Keine Nische, sondern Platz für alle

RORSCHACH. Endlich ist es so weit, eine grosse Lücke im Rorschacher Kulturleben wird geschlossen. An der Kirchstrasse 3 wird ab heute die Café-Bar Treppenhaus Kultur für Junge bieten. Aber nicht nur, auch ältere Semester sind angesprochen.

Rudolf Hirtl
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Im «Treppenhaus» gab es einiges zu tun: Niklaus Reichle (links) und Ben Stokvis auf der Bühne, auf der ab heute vielfältige Kultur angeboten wird. (Bild: Rudolf Hirtl)

Im «Treppenhaus» gab es einiges zu tun: Niklaus Reichle (links) und Ben Stokvis auf der Bühne, auf der ab heute vielfältige Kultur angeboten wird. (Bild: Rudolf Hirtl)

Ein Café, in dem auch Kultur stattfindet – oder aber eine Kulturplattform, bei der auch Kaffee getrunken wird. Was ist es denn nun, das «Treppenhaus», das heute seine Eröffnung feiert. «Wir sind beides. Und dies klar getrennt, und doch zusammen», sagt Programmleiter Niklaus Reiche, der neben Eleonora Farinello (Präsidentin), Katrin Rutz, David Häne, Ben Stokvis, Jolanda Reichle und Katharina Bürkler das Kernteam des Vereins bildet. Getrennt, so Reichle, weil das Konzertangebot unabhängig vom Café gestaltet wird, und zusammen, weil das Café als eine Art Venusfalle fungieren soll. Es wird zwar keine Fliegen anziehen, aber nach den Vorstellungen des «Treppenhaus»-Teams Café-Gäste in den Konzertbereich locken. «Wenn Gäste, die eigentlich nur auf einen Kaffee reinschauen, auch auf unser Kulturprogramm aufmerksam werden, dann sind wir auf dem richtigen Weg.»

Älter und ruhiger geworden

«Viele Leute haben sich ins <Mariaberg> gar nicht rein getraut», sagt Reichle. So habe sich das Kulturlokal mehr und mehr in einen Club mit relativ starrer Stammkundschaft entwickelt. «Im Café Treppenhaus ist deshalb alles darauf ausgerichtet, ein möglichst breites Publikum anzusprechen. Es soll vom Alter her ebenso unterschiedlich sein wie von der Nationalität.» Sichtbar wird dies laut Reichle auch durch die Zusammensetzung des Teams. Waren die Macher des legendären «Hafenbuffets», dessen letztes Jahr er als Mitorganisator erlebt hat, durchschnittlich 20 Jahre alt, so dürfte sich das Durchschnittsalter des «Treppenhaus»-Teams gegen 28 Jahre bewegen.

Komfortable Lage

«Kultur ist da, wo sich Leute treffen», sagt Niklaus Reichle. Aus diesem Grund sei das Café im Parterre auch möglichst offen und leicht zugänglich gestaltet worden. Nicht zuletzt deshalb, da der Restaurationsbetrieb einen Grossteil der für den Betrieb des Kultur-Cafés nötigen Finanzen erwirtschaften soll. Zwischen 30 und 40 Personen finden in der Café-Bar Platz. Das dort angebotene Gebäck wird von sieben Frauen aus der Region hergestellt, die beim Backwettbewerb überzeugt haben.

Im «Buffet» und zu Beginn auch im «Mariaberg» waren Lärm und Gäste, mit gelegentlich mangelhafter Kinderstube, ein Problem. Im «Treppenhaus», zwischen Kirche und Rathaus gelegen, soll dies nicht mehr so sein. «Einerseits haben wir hier an der Kirchstrasse eine sehr komfortable Lage. In der näheren Nachbarschaft hat es wenige Wohnungen. Ausserdem werden wir beim Bühnenprogramm auf eine grosse Breite achten und die Musik so aussuchen, dass keine Extreme angezogen werden.» Auch wenn das Programm ruhiger und gesetzter sein werde als in der Vergangenheit, heisse dies nicht langweilig. Im Gegenteil, sanfte Gitarrenriffs werden ebenso zu hören sein wie Synthesizer- oder Elektro-Sound, ergänzt durch Lesungen und Parties.

Kulturbereich fremd vermieten

Trotz 60 000 Franken aus dem Lotteriefonds und 10 000 Franken, welche die Stadt Rorschach jährlich beisteuert, der Betrieb von Café und Bühne durch den Verein will finanziell gesichert sein. Für die «erschwinglichen und künstlerisch anspruchsvollen Veranstaltungen» werden voraussichtlich 10 bis 15 Franken Eintritt verlangt. «So ganz genau wissen wir das selber nicht», sagt Reichle schmunzelnd und verweist darauf, den Kulturbereich fremd vermieten zu wollen. «Wir haben Beamer, Internet und Soundanlage, daher können wir uns während der programmlosen Zeit eine Nutzung als Büro oder für Sitzungen vorstellen.»

www.treppenhaus.ch