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Keine rosigen Buch-Zeiten

Seit einem Jahr gibt es den Verein Buchstadt St. Gallen. Präsidentin Kathrin Hilber über privates Engagement, schmerzhafte Sparmassnahmen und die Bibliotheken der Zukunft.
Stadt mit Buch-Tradition: Der Verein Buchstadt will auf die Bedeutung St. Gallens aufmerksam machen. (Archivbild: Reto Martin)

Stadt mit Buch-Tradition: Der Verein Buchstadt will auf die Bedeutung St. Gallens aufmerksam machen. (Archivbild: Reto Martin)

Frau Hilber, um den Verein Buchstadt St. Gallen ist es in letzter Zeit ruhig geworden. Warum?

Kathrin Hilber: Unser Verein besteht erst seit vergangenem Herbst. Wir stecken also noch mitten in der Aufbauarbeit. Unser Ziel in diesem ersten Vereinsjahr ist, die verschiedenen Akteure im hiesigen Buchmarkt näher zusammen zu bringen – von der geschichtsträchtigen Stiftsbibliothek bis hin zur zukunftsorientierten Gewerbeschule. Wir wollen unsere Kräfte bündeln, ein virtuelles Netzwerk schaffen und damit als einzigartige Buchstadt mehr Aufmerksamkeit erhalten – sowohl nach innen als auch nach aussen.

Als Co-Veranstalter hatte der Verein an der Buch-Biennale im vergangenen April seinen ersten öffentlichen Auftritt. Konnte damit die gewünschte Wirkung erzielt werden?

Hilber: Nein, wir hatten uns eine grössere Ausstrahlung erhofft. Das Thema Plagiat war sehr interessant, hat aber vor allem Fachleute und weniger die breite Öffentlichkeit angesprochen. Wir überlegen uns, die Buch-Biennale beim nächsten Mal anders aufzuziehen.

Warum hat St. Gallen den Titel Buchstadt verdient?

Hilber: St. Gallen wird seit jeher mit einer grossen Buchkultur verbunden. Die Buchbestände der Stiftsbibliothek etwa spiegeln zweitausend Jahre Geschichte und Kultur wider. Die Spezialsammlungen der Kantonsbibliothek Vadiana sind über die Landesgrenzen hinaus von Bedeutung. Dazu kommt eine lange Tradition der Buchgestaltung. Einzigartig im deutschsprachigen Raum ist auch das St. Galler Zentrum für das Buch. So einen grossen Stellenwert hat das Buch in anderen Städten wie Zürich oder Bern nicht.

Zurzeit erlebt St. Gallen als Buchstadt aber keine rosigen Zeiten. Das dritte Sparpaket des Kantons trifft auch das St. Galler Zentrum für das Buch und die Vadiana.

Hilber: Wir bedauern das sehr. Dass die Beiträge gekürzt wurden, ist insbesondere für das St. Galler Zentrum für das Buch schmerzhaft. Dort fallen 200 Stellenprozente weg. Die Ausgangslage für St. Gallen als Buchstadt hat sich tatsächlich verschlechtert.

Will der Verein als Lobby für das Buch nun seine Stimme erheben?

Hilber: Nein, als private Initiative müssen wir die Sparmassnahmen der Politik widerwillig akzeptieren. Umso wichtiger ist nun das private Engagement. Der Verein Buchstadt will den Akteuren in der Buchbranche helfen, Mittel von Dritten zu erhalten. Gefragt sind jetzt gute Netzwerke. Eine Herausforderung wird aber auch sein, dass alle am gleichen Strick ziehen, obwohl der Verteilungskampf im Sponsoringmarkt grösser wird.

In einem Jahr öffnet das Provisorium von Freihandbibliothek und Vadiana in der Hauptpost. Damit sind Kanton und Stadt aber noch nicht beim Fernziel grosse Publikumsbibliothek angelangt. Sind Sie trotzdem zufrieden?

Hilber: Ich bin dankbar für diesen Zwischenschritt auf dem Weg zur Publikumsbibliothek. Der Kanton hat mit der Hauptpost ein ideales Gebäude für das Provisorium gefunden. An zentraler Lage können Freihandbibliothek und Vadiana nun in Ruhe Erfahrungen sammeln. Dabei wird sich auch zeigen, welche Bedürfnisse eine künftige Publikumsbibliothek in St. Gallen erfüllen muss.

Bald ist jeder Text digital und damit ortsunabhängig verfügbar. Braucht die Welt überhaupt noch Bibliotheken?

Hilber: Bücher werden weiterhin gebraucht. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Bibliotheken sind nicht nur Aufbewahrungsort für Bücher, sondern spielen in der Gesellschaft für den Wissenstransfer und die Bildung eine zentrale Rolle. Das wird in der digitalen Zukunft so bleiben. Auch dann braucht es in Städten Orte, wo das Wissen – auch als elektronisches Bucharchiv – zentral gebündelt wird. Elektronische Arbeitsplätze werden mehr Bedeutung erhalten. Wir haben die Chance, diesen Wandel der Bibliotheken mit der St. Galler Publikumsbibliothek mitzuprägen.

Interview: Lea Müller

Kathrin Hilber Präsidentin Buchstadt St. Gallen (Bild: Quelle)

Kathrin Hilber Präsidentin Buchstadt St. Gallen (Bild: Quelle)

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