Keine Mauersegler eingezogen

Mitte März hat Gaby Schneeberger von der Segler-Beratung 22 Nistkästen am Klosterplatz angebracht. Nicht ein einziger Mauersegler ist während der Brutzeit dort eingezogen. Weshalb? Die Expertin hat eine Vermutung.

Katharina Brenner
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Gaby Schneeberger von der Segler-Beratung der Stadt überprüft die Nistkästen auf dem Estrich des Gebäudes am Klosterhof 5. (Bild: Michel Canonica)

Gaby Schneeberger von der Segler-Beratung der Stadt überprüft die Nistkästen auf dem Estrich des Gebäudes am Klosterhof 5. (Bild: Michel Canonica)

Sie öffnet einen Holzdeckel nach dem anderen, tastet das Innere der Kästen mit der Hand ab und lugt hinein. . Gaby Schneeberger sieht weder Halme oder Blätter noch Kot. Die 22 Nistkästen auf dem Estrich des Gebäudes am Klosterhof 5 sind unberührt. Sie sehen so aus wie vor vier Monaten, als die Feldornithologin von der Segler-Beratung der Stadt sie dort montierte. Dachdecker bohrten damals auf der Höhe des Estrichs Löcher in zwei Aussenwände des Gebäudes. Darin ist ein Ableger des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums untergebracht. Jedes Loch führt in einen Nistkasten, der 18 Zentimeter breit, 35 Zentimeter lang und 13 Zentimeter hoch ist.

Mit dem Nachwuchs nach Afrika

In den Kästen hätten Mauersegler ihre Nester bauen können. Jeweils Ende April kommen die Zugvögel aus dem südlichen Afrika zurück, wo sie die Herbst- und Wintermonate verbringen. Wenn sie einen Nistplatz gefunden haben, bleiben sie ihm treu. Deshalb sind die Nistkästen für einjährige Vögel gedacht, die zum ersten Mal brüten.

Um sie anzulocken, hatte Schneeberger von Mai bis Mitte Juni Laute von Mauerseglern von einem Band in der Nähe der Nistkästen abgespielt – ohne Erfolg. Auch keine anderen Vogelarten haben die Nistplätze für sich entdeckt. Würde etwa ein Spatzenpaar einen beziehen, würde das die Mauersegler nicht weiter stören, sagt Schneeberger.

Weniger einjährige Vögel

In diesem Jahr seien weniger einjährige Mauersegler nach St. Gallen geflogen als erwartet. Woran das liege, wisse sie nicht, sagt Schneeberger. «Ein Grund ist sicher das kalte und verregnete Wetter.» Es könne sein, dass die Vögel über St. Gallen hinaus geflogen seien auf der Suche nach einem wärmeren Ort. Vielleicht habe es auch auf der langen Reise Probleme gegeben.

Das schlechte Wetter in der Stadt könnte laut Schneeberger dafür sorgen, dass diejenigen Segler, die im Frühjahr nach St. Gallen gekommen sind, die Stadt etwas später als sonst in Richtung Süden verlassen. Normalerweise fliegen sie Ende Juli oder Anfang August zurück ins südliche Afrika. «In diesem Jahr könnte es eher Anfang oder sogar Mitte August werden.»

Lebensraum der Mauersegler

Sind am Ende deshalb keine Segler in die neuen Nistkästen eingezogen, weil die Lage am Klosterplatz ungeeignet ist? Der Estrich des Gebäudes sei ideal für Mauersegler, sagt Schneeberger. Die Vögel verbringen den Grossteil ihres Lebens im Flug. Wenn sie auf dem Erdboden landen, können sie nicht mehr alleine auffliegen. Ihre Nistplätze müssen deshalb in mindestens drei Metern Höhe und der Anflugweg frei sein.

Ein Vorteil auf dem Estrich des Gebäudes sei auch, dass man gut an die Nistkästen herankomme und Wespennester oder tote Vögel aus den Kästen entfernen könnte, sagt Schneeberger.

Natürliche Brutplätze der Mauersegler sind Felsspalten und Klippen. In der Stadt finden sie in alten Häusern Hohlräume für ihre Nester. Die Segler-Beratung der Stadt hatte die neuen Nistkästen am Klosterplatz angebracht, weil Abbrüche und Neubauten die Lebensräume der Vögel bedrohen (siehe Zweittext).

Ausserdem sollte mit den zusätzlichen Nistkästen die Vogelpflegestation entlastet werden, sagt Schneeberger. Im vergangenen Sommer war es vielen jungen Mauerseglern an ihren Nistplätzen zu heiss geworden. Auf der Suche nach Abkühlung fielen sie aus ihren Nestern. Die Vogelpflegestation kümmerte sich um neue Nistplätze für diese Tiere. Am Klosterplatz gäbe es sie jetzt.

Zuversichtlich ins nächste Jahr

Hitze ist für die Segler in diesem Jahr allerdings kein Problem. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Als Schneeberger die Nistkästen am Klosterplatz montierte, sagte sie, es wäre toll, wenn in diesem Sommer das erste Paar den neuen Nistplatz inspizierte. «Dass nicht einmal eines eingezogen ist, ist schade», sagt sie heute. Aber Schneeberger zeigt sich zuversichtlich, dass sich das ändern wird. Ende April 2017 beginnt die nächste Brutzeit der Mauersegler.