Keine Pistole für den Cowboy

REGION. Die Verbote an diversen Schulen und Kindergärten in der Schweiz zeigen: Spielzeugwaffen an der Fasnacht sind ein heikles Thema. Auch in der Region Rorschach kennt man solche Verbote und Einschränkungen.

Jan Hoefliger
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An vielen Schweizer Schulen und Kindergärten nicht gern gesehen: Als Desperados verkleidete Kinder, die mit Spielzeugpistolen hantieren. (Archivbild: Ralph Ribi)

An vielen Schweizer Schulen und Kindergärten nicht gern gesehen: Als Desperados verkleidete Kinder, die mit Spielzeugpistolen hantieren. (Archivbild: Ralph Ribi)

Der Cowboy steht für einen langen Moment seinem grössten Widersacher bewegungslos gegenüber. Die Spannung liegt fast greifbar in der Luft. Plötzlich zückt der Cowboy seine Pistole und schiesst.

So oder ähnlich dürften sich die Szenen abspielen, die sich manch ein Bube, als Cowboy, Räuber oder Pirat verkleidet, in seiner Phantasie ausmalt. Nur auf das Ballern am Schluss muss er künftig an vielen schulischen Fasnachtsveranstaltungen verzichten. So haben gemäss Tagespresse bereits in Winterthur, Baar und Kreuzlingen Kindergärten und Kita die Käpselipistolen oder sogar Pfeil und Bogen verboten. Das Beispiel der Primarschulen Staad und Altenrhein zeigt: Auch in der Region Rorschach kennt man solche Verbote.

Für Gewalt sensibilisieren

Für Marco Hollenstein, Schulleiter der Schulkreise Staad und Altenrhein, ist der Fall klar: Realen Pistolen oder Gewehren nachempfundene Spielzeugwaffen sind an allen Fasnachtsveranstaltungen der Primarschulen in Staad und Altenrhein verboten. «Wir wollen keine kleinen herumballernden Rambos an der Fasnacht, sondern friedliche, lustige und tolerante Kinder», sagt Hollenstein. Man wolle die Kinder auf Gewalt sensibilisieren und nicht zuschauen, wie aufeinander gezielt oder sogar geschossen wird. Dass Massnahmen wegen Missachtens des Verbots ergriffen werden müssen, ist gemäss Hollenstein selten der Fall. Denn die Schulleitung schreibe vor einer Fasnachtsveranstaltung jeweils Elternbriefe, in denen sie klarmache, dass Käpselipistolen und dergleichen zu Hause bleiben müssten. Eine kurzfristige Modeerscheinung sei das Verbot zumindest an seiner Schule nicht, sagt Hollenstein. «Das Verbot gilt schon seit jeher.»

«Pistole gehört zum Cowboy»

Im Pestalozzischulhaus in Rorschach sieht man Spielzeugwaffen gelassener entgegen. «Die Pistole ist Teil des Cowboy-Kostüms», sagt Schulleiterin Beatrice Heilig. Und Fasnacht sei eine Zeit, in der man in solche Rollen schlüpfen dürfe. Dass die Waffen aber «scharf» gemacht und abgefeuert werden, ist auf dem ganzen Schulareal nicht erlaubt. «Wir können nicht tolerieren, dass Kinder wild in der Luft herumschiessen und einen Lärm veranstalten», sagt Heilig. Als weitere Einschränkung gilt, dass die Kinder nicht auf ein Tier oder gar ein Gspänli zielen dürfen. «Mit solchen Gedanken darf nicht gespielt werden», sagt Heilig. Wenn so etwas passiere, müsse durchgegriffen werden. «Bisher herrschte an vielen Fasnachtsveranstaltungen ein heilloses Durcheinander, und Kontrolle war schwierig», sagt Heilig. Jetzt sei die Überprüfung der Spielregeln aber möglich. Denn im Pestalozzischulhaus werde die Fasnacht nur noch innerhalb der einzelnen Klassen gefeiert.

«Kein Thema» in Goldach

In der Kindertagesstätte Goldach ist ein explizites Spielzeugwaffenverbot «kein Thema». Denn Spielzeugwaffen bringen die Kinder dort gar nicht erst mit. «Die Eltern kaufen den Kindern heutzutage wohl keine Spielzeugwaffen mehr», sagt Leiterin Margot Müntener. Ausserdem würden vor allem Mädchen ihre Kita besuchen. Bei diesen sei eine solche Verkleidung sowieso nicht angesagt. «Die Mädchen wollen lieber Prinzessin sein.»

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