Keine Schrumpfkopf-Debatte

ST.GALLEN. Das Historische und Völkerkundemuseum kauft sechs Schrumpfköpfe und wirft damit schweizweit mediale Wellen. Man wolle mit Schrecken und Grusel Kasse machen, heisst es. In St. Gallen regt sich aber niemand über die Trophäen auf.

Daniel Klingenberg
Drucken
Teilen
Gekaufter Schrumpfkopf: Wegen Ähnlichkeit mit dem Schauspieler wird er «Brad Pitt» genannt. (Bild: Daniel Klingenberg)

Gekaufter Schrumpfkopf: Wegen Ähnlichkeit mit dem Schauspieler wird er «Brad Pitt» genannt. (Bild: Daniel Klingenberg)

Der Kauf von sechs Schrumpfköpfen war ein ambivalentes Geschäft. Einerseits haben die aus dem Amazonasgebiet stammenden Köpfe dem Historischen und Völkerkundemuseum Publizität in nationalen Medien eingetragen. Anderseits ist die Beachtung nicht einhellig positiv. Der Betrachter reagiere am ehesten mit «Erschrecken und Gruseln» auf die Kopftrophäen, ist zu lesen, oder: Man wolle mit Effekthascherei die Leute ins Museum locken. Was in der Frage gipfelt: «Darf man heute noch Schrumpfköpfe ausstellen?»

Ethikstandards eingehalten?

Vorgeworfen wird dem Museum, dass es in Zeiten wachsender Sensibilität gegenüber der Menschenwürde von Ureinwohnern die Köpfe mutmasslich brutal getöteter Menschen zur Schau stelle. Museumsdirektor Daniel Studer wehrt sich: «Ich habe den Eindruck, dass uns hier Sensationslust unterstellt wird.»

Für Ausstellungen in Museen gelten ethische Richtlinien, welche der Internationale Museumsrat erlassen hat.

Darin heisst es, dass «sensible Objekte» mit «Taktgefühl und Achtung vor den Gefühlen der Menschenwürde, die alle Völker haben», zu präsentieren seien. Trifft dies für die Ausstellung der insgesamt sieben Schrumpfköpfe – sechs gekaufte, einer aus der bisherigen Sammlung – im ersten Stock des Museums zu?

Mehr zum Thema in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper vom 12. August.

Aktuelle Nachrichten