man keine Spargeln. «Wir haben zu wenig Land dafür», erklärt er. Zudem brauche man für Spargeln Privatkonsumenten, der Grosshandel sei keine Option. Denn beim Spargelanbau sei die Wertschöpfung sehr gering. «Viel geringer als beispielsweise bei einem Blattsalat.» Darum verzichtet auch Fässler auf Spargeln.

Saisonstart ist nächste Woche

Doch auch ohne haben die Gemüseproduzenten in der Region momentan viel zu tun: Sie ernten Salate, Kohlrabi, Radiesli oder Rucola. «Es ist viel los», sagt Andreas Andermatt. Währenddessen stecken die Schweizer Spargeln sowieso noch im Boden, wie der Verband der Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) kürzlich mitteilte. Man erwarte den Saisonstart Mitte oder Ende kommender Woche, sagt Moana Werschler, die stellvertretende Direktorin des VSGP. Dann werden im Laden Spargeln aus der Schweiz im Regal stehen – nur keine aus der Region.

Aktuelle Nachrichten