Keine Kultur an bester Lage

Vom Jazzkonzert bis zur Guerilla-Galerie: Es kursieren viele Ideen, wie man das leere Lokal im Union-Gebäude nutzen könnte. Die Eigentümerin gibt sich offen, doch passiert ist bisher nichts.

Roger Berhalter
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Leere Schaufenster im Zentrum: Die ehemalige Migros-Filiale im Erdgeschoss des Union-Gebäudes steht seit Juni 2014 leer. (Bild: Beat Belser)

Leere Schaufenster im Zentrum: Die ehemalige Migros-Filiale im Erdgeschoss des Union-Gebäudes steht seit Juni 2014 leer. (Bild: Beat Belser)

Für die einen ist das leere Ladenlokal im Erdgeschoss des Union-Gebäudes ein Schandfleck. Wo die Migros bis zum Juni 2014 noch Brot und Milch verkaufte, bröckelt heute der Verputz, bedeckt Staub den Boden, ragen gekappte Kabel in die Luft. Genau dieser Rohbau-Charme bringt andere zum Schwärmen. «Überall finden sich Spuren von früher. Und diese schönen alten Kacheln: Es wäre genial, den Raum temporär zu nutzen», sagt die Künstlerin Gabriela Falkner. Zusammen mit ihrem Künstlerkollegen Lukas Schneeberger hat die Herisauerin ein Dossier eingereicht, wie man den ehemaligen Supermarkt in eine Kunstgalerie verwandeln könnte. Falkner spricht von einer «temporären Nutzung mit Bildern», ein oder zwei Wochenenden lang.

Von einem urbanen Flair und «Baustellencharakter» schwärmt Andreas B. Müller, Präsident des Vereins Gambrinus Jazz Plus. Auch er hat Ideen, was man im Schaufenster am Marktplatz alles zeigen könnte: «Ich würde gerne unsere Soundanlage dort aufstellen und eine temporäre Plattform für die lokale Jazzszene installieren. Regelmässig, wöchentlich und so lange wie möglich.» Das passe auch zum «Nomadenhaften» des Jazzvereins Gambrinus, der derzeit keinen festen Wohnsitz hat, sondern in verschiedenen Lokalen der Stadt Konzerte organisiert. Auch seine aktuelle Jubiläumswoche zum 20jährigen Bestehen – die Konzerte laufen noch bis Sonntag – wollte der Jazzverein ursprünglich im «Union» starten.

Für eine Ausstellung geeignet

Kathrin Dörig würde hinter der Glasfront am liebsten drei Tage lang eine Künstlerin oder einen Künstler präsentieren. Mit kulturellen Zwischennutzungen hat die Mitgründerin der St. Galler Guerilla-Galerie Erfahrung. «Von der Grösse und Form her und so roh wie er ist, würde sich der Raum im <Union> bestens für eine Ausstellung eignen», sagt Dörig. Die Guerilla-Galeristinnen sagen das nicht nur gegenüber der Zeitung, sie haben ihre Idee schon vor Monaten auch der Versicherung Helvetia präsentiert, der das Gebäude gehört. Sie sind nicht die einzigen: Das leerstehende Lokal an bester Lage ist noch weiteren Kulturschaffenden und Veranstaltern der Stadt ins Auge gestochen.

Betreten zu gefährlich

Ideen kursieren also viele, doch keine wurde bisher umgesetzt. Wer in der Kulturszene nach den Gründen fragt, erhält viele Antworten: Man sei immer wieder (und zu oft) vertröstet worden. Die Anfragen seien versandet oder zwischen der Eigentümerin (Helvetia) und der Mieterin (Migros) hin- und hergeschoben worden. Zudem fehle es vor Ort an Strom, Heizung und sanitären Anlagen. Und nicht zuletzt sei das Betreten der «Baustelle» für Besucher zu gefährlich.

Für Andreas Bühler von der Migros Ostschweiz ist der Fall klar: «Wir können im Moment nicht über den Raum verfügen, ihn also weder nutzen noch weitervermieten.» Der bestehende Mietvertrag mit den Helvetia Versicherungen sei sistiert. Dies, weil man nicht wisse, wann die Bauarbeiten für die Parkgarage Schibenertor starten, die auch einen Teil der von der Migros gemieteten Fläche betreffen würde. «Wir müssen abwarten, bis Klarheit herrscht», sagt Bühler. Bis dahin leite man alle Anfragen von Kulturschaffenden – Bühler nennt konkret nur zwei – an die Eigentümerin weiter.

Dort, bei den Helvetia-Versicherungen, weiss man nur von einer einzigen Anfrage für eine solche kulturelle Zwischennutzung. «Diese mussten wir ablehnen», sagt Mediensprecher Hansjörg Ryser. Doch man sei grundsätzlich offen für kulturelle Nutzungen: «Das ist nicht ausgeschlossen. Wir würden es im Einzelfall prüfen, so lange es sich um eine temporäre Aktion handelt.» Der Brandschutz und die Sicherheit liessen sich mit einigen Massnahmen gewährleisten: «Das sollte möglich sein.»